Gesprengte Pizzeria: Möglicher bedingter Tötungsvorsatz bei Prozess in Wien

Im Fall der explodierten Pizzeria in Hollabrunn gab es vor Gericht eine Wendung
Im Fall der explodierten Pizzeria in Hollabrunn gab es vor Gericht eine Wendung - © APA
Am Landesgericht in Wien wurde am Donnerstag der Prozess um die in die Luft gejagte Pizzeria in Hollabrunn fortgesetzt. Bisher wurde den Angeklagten nur Brandstiftung vorgeworfen. Mit den heutigen Aussagen der zwei Tschetschenen, die das Feuer gelegt haben sollen, könnte auch ein möglicher bedingter Tötungsvorsatz Thema werden.

Die 28 bzw. 43 Jahre alten Männer hatten sich im Ermittlungsverfahren nicht geständig verantwortet bzw. die Aussage verweigert. Nun legten die beiden zur Brandstiftung umfassende Geständnisse ab. Sie belasteten dabei den Betreiber der Pizzeria, der in versicherungsbetrügerischer Absicht das Feuer in Auftrag gegeben haben soll, sowie dessen Neffen schwer. Die Tschetschenen deuteten an, dass das Lokal schon vorher “präpariert” worden sein dürfte, ehe sie es anzündeten. Statt eines beabsichtigten “kleinen Feuers” sei es so zu einer gewaltigen Explosion gekommen.

1.500 Euro für einen “kleinen Brand”

Wie der 43-jährige Tschetschene dem Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Bandion-Ortner) erklärte, traf er sich wenige Tage vor dem Brand über Vermittlung eines Friseurs mit den beiden Männern in deren Lokal. Diese hätten ihm zunächst ihr Leid über den schlechten Geschäftsgang geklagt, um schließlich für 1.500 Euro bei ihm “einen kleinen Brand” zu bestellen.

In Begleitung seines 28-Jährigen Landsmanns ließ sich der 43-Jährige nach Mitternacht von einem weiteren Tschetschenen nach Hollabrunn chauffieren. Mit einem Schlüssel, den ihm der Wirt überlassen haben soll, sperrte er das Lokal auf. Dort wären eine mit Benzin gefüllte 1,5 Liter-Flasche und Papiertücher bereit gelegen. Er hätte – wie von seinen Auftraggebern gewünscht – das Benzin vor allem auf die Dunstabzugshaube, die Schank und sonstiges Mobiliar gegossen.

Gaskartuschen in der Pizzeria

Schon beim Betreten des Lokals habe es “komisch” nach Benzin bzw. Gas gerochen, sagte der 43-Jährige. Am Fußboden sei es nass, teilweise rutschig gewesen – möglicherweise war eine brennbare Flüssigkeit verschüttet worden. Außerdem hätten “die Türken” ihr Versprechen nicht gehalten: “Sie haben gesagt, dass sie alles rausnehmen werden, was gefährlich ist.” Dass Gaskartuschen in der Pizzeria verblieben waren, hätte er nicht geahnt.

Statt des erwarteten überschaubaren Feuers krachte es gewaltig. Beide Tschetschenen wurden durch die Luft geschleudert, der Jüngere erlitt schwere Verletzungen. Das Portal des Gebäudes wurde aus der Verankerung gerissen, davor geparkte Pkw wurden stark beschädigt. Sogar Fensterscheiben auf der gegenüber liegenden Straßenseite gingen zu Bruch.

“Von den zwei Türken verarscht”

Hausbewohner, die über der Pizzeria schliefen, kamen zum Glück nicht zu Schaden. “Es freut mich wirklich, dass außer uns niemand verletzt worden ist. Ich habe wirklich noch Albträume davon”, bemerkte dazu der 43-Jährige. Mit der Detonation hätte er nicht gerechnet: “Ich fühle mich, als wäre ich von den zwei Türken verarscht worden”.

In dieselbe Kerbe schlug der 28-Jährige: “Ich weiß nicht, welche Bomben die Türken dort gelagert haben.” Es sei ausgemacht gewesen, “dass wir ein bisschen Benzin herumschütten. Wir wollten Rauch erzeugen, Ruß, dass die Wände schwarz werden.” Die Detonation sei “ein Schock” gewesen: “Ich wäre fast ums Leben gekommen.” Der 28-Jährige hatte ein Schädel-Hirn-Trauma und zahlreiche Knochenbrüche davongetragen.

Wirt und Neffe belasteten sich gegenseitig

Der Wirt und sein Neffe belasteten sich gegenseitig. Der Gastwirt behauptete, sein Verwandter wäre sein Geschäftspartner und daher mitspracheberechtigt gewesen: “Die Hälfte der Investitionen hat er getätigt gehabt.” Weil die Pizzeria sehr schlecht ging, sei der Neffe auf die Idee gekommen, ein “kleines Feuer” legen zu lassen, um anschließend die Versicherungssumme kassieren zu können: “Wie er mir im Vorfeld darüber berichtet hat, war ich dagegen. Aber ich habe es nicht verhindern können. Ich konnte ihn nicht stoppen.”

“Der Onkel lügt”, meinte wiederum der 33-Jährige. Dieser hätte ihn am 8. März nach Hollabrunn bestellt und ihm erklärt, er habe “ein kleines Feuer” in Auftrag gegeben. “Warum ausgerechnet bei Tschetschenen?”, fragte die Richterin. “Weil man hört, dass die alles machen”, lautete die Antwort. Er hätte gar kein Motiv gehabt, sich auf einen Versicherungsbetrug einzulassen: “Ich hab’ einen Bausparer gehabt.”

Die Verhandlung ist bis zum 19. April anberaumt.

(APA/red)

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