Geschichte der Winterspiele: 1968 – 1984

Akt.:

GRENOBLE 1968:
Die zehnte Auflage der Winterspiele stand ganz im Zeichen des Lokalmatadors Jean-Claude Killy. Er entschied wie Toni Sailer in Cortina alle drei alpinen Bewerbe der Herren (Abfahrt, Riesentorlauf, Slalom) für sich, wobei ihm im Torlauf die nachträgliche Disqualifikation des vermeintlichen Siegers Karl Schranz zu Gute kam. Mit elf Medaillen – davon in Gold durch Olga Pall (Abfahrt), Manfred Schmid (Rodeln) und Wolfgang Schwarz (Eiskunstlauf) – fehlte Österreich nur einmal Edelmetall zur Egalisierung des Rekords von Innsbruck 1964. Als erfolgreichste Nation wurde die Sowjetunion erstmals seit 1956 von Norwegen abgelöst. Die Norsker eroberten insgesamt 14 Medaillen, davon sechs in Gold. Die Teilnehmerzahl stieg auf 1.158 (37 Länder).

SAPPORO 1972:
Die Spiele im Land der aufgehenden Sonne blieben den Österreichern weniger wegen der sportlichen Erfolge als wegen der Disqualifikation von Karl Schranz in Erinnerung. Das IOC unter Avery Brundage untersagte dem Arlberger die Teilnahme, weil er den damals noch strengen Amateurstatus verletzt hätte. Schranz wurde bei seiner Rückkehr auf der Ringstraße in Wien mehr gefeiert als jeder Olympiasieger. Nach Schätzungen der Polizei wurde der “Verstoßene“ von 200.000 Fans bejubelt.

Annemarie Pröll, die große alpine Olympiafavoritin, musste sich mit zweimal Silber zufrieden geben, weil ihr die Schweizerin Marie-Therese Nadig sowohl in der Abfahrt als auch im Riesentorlauf Gold wegschnappte. Österreichs Bilanz war eher dürftig: einmal Gold durch Trixi Schuba im Eiskunstlauf, dazu die Medaillen von Pröll und zweimal Bronze durch Heini Messner (Abfahrt) und Wiltrud Drexel (RTL). Unter 1.006 Athleten aus 35 Ländern ragten die Russin Galina Kulakowa (Skilanglauf) und der Niederländer Ard Schenk (Eisschnelllauf) als jeweils dreifache Olympiasieger heraus.

INNSBRUCK 1976:
Zum zweiten Mal gastierten die Winterspiele in Innsbruck. Doch während es zwölf Jahre zuvor mit zwölf Medaillen viel Grund zum Jubeln gegeben hatte, war die Ausbeute 1976 weniger eindrucksvoll: Je zweimal Gold, Silber und Bronze. Franz Klammer kürte sich mit seinem Abfahrts-Sieg endgültig zum “Kaiser Franz“, Karl Schnabl wurde Olympiasieger auf der Großschanze am Bergisel und holte sich Bronze vom kleinen Bakken. Star der Spiele war eine deutsche Skiläuferin, die vorher kaum jemand auf der Rechnung gehabt hatte: Rosi Mittermaier. Sie wurde nach zweimal Gold (Abfahrt, Slalom) und einmal Silber (Riesentorlauf) nur noch “Gold-Rosi“ gerufen. Mehr Medaillen holte nur die sowjetische Eisschnellläuferin Tatjana Awerina, die zwei Goldmedaillen noch zwei Bronzene hinzufügte. Die Sowjetunion (27 Medaillen) gewann ganz klar die Nationenwertung. 1.123 Sportler aus 37 Ländern waren am Start.

LAKE PLACID 1980:
Österreich bestätigte seinen Ruf als Abfahrts-Nation Nummer eins, der Außenseiter Leonhard Stock und Annemarie Moser-Pröll waren die schnellsten Downhill-Racer. Doch der größte Triumphator der Spiele war ein Flitzer auf blankem Eis: Eric Heiden. Der US-Amerikaner war über alle fünf Distanzen am schnellsten. Für Österreich gab es insgesamt siebenmal Edelmetall. Toni Innauer holte sich von der Normalschanze jenes Gold, das er vier Jahre zuvor in Innsbruck verpasst hatte. Zweimal Silber und zweimal Bronze ergänzten die Sammlung. Die DDR war erstmals stärkstes Land (23 Medaillen). 37 Nationen entsandten 1.072 Athleten.

SARAJEVO 1984:
Das olympische Katastrophenjahr für Österreich. Der Abfahrer Anton “Jimmy“ Steiner sorgte mit seinem dritten Platz für das einzige Edelmetall im damaligen Jugoslawien. Mit drei Gold- und einer Bronzemedaille war die finnische Langläuferin Maria-Liisa Hämäläinen die herausragende Athletin. Die DDR und die Sowjetunion lieferten einander ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg in der Nationen-Wertung, das die Ostdeutschen mit neunmal Gold, neunmal Silber und sechsmal Bronze für sich entschieden. Erstmals nahmen über 1.200 Athleten und mehr als 40 Nationen teil: Genau 1.274 aus 49 Ländern.

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