Geschichte der Olympischen Spiele der Antike

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Wettkämpfe, Kulturhandlungen und FestgelageDie Olympischen Spiele der Antike entwickelten sich erst im Laufe der Zeit zu einem fünftägigen, intensiven Happening. Wir wissen aus antiken Zeugnissen, dass bei den ersten aufgezeichneten Spielen im Jahr 776 v. Chr.

lediglich ein Kurzstreckenlauf – Stadion genannt – über ein Wegmaß von 600 Fuß (oder 192,28 Meter) stattfand. Erst allmählich vergrößerte sich die Zahl der Agone immer mehr – bis zu einem für damalige Verhältnisse beachtlichen Umfang.

So bewunderswert regelmäßig die antiken Olympischen Spiele alle vier Jahre ausgetragen wurden, so zahlreich waren die Veränderungen, denen sie im Lauf der Jahrhunderte unterworfen waren. Und zwar nicht nur, was die Anzahl und die Art der Wettkämpfe betrifft, sondern auch in Bezug auf die Zeitdauer und den Ablauf der Festtage.

Trotzdem kann festgehalten werden: Das Wettkampfprogramm von Olympia blieb stets übersichtlich. Der Verlockung, immer neue Disziplinen aufzunehmen, widerstanden die Ausrichter von damals sehr viel besser als ihre modernen Kollegen. Denn wie bereits in der vergangenen Folge erwähnt: Nie in der über tausendjährigen Geschichte Olympias fanden mehr als 18 Agone statt. Diese Wettkämpfe gliederten sich in drei Gruppen:

  • Agon der Herolde und Trompeter
  • gymnische Agone mit den leichtathletischen (Laufen und Pentathlon, sprich: Fünfkampf) sowie den schwerathletischen Bewerben (Ringkampf, Faustkampf und Pankration, eine Art antikes “Catch-as-catch-can”
  • hippische Agone mit diversen Wagen- und Pferderennen

In welcher Reihenfolge die Wettkämpfe stattfanden, ist nur für gewisse Zeiträume sicher rekonstruierbar. Hinreichend bezeugt ist, dass das große Fest in der klassischen Zeit, ganz gewiss von der 77. Olympiade (472 v. Chr.) an, fünf Tage dauerte.

Der erste Tag

Feierliche Eröffnung. Sämtliche Teilnehmer (Priester, Kampfrichter, Wettkämpfer, Trainer und Zuschauer) versammeln sich in der Altis, dem von einer Mauer umschlossenen heiligen Hain des Zeus. Den Auftakt bildet ein religiöses Reinigungszeremoniell. Es folgt der heilige Schwur der Athleten und Kampfrichter vor der Statue des Zeus mit Beinamen “Horkios” (Schwurgott), die olympischen Regeln zu achten. Der Eid gilt der Abschreckung vor Bösewichten und wird auch von Vätern, Brüdern und Lehrern geleistet. Als erste treten die Herolde und Trompeter zu ihren Agonen an. Und zwar deshalb, weil den besten von ihnen wichtige (Signal-)Aufgaben bei der Siegerverkündung und Durchführung der Wettkämpfe zukommen. Die eigentlichen sportlichen Wettkämpfe beginnen am Nachmittag mit den Knaben (zunächst nur Stadionlauf und Ringen, später Faustkampf und Pankration).

Der zweite Tag

In aller Früh starten die hippischen Agone: Wettreiten und Wagenrennen. Schauplatz ist das südlich des Stadions gelegene Hippodrom. Der Nachmittag steht ganz im Zeichen des Pentathlons, in der Reihenfolge Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Stadionlauf und Ringen. Den Abschluss des Tages bildet ein Totenopfer für den Fruchtbarkeitsgott Pelops, an dessen Grabhügel in dieser ersten Vollmondnacht des Augusts ein schwarzer Widder verbrannt wird.

Der dritte Tag

Kultischer Höhepunkt der Spiele: Der ganze Vormittag ist Gott Zeus gewidmet. Das Hauptopfer: 100 blumengeschmückte Stiere (Hekatombe), die von Eleern in einer Prozession vom Prytaneion zum Hauptaltar gebracht und dort geschlachtet werden. Die besten Stücke werden Zeus zu Ehren verbrannt. Weiters bringen Festgesandtschaften aus ganz Griechenland ihre Opfer dar – auf den nicht weniger als 70 Altären in der gesamten Altis. Am Nachmittag folgen die Laufbewerbe Dolichos (über 24 Stadien = ca. 4600 m), Stadion und Diaulos (2 Stadien). Ausklang des Tages mit einem saftigen Festschmaus (wohin sonst mit dem vielen Opferfleisch?).

Der vierte Tag

Der wahrscheinlich einzige Tag ohne zentrale Kulthandlungen steht ganz im Mittelpunkt der Schwerathleten: Sie messen sich im Ringkampf, Faustkampf, Pankration sowie dem Waffenlauf, der überhaupt den Schlußpunkt aller Wettkämpfe bildet.

Der fünfte Tag

Siegerehrungen. Festliche Prozession zum Zeustempel. Die Sieger, bereits unmittelbar nach ihrem Wettkampf mit einem Palmenzweig ausgezeichnet, werden einzeln aufgerufen und von einem Hellanodiken (in Purpur gekleideter Kampfrichter aus Elis) mit dem vielbegehrten Zweig vom heiligen Ölbaum bekränzt. Den Abschluß des Festes bilden ein gemeinsames Dankopfer und ein ausgelassenes Festmahl im Prytaneion.

Offene Fragen

Was bis heute nicht restlos geklärt ist: Warum die Spiele ausgerechnet in die heißeste Jahreszeit, nämlich die zweite Augusthälfte und September, fielen. Man weiß jedoch, dass der zeitliche Fixpunkt der Festlichkeiten jener Tag war, der im achten Monat des elischen Jahres auf die Vollmondnacht folgte. Die Gründe dafür sind vermutlich älter als die Spiele und dürften mit alten Kulthandlungen zusammenhängen, die lange vor 776 v. Chr. an dieser Stelle veranstaltet wurden.

Ungeklärt ist übrigens auch, warum bei den olympischen Kämpfen keine verheirateten Frauen zuschauen durften, wohl aber junge, unverheiratete Mädchen. Dass die Athleten nackt auftraten (seit dem Ende des 5 Jh.), kann für dieses Verbot wohl nicht der Grund sein. Denn das war bei anderen Spielen ebenso, ohne dass deswegen ein derartiges Verbot bestanden hätte.

Nur eine einzige verheiratete Frau durfte, ja musste in Olympia den Kämpfen beiwohnen: die alle vier Jahre neu gewählte Priesterin der Demeter Chamyne, die ihren Sitz im Stadion, gegenüber den Kampfrichtern, hatte. Demeter wurde von den Griechen als Erdmutter verehrt, als Göttin des Korns und der Vegetation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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