Geschichte der Öffis: Straßenbahn in Wien – von Pferdetramway bis ULF

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Wiens Straßenbahnen blicken auf eine bewegte Geschichte zurück, die mit der Pferdetramway begann - © Wiener Linien/Manfred Helmer/Johannes Zinner

Heute gehören Wiens Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen zum alltäglichen Stadtbild – doch das war natürlich nicht immer so. Zum 150-jährigen Jubiläum der Öffis in Wien hält VIENNA.at einen Rückblick auf die Geschichte der Wiener Linien. Zum Auftakt: die Straßenbahn.

Anno dazumal verkehrten auf den Straßen Wiens statt unseren heutigen Niederflurstraßenbahnen noch Pferdetramways, statt den heute modernen Öko-Bussen gab es Doppeldecker mit Holzbänken. In 150 Jahren haben sich die Öffis in der Bundeshauptstadt stark verändert, was das Aussehen, aber natürlich auch, was den Komfort betrifft. In ihrem Blog halten die Wiener Linien die wichtigsten Meilensteine der Öffi-Geschichte fest – wir haben die Highlights.

Von der Pferde-Eisenbahn zur Pferde-Tramway

Das Jahr 1840 bildet den ersten Meilenstein in der Geschichte der Wiener Linien – denn da nahm die erste von Pferden gezogene Eisenbahn ihren Betrieb auf. Verkehrt wurde zwischen dem Rotenturmtor und der Brigittenau, die Rote führte den Kai entlang über den Mathildenplatz (der seit 1919 Gaußplatz heißt). Die Schienen für die Pferde-Eisenbahn waren aus Holz, gefahren wurden täglich ab 14 Uhr in 15-Minuten-Intervallen. Ins Leben gerufen hatte dieses erste “Öffi” ein Wiener Geschäftsmann – der Besitzer des Lokals “Kolosseum” wollte sein Etablissement in Wien 20 so leichter erreichbar machen.

Am 29. Juni 1842 wurde dieses jedoch geschlossen und damit auch Wiens erste Pferdeeisenbahn eingestellt. Erst über 20 Jahre später, am 4.Oktober 1865, ging die erste öffentliche Pferdetramway in Betrieb und führte vom Schottentor nach Hernals.

Öffis: Entwicklung der elektrischen Straßenbahn

Kurz zuvor, am 1. Mai 1865, war die Wiener Ringstraße feierlich eröffnet worden. Mit der “Ersten privilegierten Kaiser-Franz-Joseph-Pferde-Eisenbahn” begann der öffentliche Massenverkehr in Wien. 28 Wägen waren auf dieser ersten privaten Pferdetramway unterwegs. Wegen des Gewichts wurden diese “Zweispänner” von jeweils zwei Pferden gezogen. Im April 1866 wurde die Strecke der Pferdetramway von Hernals bis zum Endstelle nach Dornbach verlängert.

1867 wurde die “Wiener Tramwaygesellschaft  (WT)” gegründet, und zielte darauf ab, weitere Tramwaylinien in Betrieb zu nehmen. Zur Wiener Weltausstellung im Jahr 1873 waren schon ingesamt 554 Wägen auf 37 Streckenkilometer unterwegs. 1871 kam es zur Gründung der “Neuen Wiener Tramwaygesellschaft (NWT)”, um ein zusätzliches Pferdebahnnetz zu errichten. Ab 1896 entwickelten sich Bemühungen in Richtung elektrische Straßenbahn: Mit der Inbetriebnahme der ersten “Elektrischen” am 28. Jänner 1897 feierte diese ihren ersten Geburtstag. Die Neuerungen führten sukzessive zur Einstellung der Pferdetramway. Am 26. Juni 1903 fuhr dann schließlich die letzte Pferdetramway Wiens auf der Strecke durch die Sechsschimmelgasse und die Liechtensteinstraße zum Liechtenwerder Platz. Eindrücke von den Anfängen der Straßenbahn in Wien finden Sie hier.

Dampftramways – Frauen erobern die Wiener Linien

Was dann kam, war die Dampftramway: 1907 wurde die letzte private Dampftramwaygesellschaft von der Gemeinde Wien übernommen, kurz danach starteten die Elektrifizierungsarbeiten. 1908 fuhr die elektrische Straßenbahn schon bis nach Lainz. Danach ging es schleppend weiter: Es dauerte noch weitere vierzehn Jahre, bis das gesamte Straßenbahn-Netz in Wien mit Strom statt mit Dampf betrieben wurde. In diesem Zeitraum wurde wegen des erhöhten Fahrgastaufkommens auch an Vergrößerungen der Straßenbahnwagen gearbeitet. Im Ersten Weltkrieg wurden Fahrer und Schaffner zum Militär eingezogen, weshalb Frauen ihre Positionen erst als Schaffnerinnen, ab 1915 dann auch als Tramway-Fahrerinnen übernahmen. Erst 1922 war die Umstellung von Dampf auf elektrische Triebwagen vollständig abgeschlossen.

Umrüstung auf schaffnerlosen Betrieb

Akuter Personalmangel bei den Wiener Linien erforderte in den 1960er Jahren einige Rationalisierungsmaßnahmen. Damals waren zahlreiche Dreiwagen-Züge mit jeweils vier Mitarbeitern unterwegs – neben dem Fahrer fuhr zusätzlich ein Schaffner pro Wagen mit. Um einzusparen, wurden anstelle von Zweiachs-Wagen neue Gelenkswagen bestellt, die mit einem Schaffner weniger auskamen.

Da weiter reduziert werden musste, wurde am 1. Dezember 1964 der erste schaffnerlose Beiwagen in Wien in Betrieb genommen. Er war erstmals  mit Druckknöpfen als Türöffner für die Passagiere sowie einem automatischen Türschließsystem mit Trittstufen und Türsensoren ausgestattet. Diese Neuerungen machten einen sicheren Betrieb der Züge ohne Schaffner möglich. Auch das neuartige Tarifsystem nahm zu dieser Zeit seinen Anfang – die Lochzange und auch die darauf folgende Stempel-Markierzange als Fahrscheinentwerter hatten ausgedient. Der Fokus ging weg vom Einzelfahrschein und hin zur Zeitkarte.

In den folgenden zwei Jahrzehnten wurden alle Ein-Richtungs-Beiwagen überholt und für einen Betrieb ohne Schaffner umgebaut. Am 31. Oktober 1979 stellte der letzte Beiwagen-Schaffner in Wien seinen Dienst ein.

Wie die Straßenbahnen ab 1980 aussahen, sehen Sie hier.

Manfred Helmer ©

ULF: Die barrierefreien Straßenbahnen

1998 kam in Wien eine weitere Innovation in punkto Straßenbahn zum Einsatz: die ersten ULF (“Ultra Low Floor”)-Züge nahmen den Linienbetrieb auf. Sie machen den weltweit niedrigsten Einstieg in eine Straßenbahn möglich. Nur 19 Zentimeter Abstand zur Straße ermöglichen das beinahe ebene Einsteigen für alle – auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl.

Nach ausgiebigen Tests mit zwei Prototypen gingen im Frühjahr 1998 die ersten ULF-Serienfahrzeuge in Betrieb. Diese wurden zunächst auf den Linien 65 und 67 eingesetzt, später auch auf der Linie 6. Ab Dezember 2000 waren die Niederflurfahrzeuge auch auf der Linie 31 unterwegs. 2001 wurden in der Remise Ottakring die Voraussetzungen für den ULF-Betrieb auf den Linien 46 und J geschaffen. Auf der Linie 71 fahren sie seit Ende Oktober 2002, seit November 2002 auf der Linie 43 und seit März 2003 auf der Linie 44. Im November 2004 folgte die Linie 26. Der Erfolgszug der ULFs war seither nicht mehr aufzuhalten. Sie sind inzwischen auch klimatisiert und mit LED-Anzeigen im Zuginneren ausgestattet.

Künftig Niederflur-Züge von Bombardier?

2004 haben die Wiener Linien bei Siemens 150 Niederflur-Straßenbahnen (ULF) bestellt – mit der vertraglichen Option auf weitere 150 Züge. Doch die nächste Tranche, die ab Ende 2015 benötigt wird, könnte auch ausgeschrieben werden. Bombardier wird als mögliche, günstigere und weniger wartungsintensive ULF-Alternative gehandelt – mehr dazu hier.

Straßenbahnen in Wien: Der Betrieb heute

Heute betreiben die Wiener Linien das größte Verkehrsnetz Österreichs und mit rund 172 Kilometern das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt. Für die Fahrgäste sind heute gut 500 Straßenbahnzüge unterwegs (Stand: 2013). Zur Infrastruktur der Wiener Linien gehören zusätzlich zu den Straßenbahngleisen zehn im Stadtgebiet verteilte Straßenbahnremisen.

Nähere Infos zur Geschichte der Öffis finden Sie im Blog der Wiener Linien.

(red/Wiener Linien/apa)