Gerichtsdrama: Zur Prostitution gezwungen

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Erschütternde Erkenntnisse bei einer Strafverhandlung: eine damals 17jährige Slowakin sollte zur Prostitution gezwungen werden. Sie wehrte sich und stach der Freundin des Zuhälters in den Bauch.

Es war ein Martyrium, das eine 18-jährige Slowakin am Mittwoch einem Schöffensenat (Vorsitz: Beate Matschnig) unter Tränen schilderte: Ein Ungar wollte im Jänner das damals 17-jährige Mädchen auf den Strich schicken und malträtierte sein Opfer mit Schlägen. Auch vergewaltigte er die junge Frau. Als der 27-Jährige weggegangen war, stach sie seiner ebenfalls anwesenden Freundin zwei Mal in den Bauch und verletzte sie schwer. Deshalb fand sich die 18-Jährige mit ihm auf der Anklagebank wieder. Die Verhandlung wurde am Nachmittag vertagt.

Das Geschehen spielte sich am 11. Jänner dieses Jahres ab: Sie war von Banden, wo sie als Kellnerin und Animiermädchen gearbeitet hatte, nach Wien in den Club gebracht worden, wo ihr der Ungar eines ihrer beiden Handys gestohlen habe. Seine Freundin habe sie daraufhin aufgefordert, mit hinauf in eine Wohnung im Nebenhaus des Etablissements zu kommen: “’Und wenn du das Telefon nicht findest, dann werden wir dich ordentlich verprügeln’, hat sie mir gesagt”, erzählte die Angeklagte. Sie ging trotz dieser ersten Drohung mit:

„Ich war naiv, ich habe geglaubt, dass er das Telefon herausrückt.”

In der Wohnung wurde die 18-Jährige eingesperrt. „Was ist, wenn ich dich nicht hinauslasse?”, soll der 27-Jährige gefragt haben. Dann setzte es die ersten Watschen ins Gesicht. „Er sagte: ’Jetzt gehörst du nur mehr mir, du hast jetzt zwei Möglichkeiten.’”, schilderte die junge Frau. Sie konnte sich aussuchen, entweder in Wien zu bleiben und hier in einer Bar der Prostitution nachzugehen oder mit dem 27-Jährigen nach Ungarn zu fahren und dort gemeinsam mit dessen Freundin im Rotlichtmilieu zu arbeiten.

Sie weigerte sich, daraufhin schleppte er sie in ein Zimmer, schlug sie weiter und vergewaltigte sie schließlich. „Er hat einen furchtbaren Hass in seinem Gesicht gehabt, Er sagte zu mir, dass er mich so schlagen werde, dass ich es nicht überlebe, wenn ich das jemandem erzählen werde”, sagte die 18-Jährige. Schließlich verließ er die Wohnung. Seine Freundin unterhielt sich unterdessen mit seiner Mutter, die sich ebenfalls in dem Appartement befand. Auch sie stieß weitere Drohungen aus: „Ich werde sie so schlagen, dass ich die Innereien aus ihr heraustreten werde”, soll sie gesagt haben.

Die Slowakin hatte sich mittlerweile aus der Küche heimlich ein Messer besorgt und dachte über Fluchtmöglichkeiten nach: „Mir ist eingefallen, was sie schon alles getan haben und was mich noch in Ungarn erwartet: Dass ich zur Prostitution gezwungen werde, dass ich geschlagen werde, dass sie mich möglicherweise mit Drogen gefügig machen wollen und dass ich schlussendlich vielleicht sterbe.” Zwei Mal stach sie der Freundin des Ungarn mit dem Messer in den Bauch.

Die Richterin vertagte die Verhandlung zur Einvernahme weiterer Zeugen.

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