Gedenken an Ereignisse vor 100 Jahren: Ausstellung über Genozid an Armeniern

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"Mobilizing Memory": Ausstellung in Wien erinnert an Genozid an Armeniern
"Mobilizing Memory": Ausstellung in Wien erinnert an Genozid an Armeniern - © Wolfgang Thaler 2014 (Sujet)
Am 24. April wird der “Genozid-Gedenktag” zum Jahrestag des Völkermords an den Armeniern begangen. Er erinnert an die Deportation armenischer Intellektueller aus der osmanischen Hauptstadt Istanbul, die am 24. April 1915 den Auftakt des Völkermordes an christlichen Armeniern bildete.

Eine Ausstellung, die morgen in der Wiener Kunsthalle Exnergasse eröffnet wird, erinnert nun an die Ereignisse.”Mobilizing Memory – Vienna” fußt auf dem Projekt “Mobilizing Memory: Women witnessing”, das im vergangenen Herbst im “Depo” in Istanbul realisiert wurde. Dabei befasste man sich mit der Rolle von Frauen als direkte Zeuginnen von Unterdrückung und Terror, mit Widerstands- und Überlebensstrategien.

Erinnerungen an unerträgliche Gewaltakte

“Wie mobilisieren unterdrückte Bevölkerungsgruppen, vor allem deren Frauen, die Erinnerungen an unerträgliche Gewaltakte, angefangen von täglichen ‘Zurechtweisungen’, über Besetzungen und Verschleppungen, bis hin zu Völkermord?”, sind Fragen, die in der Schau gestellt werden. “Wie organisieren sich diese Zeugen zur gemeinsamen Analyse und Bewältigung derartiger Situationen? Wie gestalten sie ihre Zukunft?”

 Austausch mit armenischen Familien

Für Wien wurde die Ausstellung weiterentwickelt. Nun liegt der Fokus auf der Sichtbarmachung der bereits bis zur dritten Generation in Wien lebenden Bevölkerungsgruppen, die von derartigen Schicksalen und der Erinnerung daran betroffen sind. Mit einem Rahmenprogramm soll “eine Plattform für Diskussion, Austausch und Erinnerung” geschaffen werden. So lädt etwa die Künstlerin Silvina Der-Meguerditchian Familien armenischer Herkunft zum Erinnerungsaustausch und der Realisierung eines Kunstwerkes ein.

Erinnerung an Genozid an Armeniern

Die Erinnerung an den Genozid an den Armeniern steht auch im Mittelpunkt der am 7. März gestarteten mehrwöchigen Veranstaltungsreihe “Es schneit im April” im Berliner Maxim Gorki Theater. “Erinnern und Überleben sind Formen von Widerstand, von diesem Widerstand, von Leid und Leidenschaft wollen wir erzählen”, heißt es dazu aus dem Theater. 100 Jahre danach gelte es “nicht eines fernen historischen Ereignisses zu gedenken, sondern die Strukturen, die es möglich machten, offenzulegen und damit den Bezug zu unserer von Konflikten beherrschten Gegenwart herzustellen. (…) Wir wollen nicht darüber streiten, wie es genannt wird, sondern berichten was passiert ist, und welche Lehren daraus zu ziehen sind.”

“Die vierzig Tage des Musa Dagh”

Im Zentrum der Reihe, in der es u.a. Filme, Installationen, Ausstellungen und zu Ostern ein fünftägiges Erzählfest gibt, steht neben dem Musiktheater “Komitas” von Marc Sinan “Musa Dagh – Tage des Widerstands”, ein von Hans-Werner Kroesinger frei nach dem Werfel-Roman “Die vierzig Tage des Musa Dagh” entwickeltes Dokumentartheater. In dem 1933 erschienenen und sofort von den Nationalsozialisten wegen “Gefährdung öffentlicher Sicherheit und Ordnung” verbotenen Roman beschrieb Franz Werfel Verfolgung und Vernichtung der Armenier, aber auch den geglückten Widerstand am Mosesberg, auf dem sich 5.000 Dorfbewohner verschanzen konnten.

24. April: Nationaler Tag des Gedenkens

Nach offiziellen armenischen Angaben kamen 1915/16 bei den systematischen Vertreibungen, Folterungen und Massakern 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei hält diese Zahl für überhöht und bestreitet, dass es sich bei den Gräueltaten um einen Genozid gehandelt habe. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat aber 2014 zum ersten Mal offiziell des Leids der armenischen Opfer gedacht. Zahlreiche nationale Parlamente, aber auch internationale Organisationen bezeichnen das damalige Geschehen heute als Völkermord. In Armenien ist der 24. April ein nationaler Tag des Gedenkens.

(APA/Red.)

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