Gebärmutter-Transplantation in den USA – Mutter und Baby wohlauf

Erste derartige Geburt in den Vereinigten Staaten.
Erste derartige Geburt in den Vereinigten Staaten. - © AP
Nach der ersten Geburt in den USA nach einer Gebärmutter-Transplantation geht es Mutter und Sohn nach Angaben des Krankenhauses gut.

Die frisch gebackene Mama habe das Spital bereits verlassen können, teilten Ärzte der Baylor Universität in Dallas im US-Bundesstaat Texas am Montag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz mit. Das Baby sei noch unter Beobachtung im Krankenhaus.

“Sind optimistisch”

“Wir sind optimistisch, dass dieser anfängliche Erfolg in der Zukunft zu vielen weiteren führen wird”, teilten die Eltern mit. Der im vergangenen Monat geborene Bub ist nach Angaben des Krankenhauses das weltweit neunte nach einem solchen Eingriff zur Welt gekommene Kind.

Als Pionier des riskanten Verfahrens gilt der Schwede Mats Brännström. In seinem Krankenhaus in Göteborg kam 2014 Vincent zur Welt, das erste nach einer Gebärmutter-Transplantation geborene Baby. Vincent gehe es gut, sagte Brännström am Montag zur dpa. Insgesamt sind bei Brännström nach dessen Angaben acht Kinder nach Gebärmutter-Transplantationen geboren worden – alle per Kaiserschnitt. “Alle sind gesund und munter.”

In Österreich bisher keine Gebärmutter-Transplantation

In Österreich gab es bisher keine Gebärmutter-Transplantation, wie Michael Feichtinger von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien im AKH erläuterte. Und im Ausland – wie etwa in Deutschland oder Tschechien – würden solche Eingriffe derzeit nur höchst experimentell in Studien durchgeführt, sagte der Mediziner auf APA-Anfrage. “Die Finanzierung ist die große Frage.” Die Kosten für eine Transplantation und die damit zusammenhängenden Behandlungen schätzt Feichtinger auf 70.000 Euro.

Weltweit gebe es zwar Zigtausende Frauen, die davon profitieren könnten, Österreich sei jedoch zu klein. Es mache Sinn, wenn es einzelne Spitäler in Europa gibt, die auf solche Transplantationen spezialisiert sind, sagte der Experte, der mit Brännström zusammenarbeitet. Die schwedischen Mediziner hätten mit Lebendspenderinnen “unglaublich gute Ergebnisse” erzielt, betonte Feichtinger. In Brasilien dürfte es demnächst die erste Geburt mit dem Organ einer toten Spenderin geben.

Freundinnen oder Schwiegermütter als Spenderinnen

In Schweden wurde laut Feichtinger einer Frau beispielsweise die Gebärmutter ihrer eigenen Mutter transplantiert, in der sie also selbst vor ihrer Geburt herangewachsen war. Sonst hatten sich beispielsweise Freundinnen oder die Schwiegermutter als Spenderinnen zur Verfügung gestellt. “Es ist die erste und meines Wissens auch einzige Transplantation, die wieder rückgängig gemacht wird”, erklärte Feichtinger. Die Gebärmutter wird nach den gewünschten Schwangerschaften wieder entfernt. Sonst müssten die Betroffenen wegen des fremden Organs ein Leben lang Immunsuppressiva einnehmen.

In Deutschland könnte Schätzungen zufolge auf diese Weise bis zu 15.000 Frauen geholfen werden, die keine eigenen Kinder bekommen können, weil sie ohne Gebärmutter geboren wurden oder das Organ durch Operationen verloren haben. An der Universitätsklinik in Tübingen transplantierten Ärzte im Oktober 2016 zum ersten Mal in Deutschland eine Gebärmutter. In den kommenden Wochen wird der 24-jährigen Patientin ihre eigene befruchtete Eizelle eingesetzt, die ihr vor der Transplantation entnommen wurde.

(APA)

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