Gazprom leitet mehr Erdgas nach Europa

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Gazprom leitet mehr Erdgas nach Europa
Der russische Energieriese Gazprom leitet nach eigenen Angaben wieder mehr Erdgas über Weißrussland und die Türkei nach Westeuropa. Engpässe gibt es in Italien und Rumänien, aber keine Probleme in Deutschland.

Ein Gazprom-Sprecher sagte, die Ukraine zapfe weiterhin illegal für Europa bestimmtes Erdgas für den Eigenbedarf ab und sorge so für Lieferverluste in Europa. Zum Ausgleich werde jetzt zusätzliches Erdgas durch die beiden Pipelines in Weißrussland und der Türkei geliefert. Die Ukraine werde weiterhin mit Erdgas versorgt.

In der vergangenen Woche war vor allem in Italien und Ungarn weniger Gas aus Russland angekommen, und die Kältewelle in Osteuropa hatte in einigen europäischen Ländern zu Liefereinschränkungen bei russischem Erdgas geführt. Italien kündigte am Dienstag Sparmaßnahmen bei der Heizung von Privathäusern und Büros an, Rumänien stellte einen Teil der Stromversorgung auf Kohle und Öl um.

Gazprom betonte am Dienstag erneut, die vertraglich vereinbarten Gasmengen ins Ausland würden geliefert. Der ukrainische Gasversorger Naftogas räumte unterdessen ein, dass „wegen extremer Kälte mehr Gas aus den Leitungen entnommen wird als mit Russland vereinbart“. Die Mengen sollten später nachgepumpt werden. Das Anzapfen der Leitungen geht offenbar auf Kosten des Transits nach Europa.

Italiens Industrieminister Claudio Scajola kündigte angesichts der gesunkenen Gaslieferungen Sparmaßnahmen an. So werde per Gesetzesdekret in den kommenden Tagen angeordnet, die Heizungen in allen Privathäusern und Büros um ein bis zwei Grad herunterzuschalten, berichtete die Zeitung „La Stampa“. Von der Regelung ausgenommen seien lediglich Krankenhäuser, Seniorenheime, Grundschulen und Kindergärten. Der rumänische Wirtschaftsminister Codrut Seres bat Russland, die Erdgaslieferungen in dem vertraglich vereinbarten Umfang aufrecht zu erhalten.

In einer der beiden Pipelines, die Rumänien mit Erdgas von Gazprom versorgen, sei der Druck um 10 bis 15 Prozent gesunken. Rumänien hat daraufhin bei Elektrizitätswerken den Betrieb auf Kohle und Erdölprodukte umgestellt und bei sechs gasbetriebenen Chemiefabriken die Produktion unterbrochen.

In Deutschland gibt es nach Auskunft der größten Gasimporteure E.ON Ruhrgas und Wingas keine Probleme. „Wir erhalten ausreichend Gas, um unsere Kunden in vollem Umfang versorgen zu können“, sagte ein Sprecher von E.ON Ruhrgas in Essen. Zwar habe es in den vergangenen Tagen kleinere Schwankungen bei den Lieferungen von russischem Erdgas gegeben.

Das habe aber zu keinem Zeitpunkt Sorgen bereitet. Wingas in Kassel teilte mit, der russische Konzern Gasprom liefere nach wie vor die vereinbarten Mengen. Beim Versorger VNG in Leipzig hieß es: „Wir können auch für die kältesten Wintertage sicher stellen, dass unsere Kunden so viel Erdgas erhalten, wie sie benötigen.“

Insgesamt blieb die Situation der Gasversorgung in Europa gespannt, da die Kältewelle weiter fast den ganzen Kontinent fest im Griff hielt. Gazprom hatte wegen der Kälte in Russland und des damit verbundenen hohen Heizbedarfs seine Lieferungen nach Europa zu Gunsten der heimischen Kunden gekürzt. Rund ein Viertel des Gas-Bedarfs in Westeuropa wird von Gazprom gedeckt.

Erst Anfang des Monats hatten Gazprom und die Regierung in Kiew ihren Streit um höhere Preise beigelegt, in dessen Verlauf der Ukraine zeitweise das Gas abgedreht worden war.

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