Gaming Trends der Gamescom 2014 – Virtual Reality und Free2Play

Von VOL.AT/Alf Waibel
Die Aussteller auf der Gamescom protzten natürlich mit Technik vom Feinsten.
Die Aussteller auf der Gamescom protzten natürlich mit Technik vom Feinsten. - © Messe Köln
Dieser Tage ging wieder die größte E-Gaming Messe im deutschsprachigen Raum in Köln über die Bühne. Die Nachfrage nach der Veranstaltung ist ungebrochen enorm: Lange vor Messestart waren alle per Tageskontingent limitierten Tickets ausverkauft. Wer noch eine der raren, von der Publikumsfluktuation abhängigen Nachmittagskarten an der Kasse ergattern konnte, zählte zu den Glücklichen.

Wobei ungetrübter Messegenuß unter diesen Umständen natur- und erfahrungsgemäß Wunschvorstellung bleibt: Selbst am Presse- und Fachbesuchertag waren die Schlangen vor den meisten Highlights lange – Wartezeiten von 1,5 Stunden aufwärts eher die Regel, denn die Ausnahme. Dazu trägt leider auch die bereits letztes Jahr von den Ausstellern scharf kritisierte Ausgabe der Messeverantwortlichen von “Wildcards” bei. Hier sollen  auch Normalbesucher die Gelegenheit haben, am Nachmittag des Presse-Tages sich mit den anwesenden Journalisten gegenseitig in endlos langen Warteschlangen vor gefragten Hardware- und Softwareneuigkeiten auf die Zehen zu treten. Aufgrund der Kritik nach der GC 2013 wurde die Anzahl der “Wildcardler” zwar angeblich dieses Jahr halbiert, – genaue Zahlen der ausgegebenen Wildcards fehlen – allerdings war die Schlange der Wildcard-Eigner am Eingang bereits am Morgen des Pressetages derart lang, dass die Massen wohl lange vor Mittag eingelassen wurden. Ein vernünftiges Testen der Games war somit für die Mehrzahl der anwesenden Journalisten unmöglich. Profitmaximierung auf Kosten des Informationspolitik – nicht jedermanns Sache.

Klotzen statt Kleckern

Die Messe selbst ist überaus attraktiv aufgemacht, wobei sich die großen Spielefirmen mittlerweile eine gewaltige Materialschlacht liefern. Aussteller wie Sony, Microsoft, Electronic Arts und Blizzard mieten sich für ihre aufwändig inszenierten Stände bereits fast eine halbe Messehalle. Free2Play-Firmen stehen dem in nichts nach: So fahren selbst Entwickler wie das weißrussische Wargaming dank einer installierten Free2Player-Base von 100 Millionen weltweit registrierter Spieler schwere Geschütze auf: Deren Stand konnte sich in Sachen Größe locker mit den Platzhirschen Sony, EA und Microsoft messen.

Finanzschwächere Kreativität bleibt immerhin nicht ganz auf der Strecke: So präsentierten sich fast schon verschämt an zwei Ständen mehrere deutschsprachige und internationale Indie-Entwickler mit durchaus spannend neuem, – abseits vom bunten lauten Mainstream. Auch das per Crowdfunding großzügig von Fans finanzierte “Pillars of Eternity” zeigte sich erstmals als spielbare Version. Der Titel verbindet Old School Gamemechanik mit moderner Technik und gehört zu den Geheimtips für Rollenspieler in nächster Zeit.

Auch Cosplayer dürfen naturgemäß bei einer solchen Veranstaltung nicht fehlen. Fans der Bastel- und Verkleidungsszene zeigten farbenfroh und aufwändig gestaltet Helden aus Games und Movies. – Sie waren die bunten Paradiesvögel inmitten der Horden von Tausenden von Game-Begeisterten.

Virtual Reality lebt

Auf der Gamescom 2014 zeichnet sich aber mehr und mehr ein neuer Trend in der Gaming-Szene ab: Virtual Reality ist dank dem per Crowdfunding finanzierten Oculus Rift-Projekt nicht nur leistbar, sondern auch technisch überzeugend. Auf der Messe präsentierte die Amerikaner ihr zweites “Developer Kit”, das dieser Tage in einer Menge von über 50.000 Stück an Game-Entwickler und wagemutige Vorbesteller ausgeliefert wird. Die Schlange vor dem Oculus-Stand gehörte mit zu den längsten auf der Messe. Doch auch die österreichische Firma Cyberith zeigte erstmals ihren “Virtualizer”, eine Art modernes Hamsterrad für VR-Nerds einem breiteren Publikum. Die Hardware soll dank Moonwalk-Gerutsche auf einem glatten Untergrund, fixiert von Klettergurt und Gestänge und VR-Brille auf der Nase ein besonders tiefes Eintauchen in den Cyberspace garantieren. Wenn Tester auch von totaler Immersion schwärmten, sieht das hilflose Herumgerutsche eher nach Moonwalk á la “Jacko” aus – die Vorführ-Geräte fielen mehrfach aus. Beta eben. – Da soll sich angeblich aber noch viel verbessern, laut Hersteller.

Indies gegen Platzhirsche

Insgesamt erwartet uns Gamer künftig wohl eine krude Mischung aus Virtual Reality Overkill, Free2play Spielchen und der xten Fortsetzung altbekannter Games in neuer Aufmachung – zumeist ausgestattet mit Digital Rights Management (Der Gamer darf nur nutzen – am Game gehört ihm bestenfalls die Verpackung) und kostenpflichtigem DLC Bonuscontent. Auch Entwickler müssen eben essen. Daneben keimt aber bereits die “Resistence” gegen die Großen – in Form der zahlreichen großen und kleinen Indie-Entwickler. Welche aber meist wegen geringer Budgets in punkto Glanz hinter den Platzhirschen zurückstehen müssen. Was aber zuweilen dem Spielspaß keinen Abbruch tut. Mein Herz schlägt jedenfalls für die kreativen “Indies”.

Das Gamescom-Fazit

Resumee der Gamescom in Köln? Kann man gesehen haben, muss man nicht. Wer auf das Bad in der Menge und lange Warteschlangen vor jedem wesentlichen womöglich bald erscheinenden Spiel, für das es zumeist schon Bild- und Videomaterial im Netz gibt, abfährt, und viel Geduld mitbringt, erlebt mit der Gaming-Messe aber auf jeden Fall eine der ungewöhnlichsten Events dieser Art im deutschsprachigen Raum. Leider erst ab 2015 – für 2014 ist ja schon alles ausverkauft…

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