Fußgänger-Konferenz “Walk21” ab Dienstag in Wien

Beim "Walk21" wird das Zufußgehen in Wien beleuchtet.
Beim "Walk21" wird das Zufußgehen in Wien beleuchtet. - © APA (Sujet)
Ab Dienstag findet im Rathaus die Fußgänger-Konferenz “Walk21” statt. Mit über 600 Teilnehmern wird das Gehen in allen Facetten von Stadtplanung über Sicherheit bis Gesundheitsbenefits beleuchtet. Außerdem soll der erste österreichische “Masterplan Gehen” präsentiert werden.

In der Bundeshauptstadt werden derzeit rund ein Viertel aller Wege zu Fuß zurückgelegt, rechnete Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) bei der Eröffnungspressekonferenz vor. Das reiche aber nicht: “In den nächsten Jahren wollen wir die 30-Prozent-Marke knacken”, gab sie als Ziel aus. Um das zu erreichen, habe die Stadt noch einiges an Arbeit vor sich, weshalb sie die Konferenz auch nutzen wolle, um von Best-Practice-Modellen in anderen Städten zu lernen und Know-how auszutauschen.

Wien: Eine der gehenswertesten Städte der Welt

“Zufußgehen wird auf der politischen Agenda immer ein Stück weit auch belächelt”, meinte sie. Dabei sei eine Metropole, in der viel flaniert und geschlendert wird, nicht nur belebt, sondern auch Wirtschaft, Sicherheit und Gesundheit würden von der Bewegung profitieren. Erneut erinnerte Vassilakou an die “Vision Zero”, also keine Todesopfer im Verkehr, der man in den vergangenen Jahren zwar stetig nähergekommen sei, aber die man noch nicht ganz erreicht habe.

Einen professionellen Geherblick hat Jim Walker, Gründer der Walk21-Initiative, auf Wien geworfen: “Wien ist eine der gehenswertesten Städte der Welt, aber auch hier muss man sich fragen: Was kann man noch besser machen?” Geht es nach Walker, sind das etwa Fußgängerübergange an viel befahrenen, mehrspurigen Straßen, die derzeit noch “mühsam navigiert” werden müssten.

“Masterplan Gehen” für das Zufußgehen der Zukunft

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der erste österreichische “Masterplan Gehen”, der im Zuge der Konferenz von Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) präsentiert wird. Umwelt- und Verkehrsministerium haben zusammen 26 konkrete Maßnahmen erarbeitet, die dem Zufußgehen in Zukunft mehr Präsenz und Stellenwert geben sollen.

Verankert sind dort etwa bauliche Maßnahmen für mehr Fußgänger-Infrastruktur wie etwa Fußgängerzonen oder Begegnungszonen auf Einkaufsstraßen, rund um Haltestellen oder in sehenswerten Orts- bzw. Stadtteilen. Ebenso sollen fußgängerfreundliche Gesetze, etwa in der Straßenverkehrsordnung, entstehen und etwa die Richtlinien für die Sicherheit von Schulkindern bundesweit vereinheitlicht werden. Die leichte Erreichbarkeit von Öffi-Haltestellen spielt ebenso eine Rolle wie Barrierefreiheit oder die weitere Erforschung des Zu-Fuß-Verkehrs.

Walk21 bringt “Walking Visionaries”

Zu Gast sind aber nicht nur Politiker, sondern etwa auch Stadtplaner, Gesundheits- und Klimaexperten, Architekten oder Aktivisten aus insgesamt 39 Ländern. Mit “Walkshops” und “Urban Labs” soll auch die Stadt selbst erobert werden.

Zudem werden im Zuge der Konferenz “Walking Visionaries” ausgezeichnet – also 30 Konzepte für eine fußgängerfreundliche und lebenswerte Stadt der Zukunft prämiert. Einer dieser Visionaries ist German Sarmiento, der es sich gemeinsam mit seinem Team zur Aufgabe gemacht hat, kaum mehr sichtbare Zebrastreifen in Bogota, Kolumbien, mit Farbe und Muster zurück ins Bewusstsein von Autofahrern und Fußgängern zu bringen. “Durch unsere Aktionen haben nicht nur die Medien, sondern nach und nach auch die Politik, Fußgänger auf ihre Agenda gesetzt”, berichtete er.

Die Konferenzreihe Walk21 wurde 2000 in London ins Leben gerufen. Bisherige Gastgeberstädte waren etwa Sydney, New York, Zürich oder Kopenhagen.

(apa/red)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen