Für Bello nur das Beste

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“Jahr des Hundes”: Singapurs „US Doggie Bakery“, die erste Bäckerei für Hundekuchen und – knabberzeug im Stadtstaat, kann sich in diesen Tagen vor Aufträgen kaum retten.

In professionellen Fotostudios werden in der glitzernden Handel- und Wirtschaftsmetropole doppelt so viele Vierbeiner wie sonst in Pose gerückt, und überhaupt verwöhnen Herrchen und Frauchen ihre Hausgenossen derzeit noch ein bisschen mehr. Denn wenn am 29. Jänner nach dem chinesischen Mondkalender das „Jahr des Hundes“ beginnt, soll es auf der reichen Tropeninsel auch und gerade für Bello nur das Beste geben – ein Ausnahmetag im Hundeleben, der dann ruhig ein bisschen was kosten darf.

Schon 120 Bestellungen zählte Sharon Ho, Besitzerin der „US Doggie Bakery“, für ihr eigens erdachtes Vierbeiner-Menü. Statt Pampe aus der Dose kommen am Vorabend des neuen Jahres dann Hühnerbällchen mit Reis, Lamm oder fleischgefüllte Brötchen in den Napf, zum Preis ab umgerechnet knapp zehn Euro und aufzuwärmen in der Mikrowelle. „Wenn man den Hunden etwas Besonderes gibt, wird das Neujahrsfest auch für sie zum Ereignis“, sagt Unternehmerin Ho. „Bei einem Familienessen zu Neujahr hatte ich einmal meine beiden Cockerspaniel dabei, aber für sie gab es dabei nichts passendes“, erklärt sie ihre Idee.

Fotostudios in Singapur, wo rund drei Viertel der rund vier Millionen Einwohner chinesische Wurzeln haben, können ebenfalls nicht klagen, Hundebilder vom besten Freund des Menschen sorgen für pralle Auftragsbücher. Herausgeputzt mit allerlei Verzierung oder einem neuen Anzug, vorzugsweise in der Glücksfarbe Rot, sitzt des Menschen bester Freund dann manchmal leicht irritiert Modell. Die Abzüge werden gegen Zahlung von umgerechnet etwa 30 Euro überreicht in traditionellen, roten Hongbao-Verpackungen, in denen üblicherweise die Neujahrgeschenke wie Geldscheine stecken.

Weit verbreitet sind Schnauzer oder Terrier als Hausgenossen indes nicht gerade. Gerade einmal rund 42.700 Vierbeiner zählten die Behörden im vergangenen Jahr – ein Tier pro hundert Einwohner; in Deutschland gibt es gemessen an der Bevölkerungszahl dagegen rund fünf Mal so viele Hunde. Lieber halten es die chinesischstämmigen Singapurer mit Zuchtfischen im Aquarium. Den Muslimen im Stadtstaat – immerhin 15 Prozent der Einwohner – gelten Hunde ohnehin als unrein. Wenn schon ein felliges Haustier, dann fällt die Wahl auf Katzen.

Meist führen Hunde auf der Tropeninsel ein Leben im Verborgenen, in Gärten oder im Haus. Wer in Singapur einen der Vierbeiner zu Gesicht bekommen will, hat abends beim Gassigehen die beste Chance. Ein Beutel für etwaige Hinterlassenschaften ist für Herrchen und Frauchen dann quasi Pflicht, denn ein vergessener Haufen kann in dem blitzsauberen Stadtstaat am Äquator mit seinen saftigen Geldbußen für achtlos Weggeworfenes teuer kommen.

Tierärzte warnen angesichts der zu erwartenden Verwöhnungs-Orgie für die Vierbeiner zum chinesischen Neujahr, es nicht zu weit zu treiben. Möglichst kein Fleisch vom Festtags-Tisch ins Fressen rühren, meldeten sich schon besorgt Veterinäre wie Miles McNickle zu Wort. „Denn jede Abweichung von der üblichen Futterkost kann zu Durchfällen führen.“ Was ein unheilvoller Start ins Hundejahr wäre.

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