Fu Long übersiedelt in zwei Wochen nach China

Fu Long übersiedelt in zwei Wochen nach China
Zwei Jahre ist es her, dass Fu Long das Licht der Welt erblickte. Nun soll der Teenager-Panda nach China.

Bald ist es so weit: Der in Wien geborene Panda Fu Long (“glücklicher Drache”) muss Wien verlassen. In zwei Wochen wird das kuschelige Fellbündel, dessen Geburt in Zoo-Gefangenschaft vor zwei Jahren als Weltsensation gefeiert wurde, in seine neue Heimat nach China reisen. In der Pandazucht- und Forschungsstation “Bifengxia” soll der Teenager-Bär vorerst mit gleichaltrigen Artgenossen leben und in vier bis fünf Jahren selbst für Nachwuchs sorgen.

In den Morgenstunden des 18. Novembers startet die langgeplante Abreise des mittlerweile 50 Kilo schweren Bärenjungen, erklärte Dagmar Schratter, Direktorin im Tiergarten Schönbrunn, am Dienstag gegenüber der APA. 15 Stunden muss der Bär in einer Transportkiste im Bauch einer Frachtmaschine ausharren. Nach einem Flug über Shanghai nach Chengdu und einer anschließenden 150 Kilometer langen Autofahrt soll der Wiener Panda am nächsten Tag in seinem neuen Heim ankommen.

Der Tiergarten Schönbrunn blickt der Abreise laut Schratter mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. “Der Abschiedsschmerz ist schon da”, so die Direktorin. “Ich werde ihn persönlich sehr vermissen und seinen weiteren Weg ganz genau mit verfolgen.” Grundsätzlich gebe es aber auch positive Gefühle, wie die Freude auf die Wiedervereinigung der derzeit getrennt gehaltenen Panda-Eltern Yang Yang und Long Hui und möglichen neuen Nachwuchs im kommenden Jahr. “Außerdem wird es Fu Long in China gut haben”, betonte Schratter. Abschiedsfest im Zoo wird es keines geben. Besucher können den kleinen Panda bis 17. November ganz normal im Tiergarten bestaunen.

Die bevorstehende Reise wurde und wir akribisch vorbereitet. Pfleger machen Fu Long seit zwei Monaten immer wieder mit der 1,80 Meter langen und rund 1,30 Meter breiten sowie hohen Reisebox vertraut, mit der auch schon seine Eltern nach Wien reisten. Mit 50 Liter Wasser und 50 Kilo Bambus, Süßkartoffeln, Äpfeln sowie Karotten wird der Bär während des langen Fluges verköstigt. Begleitet wird der “glückliche Drache” von Betreuerin Eveline Dungl und Tierarzt Thomas Voracek, die rund um die Uhr nach dem Rechten sehen. Die Pflegerin wird zusätzlich einige Wochen in China bleiben, um die Eingewöhnung zu erleichtern. Auch Schratter wird nach China reisen und den Wiener Panda offiziell übergeben.

Probleme schließt Schratter aus: “Der Flug wird für Fu Long sicherlich problemlos. Seine Eltern Yang Yang und Long Hui haben vom Transport damals kaum etwas mit bekommen. Sie haben während des Fluges gefressen, getrunken und die restliche Zeit geschlafen”, erklärte die Direktorin. Fu Long geht bereits jetzt normal in die Reisebox, frisst und schläft dort. Probeweise wird die Türe immer wieder verschlossen. “Er wird nicht sediert”, so die Direktorin über den Transport. Der Tierarzt hat für einen Notfall alle Medikamente sowie homöopathischen Beruhigungsmittel dabei.

In Wien gestartete Forschungsprojekte gehen weiter

Ganz alleine muss Fu Long in China übrigens nicht bleiben, einige bekannte Gesichter bleiben ihm erhalten. Die Forscher Anton Baotic und Zoologin Martina Pertl werden ihre in Wien begonnen Arbeiten über die Lautentwicklung beziehungsweise den 24-Stunden-Rhythmus bei Baby-Pandas in “Bifengxia” fortsetzen und auch den “glücklichen Drachen” weiter beobachten. “Auch ich werde ihn sicher besuchen”, kündigte Schratter an.

“Bifengxia” ist die Außenstelle des größten Pandareservat “Wolong”, aus dem Fu Longs Eltern stammen und das im Mai 2008 von einem Erdbeben zerstört wurde. In “Bifengxia” leben rund 40 erwachsene Pandas mit ihrem Nachwuchs auf 1.200 Meter Höhe in einem Reservat mit einer Bambus-Plantage und einer großen Auswilderungsstation. Fu Long könnte in einigen Jahren durchaus auch in freier Wildbahn leben. “Ich glaube, dass er durch das Aufwachsen bei der Mutter sicher die besten Voraussetzungen hat”, meinte Schratter. “Dafür wäre er sicher prädestiniert.” In China wachsen Babys in der Regel nach einem halben Jahr in menschlicher Fürsorge auf.

Laut Vertrag hätte Fu Long schon zu seinem zweiten Geburtstag am 23. August nach “Bifengxia” reisen müssen. China hat – als Eigentümer aller Pandas – einem Aufenthalt in Wien nur bis zu diesem Zeitpunkt zugestimmt. Um ihm den Transport in den heißen Sommermonaten zu ersparen, wurde der Termin auf November verlegt. Als einziges natürlich gezeugtes Panda-Baby in Europa gilt der Bär als besonderer Zuchterfolg.

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