Früherer ORF-Generalintendant Gerd Bacher verstorben: Reaktionen zum Tod

Früherer ORF-Generalintendant Gerd Bacher 89-jährig gestorben
Früherer ORF-Generalintendant Gerd Bacher 89-jährig gestorben - © APA/Barbara Gindl
Der frühere ORF-Generalintendant Gerd Bacher ist am Samstag, den 27. Juni nur wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag gestorben. Der ORF zeigte sich “tief betroffen”.

Bacher stand zwischen 1967 und 1994 mit Unterbrechungen 20 Jahre lang an der Spitze des Österreichischen Rundfunks und war neben “Krone”-Gründer Hans Dichand einer der prägenden Medienmacher Österreichs in der Zweiten Republik.

Der Werdegang von Gerd Bacher

Bacher wurde am 18. November 1925 in Salzburg geboren, wo bei der “Salzburger Volkszeitung” und den “Salzburger Nachrichten” auch seine Laufbahn als Journalist begann. 1954 wurde er nach Wien als Chefredakteur des neu gegründeten “Bild-Telegraf” berufen, zwei Jahre lang – von 1958 bis 1960 – war er Chefredakteur des von ihm mit gegründeten “Express”. Mitte der siebziger Jahre war er kurzzeitig “Kurier”-Chefredakteur, Ende der achtziger Jahre fungierte er für kurze Zeit auch als Herausgeber der “Presse”. Bachers Herz und Leidenschaft gehörten aber immer “seinem ORF”. Von 1967 bis 1975, von 1978-1986 sowie von 1990 bis 1994 war er insgesamt fünfmal Generalintendant des öffentlich-rechtlichen Senders.

Nach dem Rundfunkvolksbegehren und einem neuen ORF-Gesetz wurde Bacher, der sich selbst als wertkonservativer heimatloser Bürgerlicher und “Obmann einer Ein-Mann-Partei mit Aufnahmesperre” sah, 1967 erstmals zum ORF-Chef gewählt. Unter seiner Führung wurde das ORF-Zentrum am Küniglberg gebaut, und der Sender startete eine Informationsoffensive in Radio und Fernsehen. Im Radio wurden die stündlichen Nachrichten und “Journale” eingeführt, im Fernsehen die Informationsendungen ausgebaut.

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“Ich habe die alte Führung noch in der ersten Nacht abgesetzt. Sie waren Auftragnehmer ihrer Parteien”, so Bacher vor Jahren. “So schön” wie in der ersten Zeit ist es “nie wieder geworden, so unabhängig auch nie wieder. Wir fühlten uns als Hohepriester der Zentralanstalt für österreichische Identität. Die Parteien konnten sich nicht vorstellen, dass ein Rundfunk das tut, was er für richtig hält.”

1974 wurde auf Initiative der SPÖ und Bruno Kreiskys “eines der besten Rundfunkgesetze der Welt durch eines der schlechtesten ersetzt”. Bacher musste bald darauf gehen und kehrte 1978 für zwei weitere Perioden an die Spitze des ORF zurück. “They never come back hat bei mir nicht gestimmt.” Nach Bachers Wiederwahl 1978 titelte die Kärntner Tageszeitung “Kreisky in Paris, Benya in Sofia, Bacher im ORF”.

Letze Amtszeit von Bacher

Bachers letzte Amtszeit von 1990 bis 1994 war vom Konkurrenzkampf mit den auch in Österreich immer stärker gewordenen deutschen Privatsendern geprägt. “Mir ist das elektronische Hochland von Tibet lieber als das Tiefland von Luxemburg. Die kommerziellen Fernsehsender haben die öffentlich-rechtlichen unter schweren Quotendruck gesetzt. Diese führen einen heldenhaften Abwehrkampf. Es bleibt die Hoffnung auf Schubumkehr, aber ich glaube es wird noch Ärger”, meinte Bacher in den neunziger Jahren.

Dem ORF blieb der “Tiger” – den Spitznamen verpasste ihm der Karikaturist Gustav “Ironimus” Peichl nach seiner ersten Wahl zum ORF-Chef – auch nach seinem Abschied verbunden. Immer wieder erhob er in medien- und ORF-politischen Belangen das Wort. Wenn Bacher mit den jeweils aktuellen Entwicklungen am Küniglberg unzufrieden war, scheute er sich nicht vor deutlichen Worten. “Mit dem ORF geht es mir wie mit einem Kind, das seine Talente verloren hat”, erklärte er diesen Umstand. Von nachfolgenden Geschäftsführungen zeigte er sich in öffentlichen Statements regelmäßig enttäuscht bis deprimiert. Wer in den Augen Bachers Verfehlungen begangen hatte, zog dessen hartes Urteil samt unzweideutigen Beiworten auf sich: “Laienbruderschaft” hieß es dann etwa in Richtung der aktuellen ORF-Führung.

CONCORDIA-MEDIENPREISE 2013: BACHER

Mit Kritik hielt er sich zurück

Für richtig toll befand er in den vergangenen Jahren nur einen: Gerhard Zeiler, direkt nach Bachers letzter Amtszeit ORF-General, heute Fernsehmanager beim Time Warner-Konzern. “Von New York bis Moskau gibt es keinen, der ein Medienunternehmen führt und nicht weiß, wer Gerhard Zeiler ist. Und auf einen solchen Kapazunder glaubt man hierzulande verzichten zu können”, beklagte Bacher.

Mit Kritik am ORF-Programm selbst hielt sich Bacher vornehm zurück, denn “ich gehöre nicht zu den Scheißern, die unentwegt sagen: Ja, zu meiner Zeit!” Die neue Medienwelt ist Bacher wie vielen seiner Generation fremd geblieben. Das Internet nutzte er kaum bis selten, und als Lieblingsfernsehprogramm verfolgte er in den vergangene Jahren vor allem 3sat und Arte. Daneben sah der Medienmacher, der 1999 von einer Fachmedienjury gemeinsam mit Karl Kraus und Hans Dichand zu Österreichs Journalisten des 20. Jahrhunderts gewählt wurden, täglich mehrere Nachrichtensendungen in ORF, ARD und ZDF.

ORF trauert um Generalintendanten

Betroffen reagierte der Österreichische Rundfunk (ORF) am Sonntag auf den Tod seines langjährigen Generalintendanten Gerd Bacher. “Mit ihm verliert Österreich einen legendären Journalisten, Intellektuellen und visionären Medienmanager, der Radio und Fernsehen des Landes geprägt hat wie kein anderer”, hieß es in einer Stellungnahme des öffentlich-rechtlichen Senders.

“Der Tod Gerd Bachers hat mich – und sicherlich auch sehr viele ORF-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – sehr betroffen gemacht”, betonte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. “In den insgesamt zwei Jahrzehnten an der Spitze des Unternehmens hat Gerd Bacher nicht nur die Unabhängigkeit des ORF und die hohe journalistische und programmliche Kompetenz, sondern auch das große internationale Renommee des ORF begründet und stetig weiterentwickelt. Generationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat Gerd Bacher nicht nur höchste Professionalität und Engagement, sondern auch die Liebe zum ORF gelehrt und vorgelebt. Der ORF verliert mit Gerd Bacher eine seiner prägenden Persönlichkeiten!”

ARCHIVBILD: GERD BACHER

“Wir schulden ihm Respekt”

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Dietmar Hoscher betonte, dass Bacher die Grundlagen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich geschaffen habe. “Er hat die Unabhängigkeit der ORF-Journalistinnen und -Journalisten begründet und den ORF internationalisiert wie auch regionalisiert. Wir trauern um einen großen Vordenker und Unbeirrbaren, der sich bleibende Verdienste um den ORF erworben hat”, sagte Hoscher.

ORF-Publikumsratsvorsitzende Ilse Brandner-Radinger würdigte Bachers Einsatz für die Stärkung der ORF-Information. Bacher “öffnete den ORF als Fenster zur Welt”, so Brandner-Radinger. “Und er hatte sein Ohr auch immer beim Publikum, richtete den Kundendienst ein und ließ verlässliche Messprogramme für Radio und Fernsehen entwickeln, um mit den ORF-Programmen noch näher bei den Menschen sein zu können. Dafür schulden wir ihm großen Respekt!”

In memoriam Gerd Bacher ändert ORF 2 sein Programm und bringt heute, Sonntag, um 23.00 Uhr Andreas Novaks Dokumentation “Gerd Bacher”.

>> Gerd Bacher am 27. Juni verstorben

(APA / Bilder: APA/ORF)

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