Freygeist: Das 12kg leichte E-Bike aus Wien im Test

Von Sarah van den Berg
Dass es sich um ein E-Bike handelt, sieht man nicht auf den ersten Blick.
Dass es sich um ein E-Bike handelt, sieht man nicht auf den ersten Blick. - © VIENNA.at
E-Bikes sind schwer und das Design wenig ansprechend: Mit diesen Vorurteilen räumt das Unternehmen Freygeist aus Wien auf. Es hat ein E-Bike auf den Markt gebracht, das nur 12 Kilogramm wiegt und alle Blicke auf sich zieht. Wir haben das Rad getestet.

Das durchschnittliche Gewicht eines E-Bikes liegt bei 25 Kilogramm. Nicht einmal die Hälfte wiegt das E-Bike von Freygeist. Mit 12 kg ist es nicht nur wendig, sondern lässt sich bequem die Stiegen hinauf tragen. Man muss auch sagen, dass dies – auch wenn der Akku nicht so leicht zu entwenden ist wie bei anderen E-Bikes – kein Rad ist, dass man auf der Straße anschließt oder im Fahrradkeller abstellt. Dagegen spricht nicht nur der Preis von 3.990 Euro, sondern auch das Design: Dieses Rad hat man einfach gerne in der Wohnung – nicht nur zum Akku-Aufladen. Zudem hat das Rad in der Grundausstattung keinen Ständer und muss deswegen vorsichtig angelehnt werden.

Schön und schnell

Der Motor ist sehr unauffällig. VIENNA.at ©

“Schön war mir nicht schnell genug”, lautet einer der Slogans auf der Website des Unternehmens. Soll heißen: Bei Rädern mit schönem Design muss man ordentlich in die Pedale treten und bei E-Bikes muss man gewöhnlich Abstriche in Sachen Schönheit machen. Dieses Dilemma soll durch das Bike von Freygeist gelöst werden – mit einem niedrigen Alu-Rahmen (48cm) in minimalistischem Design, einem Ledersattel von Brooks und schmalen Reifen. Und tatsächlich: Noch kein anderes getestetes Gefährt hat so sehr die Aufmerksamkeit der Kollegen in der Redaktion auf sich gezogen wie dieses. Worte wie “Hingucker” und “Augenweide” sind gefallen – nicht zu unrecht.

Freygeist – Kein klassisches E-Bike

Schicke Details machen das Gesamtbild aus. VIENNA.at ©

Diese Frage wird von allen – egal ob Bewunderer oder Kritiker – immer zuerst gestellt: “Wo befinden sich Akku und Motor?” Der Akku ist im Rahmen “versteckt”. Das hat den Vorteil, dass er nicht so leicht geklaut werden kann, aber den Nachteil, dass beim Laden das ganze Rad an die Steckdose gehängt wird. Der 250 Watt-Motor in der Hinterradnarbe kann auf den ersten Blick auch für eine Schaltung gehalten werden. Da der Freilauf verbaut ist, ist bei abgeschaltetem Motor das Fahren ohne erhöhten Widerstand möglich. Beim Fahren fällt allerdings auf, dass der Motor unschöne Geräusche macht, wenn man verkehrsbedingt überraschend halten muss, während der Motor gerade beschleunigt. In folgenden Generationen des Rades soll dies nicht mehr der Fall sein. Der Lithium-Ionen Akku hat eine Reichweite von rund 100 Kilometern, die Unterstützung durch den Motor kann nicht mehrstufig geregelt werden: An oder aus lautet die Devise. Zwei Umdrehungen der Pedale genügen und schon schaltet sich der Motor zu. Das ermöglicht an der Ampel einen Start, bei dem die Autofahrer nur so schauen.

Die Sportreifen (28 Zoll) mit Negativprofil sind vor allem bei hohen Geschwindigkeiten auf trockenem Asphalt ein Genuss. Bergab auf nassem Pflaster sind sie eine Herausforderung. Apropos nass: In der Grundausstattung wird das Rad ohne Schutzbleche geliefert. Das sieht natürlich schick aus, eignet sich aber nur für Schönwetterradler. Schutzbleche, Beleuchtung und Gepäckträger können zukünftig als Extras bestellt werden und machen das E-Bike nur unerheblich schwerer. Bremsen und Gangschaltung (10 Gänge) sind von Shimano.

Wiener Unternehmen setzt auf Crowdfunding

3.990 Euro kostet das E-Bike. VIENNA.at ©

Martin Trink, Usama Assi und Stephan Hebenstreit sind die Gründer des Start-Ups Freygeist. Über eine Crowdfunding-Kampagne haben sie innerhalb von 97 Tagen 1.110 Unterstützer gefunden, die insgesamt 1,5 Millionen Euro investiert haben. Ende Juli wird mit der Auslieferung der ersten Freygeist-Bikes begonnen.

Mehr Infos rund ums Thema Fahrrad fahren finden Sie in unserem Special.

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