Frauen sexuell belästigt: Zwei Jahre teilbedingt für Wiener Schüler

Das Geständnis brachte dem Täter Strafmilderung.
Das Geständnis brachte dem Täter Strafmilderung. - © APA (Symbolbild)
Der 15-Jährige wurde zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt. Er hatte sieben Frauen verfolgt und überfallen, in einem Fall wurde von versuchter Vergewaltigung ausgegangen.

Ein 15-jähriger Schüler ist am Donnerstag im Straflandesgericht zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt worden, weil er zwischen März 2014 und April 2015 jeweils nach Einbruch der Dunkelheit sieben Frauen verfolgt und überfallen hatte. In einem Fall ging der Schöffensenat von einer versuchten Vergewaltigung aus, die übrigen Fakten wurden als geschlechtliche Nötigung qualifiziert.

“Wie kommt man auf die Idee, wildfremden Frauen nachzulaufen und wie ein Viech über die herzufallen?”, fragte Richter Norbert Gerstberger den Angeklagten zu Beginn des Verfahrens. “Ich kann es mir selber nicht erklären. Es tut mir sehr leid, aber ich kann es nicht erklären”, erwiderte der Handelsschüler.

Der Bursch hatte seinen eigenen Angaben zufolge keinerlei Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Dass der Großteil seiner vorwiegend älteren Freunde ihm in dieser Hinsicht voraus waren, setzte ihm zu. Laut Anklage wollte er auch unbedingt eine Freundin haben, um mit ihnen mithalten zu können. Dem stand allerdings seine Schüchternheit im Wege. Er wagte es nicht, ein Mädchen anzusprechen. Damit erklärte sich Staatsanwältin Tamara Ranzdorf, dass der Schüler in der Nähe seiner in Ottakring gelegenen Wohnung begann, Passantinnen nachzustellen. In ihm sei “der Drang entstanden, fremde Frauen im Intimbereich zu berühren”, hieß es in der Anklage.

Täter legte umfassendes Geständnis ab

Die Übergriffe liefen stets nach demselben Muster ab: Der 15-Jährige folgte seinen Opfern bis vor deren Wohnungen und fiel erst im Stiegenhaus über sie her, indem er sie packte, zu Boden drückte und ihnen den Rock und die Unterwäsche hinunterzog. Drei Mal scheiterte er mit seinem Ansinnen, sie im Intimbereich zu betasten, weil die Frauen lautstark um Hilfe schrien und ihn damit zum Davonlaufen bewegen konnten. In einem Fall wollte er sich allerdings nicht mit dem bloßen Begrapschen zufriedengeben – die geplante Vergewaltigung gelang ihm lediglich infolge der heftigen Gegenwehr der Betroffenen nicht.

Am 15. April wurde der Jugendliche festgenommen. Er legte vor der Polizei ein umfassendes Geständnis ab und gab auch Überfälle zu, die ansonsten wohl kaum geklärt hätten werden können. So führte er die Beamten zu Wohnhäusern, in denen er seiner Erinnerung nach zugeschlagen hatte. Die daraufhin von der Polizei befragten Frauen erkannten den 15-Jährigen bei einer Gegenüberstellung teilweise nicht mit Sicherheit wieder. Eine schloss ihn sogar explizit als Täter aus.

“Auf der Straße hatte ich mehr Angst, dass mich wer erwischt”, erklärte der Bursch auf Befragen, weshalb er den Opfern stets bis unmittelbar vor ihre Wohnungstüren gefolgt war. Nach dem ersten Mal habe er sich “Okay, es hat keiner gesehen” gedacht. Deswegen habe er weitergemacht.

Psychiaterin attestiert schwere Persönlichkeitsstörung

Die Kinder- und Jugendpsychiaterin Gabriele Wörgötter bescheinigte dem Burschen eine schwere Persönlichkeitsstörung. Sie attestierte ihm in ihrem Gutachten zwar Zurechnungsfähigkeit, doch zeichne ihn das Fehlen von Empathie und “gravierendes delinquentes Verhalten” aus. Sie empfahl dringend therapeutische Maßnahmen.

Der Senat ordnete in seinem Urteil dann auch per Weisung das Fortsetzen einer bereits begonnenen Psychotherapie an. Von den verhängten zwei Jahren wurden sechs Monate unbedingt ausgesprochen, was das Gericht mit dem reumütigen Geständnis, dem fast noch kindlichen Alter des Täters sowie dessen bisheriger Unbescholtenheit begründete. 18 Monate wurden dem 15-Jährigen unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachgesehen. Außerdem wurde Bewährungshilfe angeordnet. Verteidiger Philipp Winkler war damit einverstanden, die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Der 15-Jährige wurde nach der Verhandlung enthaftet, da er den unbedingten Strafteil bereits in der U-Haft abgesessen hat. Er kann wieder bei seiner Familie wohnen – der sichtlich bedrückte Vater war als Zuhörer bei der Verhandlung anwesend – und möchte ehestmöglich eine Rauchfangkehrer-Lehre beginnen.

(APA, Red.)

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