Frauen-Power setzt sich weltweit durch

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Frauen-Power setzt sich weltweit durch
Frauen-Power gibt es nicht nur im deutschen Kanzleramt. Auch in Liberia liegt Regierungsmacht seit 2005 in weiblichen Händen. In Saudi-Arabien nahmen erstmals Frauen an Wahlen teil.

Deutschland und Liberia haben seit kurzem eines gemeinsam: Frauen an der Macht. Während Angela Merkel als erste deutsche Kanzlerin die Männer auf die Plätze verwies, setzte sich die Wirtschaftsexpertin Ellen Johnson-Sirleaf in Liberia durch – und ist nun die erste gewählte Präsidentin des gesamten afrikanischen Kontinents. Selbst in Saudiarabien, wo Frauen das Autofahren verboten ist, gab es 2005 eine Wende: Erstmals wurden dort zwei Frauen in ein öffentliches Amt gewählt.

„Dies war ein Jahr, in dem Frauen ihren Kampf an der Basis dank einer gut durchdachten politischen Strategie in etwas Größeres verwandeln konnten“, sagt Kavita Ramdas, Präsidentin des in Los Angeles ansässigen Globalen Frauenfonds, der die Frauenrechtsbewegung in aller Welt unterstützt. „Vor zehn Jahren sagten wir noch, wir wollen Gesetze zum Schutz der Frauen“, erklärt sie. „Jetzt sagen wir, dass wir auch Frauen wollen, die die Gesetze machen.“ Weltweit stieg die Zahl der weiblichen Abgeordneten nach Angaben der Interparlamentarischen Union (IPU) in Genf 2005 auf ein Rekordhoch. 6.960 Frauen haben demnach einen Sitz im Parlament, das sind 16,1 Prozent aller Abgeordneten.

Ihr Gewicht in die parlamentarische Waagschale werfen seit vergangenem Jahr auch die Frauen in Afghanistan. Bei der Wahl zum ersten Parlament seit mehr als 30 Jahren konnten sich die Politikerinnen 68 von 249 Sitzen sichern – etwas mehr als das laut Verfassung vorgeschriebene Viertel. „Die Frauen im Parlament sind die Stimme für die Hälfte des Landes, die so lange schweigen musste“, versprach die Parlamentarierin Safia Siddiki.

Auch im ebenfalls vom Krieg zerstörten Irak, wo im Dezember das Parlament gewählt wurde, sind mindestens 25 Prozent der Sitze für Frauen reserviert. Die neue Verfassung garantiert den Irakerinnen zudem Wahl- und Eigentumsrechte. Etwas Bedenken weckt allerdings die Rolle des Islams in der Verfassung. Frauenrechtler fürchten einen Einschnitt in die Entscheidungsfreiheit bei Scheidungs-, Ehe- oder Erbrechtsfragen.

In die Geschichte ihres Landes sind 2005 die Saudiaraberinnen Lama al Sulaiman und Nashwa Taher eingegangen. Die beiden Geschäftsfrauen sind die ersten Vertreter ihres Geschlechts, die in offizielle Positionen gewählt wurden. Sie sind seit November im Vorstand der Handelskammer von Jeddah. Zunächst hatte die Industrie- und Handelskammer der Stadt die Nominierung von Frauen für ihren Vorstand abgelehnt. Nach einer Flut von Petitionen entschied der Handelsminister aber schließlich, den Frauen die Türen des Gremiums zu öffnen. Das aktive Wahlrecht hatten Frauen bei dieser Abstimmung allerdings nur indirekt: Sie mussten männliche Vertraute mit der Stimmabgabe in ihrem Namen beauftragen.

Immer mehr Frauen an der Macht möchte die neue Präsidentin Liberias künftig in ganz Afrika sehen. Sie sollten ihren Beitrag zur Politik ihrer Länder leisten, forderte Ellen Johnson-Sirleaf in ihrer Antrittsrede nach der Präsidentenwahl im November. Zugleich kritisierte die frühere Finanzministerin und Mitarbeiterin der Vereinten Nationen die Korruption in der von Männern dominierten Politik ihres Landes und versprach, einen klaren Schlussstrich zu ziehen. Neben Johnson-Sirleaf und Merkel hat 2005 auch in Südamerika eine Frau einen Fuß in die Türe zur Regierungsmacht bekommen. Michelle Bachelet könnte schon bald die erste Präsidentin Chiles werden. Die Kinderärztin und Mitte-Links-Kandidatin verfehlte in der ersten Wahlrunde knapp die absolute Mehrheit und muss sich nun am 15. Jänner einer Stichwahl gegen den Konservativen Sebastian Pinera stellen.

Nicht um Regierungsmacht, aber dennoch um die Rolle der Frau auf höchsten politischen Ebenen ging es im vergangenen Jahr auch in Japan: Dort wurde der Weg für einen Gesetzesentwurf bereitet, der wieder Frauen auf den Kaiserthron bringen soll. Noch im Jänner will die Regierung das Gesetz im Parlament einbringen und damit die gegenwärtige Nachfolgekrise im Kaiserhaus lösen.

Laut einem Gesetz von 1947 ist die Thronfolge Männern vorbehalten, die väterlicherseits mit dem Kaiser verwandt sind. Allerdings ist seit 40 Jahren in der Familie von Kaiser Akihito kein Bub mehr geboren worden, der die Kriterien erfüllt. Kronprinz Naruhito hat bisher lediglich eine vierjährige Tochter. Die kleine Aiko aber hat das Herz der Japaner erobert, die nun mehrheitlich dafür sind, dass sie einst den Chrysanthemen-Thron besteigen darf. Japan hätte dann nach rund 250 Jahren wieder eine Kaiserin – dank der Initiativen aus dem Jahre 2005.

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