Frau reichte Scheidung ein, Mann soll sie erdrosselt haben: Prozess in Wien

Der Mann soll seine Frau erdrosselt haben.
Der Mann soll seine Frau erdrosselt haben. - © APA
Weil er seine Ehefrau mit dem Tragegurt ihrer Umhängetasche erdrosselt haben soll, muss sich ein 34-jähriger Mann am kommenden Mittwoch wegen Mordes vor einem Wiener Schwurgericht verantworten.

Obwohl die um ein Jahr ältere Frau längst nicht mehr bei ihm wohnte, eine außereheliche Affäre pflegte und ihn finanziell ausgenutzt haben dürfte, hatte er es nicht geschafft, sich von ihr zu lösen.

Das Paar hatte sich 2006 kennengelernt und bald darauf geheiratet. Da sie unter ihren Arbeitsbedingungen in einer Anwaltskanzlei litt, schlug ihr der Ehemann vor, ihren Job aufzugeben und zu Hause zu bleiben. Er werde stattdessen mehr arbeiten. Die Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, verlief trotzdem wenig harmonisch. Die Frau – eine gebürtige Slowakin – zog schließlich mit den drei gemeinsamen Töchtern wieder in ihre ursprüngliche Heimat, besorgte sich dort eine Wohnung und ging – wie zumindest in der Anklageschrift festgehalten wird – mit dem Mann, der ihr diese ausmalte, ein Verhältnis ein. Ab und zu besuchte sie ihren Ehemann, zu intimen Kontakten kam es laut Anklage dabei aber nicht mehr.

Mann wollte sich von Ehefrau nicht trennen

Obwohl dem in einem Lokal in Döbling als Kellner beschäftigten Ehemann aufgrund der Umstände klar gewesen sein dürfte, dass seine Frau fremdging, kam eine Trennung für ihn nicht infrage. Er versuchte sie vielmehr an sich zu binden, indem er ihr – wie sich im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren zeigte – monatlich bis zu 3.000 Euro in die Slowakei überwies, was ihm nur möglich war, indem er in dem Lokal doppelte Schichten übernahm. Dennoch reichte die Frau schließlich die Scheidung ein, was sie unter anderem damit erklärte, er arbeite zu viel und habe zu wenig Zeit für sie.

Am 7. Oktober 2015 reiste die 35-Jährige wieder nach Wien, um ihre in der ehelichen Wohnung verbliebenen Sachen abzuholen. Außerdem soll ihr der Ehemann ursprünglich versprochen haben, sie zum Scheidungsanwalt zu begleiten. In der Wohnung in der Leopoldstadt kam es dann zu einem Streit.

Frau mit Gurt erdrosselt

Laut Anklage soll die 35-Jährige ihren Mann beschimpft und verbal gedemütigt haben, worauf er von dem Anwaltstermin nichts mehr wissen wollte. Schließlich ging er in den Vorraum, löste den Tragegurt von der Tasche und soll die Frau damit gewürgt haben. Als diese kein Lebenszeichen mehr von sich gab, bespritzte er sie laut Anklage mit Wasser, rief die Rettung an und führte Reanimationsmaßnahmen durch. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte soll er noch Wiederbelebungsversuche unternommen haben, die dann die professionellen Helfer übernahmen. Für die Frau kam aber jede Hilfe zu spät.

Das Verfahren, in dem es für den Angeklagten um zehn bis 20 Jahre oder lebenslang geht, ist auf zwei Tage anberaumt. Zahlreiche Zeugen aus dem Umfeld der Familie und ehemalige Arbeitskollegen des Mannes sind geladen.

(APA)

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