Flüchtlingskrise: Zustrom nach Österreich hält unvermindert an

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Flüchtlinge - Zustrom nach Österreich hält unvermindert an
Flüchtlinge - Zustrom nach Österreich hält unvermindert an - © AP/EPA/APA
Die Flüchtlingskrise hält weiter an. Weiterhin suchen zahlreiche Menschen in Österreich Schutz. Die ÖBB hat in der Zwischenzeit angekündigt, dass die Zugverbindungen zwischen Österreich und Ungarn auch am Wochenende wegen Überlastung ausfallen werden.

Über den Grenzübergang Nickelsdorf reisten in der Nacht auf Freitag und tagsüber erneut tausende Menschen ein. Als Problem kristallisierten sich die Transportkapazitäten heraus.Die Bundesländer stellten weitere Notquartiere bereit.

16.000 Flüchtlinge in einer Woche

Insgesamt sind diese Woche über den Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland bereits rund 16.000 Flüchtlinge eingereist. Von Montag bis einschließlich Donnerstag waren es laut Innenministerium 12.000, am Freitag kamen zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr in der Früh weitere 3.670 dazu. Nur ein kleiner Teil dieser Menschen suchte um Asyl in Österreich an. Von Montag bis Donnerstag wurden 1.141 Anträge gestellt.

Die Zahl der Menschen, die auf dem Weg nach Deutschland diese Woche durch Österreich durchgereist sind, dürfte aber deutlich höher sein als die in Nickelsdorf gezählten 16.000. So sind in München laut Medienberichten seit Samstag 40.000 Flüchtlinge eingetroffen.

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Der Grenzübergang Nickelsdorf auf der Ostautobahn (A4) wurde in der Früh für den Verkehr gesperrt. “Der starke Menschenansturm im Grenzbereich macht die Sperre beider Richtungen notwendig”, informierte die Asfinag in einer Aussendung. Die Sperre wurde gegen 7.00 Uhr veranlasst. Etwa zwei Stunden später wurde der Grenzübergang in Fahrtrichtung Ungarn wieder geöffnet.

Südburgenland als zweiter “Hotspot”

Daneben könnte im Südburgenland ein zweiter “Hotspot” beim Grenzübergang Heiligenkreuz im Lafnitztal entstehen. Während sich am nordburgenländischen Grenzübergang Nickelsdorf zu Mittag eine leichte Entspannung der Situation abzeichnete, kamen im Südburgenland unerwartet mehr als hundert Flüchtlinge über die Grenze. Sie werden nach Angaben der Polizei zunächst in Moschendorf versorgt. Wohin sie dann gebracht werden, war zunächst noch nicht klar.

“Die Menschen dürften sich von Körmend aus auf den Weg gemacht haben”, sagte Polizeisprecher Helmut Marban. “Dort gibt es eine Kaserne, offenbar wurde dort eine Sammelstelle eingerichtet.” Die Informationen durch die ungarische Seite seien nach wie vor dürftig, sagte Marban.

AUSTRIA HUNGARY REFUGEES MIGRATION

ÖBB setzt Zugeveerbindungen aus

Die ÖBB gaben bekannt, dass der Zugverkehr nach Ungarn auch am Wochenende aufgrund von Überlastung ausgesetzt bleiben dürfte. Für Freitag sind zu den regulären Zügen sechs Garnituren vom Osten Österreichs nach Deutschland geplant. Die Deutsche Bahn (DB) hat sich bereit erklärt, diese zu übernehmen. Shuttlezüge von Nickelsdorf zum Wiener Westbahnhof würden am Freitag nicht mehr geführt, sagte zunächst Bahn-Sprecher Michael Braun.

Gegen Mittag kamen rund 50 Busse aus Nickelsdorf am Westbahnhof in Wien an. Dann fuhren auch Züge aus Nickelsdorf. Zu Mittag startete einer, weitere sollten am Nachmittag folgen, sagte Helmut Marban, Sprecher der burgenländischen Landespolizeidirektion. Weiterhin unterwegs waren Busse und Taxis. Zu Mittag hielten sich mehrere hundert Menschen unmittelbar am Grenzübergang Nickelsdorf auf. “Diese Flüchtlinge müssen wir sozusagen noch ‘abarbeiten’. Es schaut gut aus, dass das bis zum späten Nachmittag gelingt”, meinte der Polizeisprecher.

Bundespräsident Fischer am Wiener Westbahnhof

Die Lage am Westbahnhof inspizierte am Freitag Bundespräsident Heinz Fischer, wo sich seit Tagen unzählige Flüchtlinge auf der Durchreise befinden. Er dankte den zahlreichen Helfern und suchte auch den Kontakt zu den Flüchtlingen. Bei denen stieß der Besuch auf reges Interesse, als sich herumsprach, dass es sich um “the president of Austria” handelt. Fischer machte sich ein Bild von den Spendenannahmestellen der Caritas, der Krankenstation und sprach mit freiwilligen Helfern, Mitarbeitern der Polizei, Rettung und ÖBB. Vor den zahlreichen Medienvertretern erklärte er, er sei vor allem gekommen, “um Dankeschön zu sagen” sowie um sich ein genaues Bild zu machen.

FL†CHTLINGE: BP FISCHER AM WESTBAHNHOF

Die Bundesregierung setzte sich ab Freitagmittag bei einer Klausur im Bundeskanzleramt mit dem Thema Flüchtlinge auseinander. Dass Österreich die Grenzen schließen könnte angesichts der großen Zahl an Asylwerbern, die aus Ungarn kommen, wäre das “letzte Mittel”, erklärte dabei Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) gegenüber Journalisten. “Die Situation ist äußerst prekär”, alle würden jedoch professionell zusammenarbeiten, stellte Mikl-Leitner fest.

Die Regierung verständigte sich bei der Klausur auf die Bereitstellung zusätzlicher Mittel: 75 Mio. Euro sollen unter anderem für den Ausbau von Sprachkursen, neue Integrationsangebote und den Ausbau der Lehre für Asylwerber aufgewendet werden. Zudem kommt die Regierung auch Ländern und Gemeinden mit ihrem Hilfspaket in Sachen Flüchtlingskrise entgegen.

Zustrom von Flüchtlingen auch in Ungarn

Unterdessen hält auch in Ungarn und in den Balkanländern der Zustrom an Flüchtlinge weiter an. In Ungarn sind nach Angaben der Regierung seit Jahresbeginn bereits 180.000 Flüchtlinge eingetroffen. Bis Jahresende rechnete Außenminister Peter Szijjarto mit 400.000 bis 500.000 Flüchtlingen, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Zur Notversorgung von Flüchtlingen bat Ungarn daher am Freitag die EU um Hilfe. Budapest habe beantragt, den sogenannten EU-Mechanismus für den Zivilschutz in Gang zu setzen, teilte die EU-Kommission mit. Darüber soll in Brüssel umgehend entschieden werden. Es gehe konkret um Matratzen, Bettwäsche oder Heizmaterial, sagte eine Sprecherin.

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Da am 15. September verschärfte Einwanderungsbestimmungen in Ungarn in Kraft treten, versuchen zahlreiche Menschen noch vorher das EU-Grenzland zu durchqueren. In Serbien und Mazedonien steigt daher ebenfalls der Andrang von Flüchtlinge. In Serbien wurden Freitagfrüh insgesamt 10.000 Menschen in den zwei wichtigsten Aufnahmezentren an der Süd- und an der Nordgrenze des Landes zu Ungarn gezählt. In den Flüchtlingslagern Presevo an der serbisch-mazedonischen Grenze und in Kanjiza an der Grenze zu Ungarn hielten sich jeweils rund 5.000 Flüchtlinge auf. In den kommenden Tagen wird mit einem weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen gerechnet.

Rekordzahl an Flüchtlingen auch in Mazedonien

Auch weil in Mazedonien in der Nacht auf Freitag eine neue Rekordzahl an Flüchtlingen eintraf. Innerhalb von nur zwölf Stunden – zwischen Donnerstagabend 18.00 Uhr und 6.00 Uhr Freitagfrüh – trafen 7.600 Flüchtlinge in Mazedonien ein, teilte eine Mitarbeiterin des UN-Hochkommissariates für Flüchtlinge (UNHCR) laut der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug mit. Unterdessen wurde auch in Slowenien erstmals eine größere Gruppe von 14 Syrern aufgegriffen. Die slowenischen Behörden betonten allerdings, dass derzeit noch nicht keine Anzeichen auf eine Verlagerung der Balkan-Route hindeuten.

FL†CHTLINGE: AUSSENMINISTER KURZ IN MAZEDONIEN

Zeitgleich hält der Flüchtlingsandrang auf München an: Annähernd 50.000 Flüchtlinge seien seit Freitag vergangener Woche in mehr als 500 Zügen nach Deutschland eingereist. Diese Zahl nannte die Deutsche Bahn (DB) am Freitag in Berlin. “Es zeichnet sich nicht ab, dass die Zahlen dramatisch sinken werden”, sagte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern am Freitag. “Aktuell hören wir, dass die Balkanroute frequentierter denn je ist. Das beobachten wir sehr genau.” Angesichts des Andrangs wurde am Bahnhof in Passau, wo am Donnerstag laut Polizei rund 700 Personen angekommen sind, ein Krisenstab zu Versorgung und Weiterverteilung der Flüchtlinge eingerichtet. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier rechnet mit der Ankunft von rund 40.000 weiteren Menschen an diesem Wochenende.

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(APA/ Bilder: AP/EPA/APA)

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