Flüchtlinge: AMS-Wien-Chefin plädiert für Qualifizierung bereits in Asylwerberphase

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Die AMS-Wien-Chefin fordert das System dem deutschen Ablauf anzupassen.
Die AMS-Wien-Chefin fordert das System dem deutschen Ablauf anzupassen. - © APA (Sujet)
AMS-Wien-Chefin Petra Draxl fordert dem deutschen Beispiel zu folgen und bereits bei Asylwerbern mit der Qualifizierung zu beginnen. Von Deutschland “können wir viel lernen”, sagte Draxl, denn das Land kümmere sich in der Asylwerberphase “viel mehr” um die beruflichen Fähigkeiten und Deutschkenntnisse der Flüchtlinge.

Eine frühe Auseinandersetzung mit den Qualifikationen der Asylwerber sei wichtig, weil die Asylverfahren in Österreich nun wieder länger dauern würden, so die AMS-Wien-Chefin. Asylberechtigte würden sich dann bei der Arbeitssuche in Österreich schwer tun, weil sie über kein Netzwerk verfügen. Im Jahr 2015 gab es in Österreich rund 90.000 Asylanträge. Asylwerber haben in Österreich nur in Ausnahmefällen Zugang zum Arbeitsmarkt, etwa eine Lehre in Mangelberufen bis zum Alter von 25 Jahren.

AMS Wien: Große Unterschiede bei Qualifikation der Flüchtlinge

Rund ein Zehntel der Arbeitslosen in Wien sind Asylberechtigte. 14.000 anerkannte Flüchtlinge waren per Ende Dezember beim AMS Wien gemeldet, insgesamt gab es 143.500 Arbeitslose (ohne Schulungsteilnehmer) in der Bundeshauptstadt.

Draxl verwies auf die großen Unterschiede bei den Qualifikationen der Flüchtlinge je nach Herkunftsland . Afghanische Jugendliche konnten aufgrund des Krieges oftmals nicht in die Schule gehen. “Sie sind am falschen Platz zur falschen Zeit geboren worden”, sagte Draxl bei einer Veranstaltung des CSR-Circle und respact am Dienstagabend. Auf ihrer Flucht hätten diese Jugendliche zum Beispiel auch im Iran arbeiten müssen und Fähigkeiten erworben. Im Vergleich dazu würden Flüchtlinge aus Syrien eine gute schulische Ausbildung haben, weil sich das dortige Schulsystem am französischen Bildungssystem orientiere.

Flüchtlingswelle dämpft Bevölkerungsalterung in Österreich

Laut dem Demografen Thomas Fent vom “Vienna Institute of Demography” der Akademie der Wissenschaften dämpft die Zuwanderung von Flüchtlingen die Bevölkerungsalterung in Österreich. “Die Alterung wird etwas verlangsamt”, so Fent. Dennoch wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Österreich ab dem Jahr 2020 bis 2040 durch die Pensionswelle der “Babyboom-Jahrgänge” der späten 1950er und der 1960er-Jahre stark sinken. Der Anteil der Altersgruppe 20 bis 64 Jahren an der Gesamtbevölkerung wird von aktuell 62 Prozent auf bis zu 54 Prozent sinken. “Die Sozialsysteme werden sehr unter Druck geraten”, so die Einschätzung des Demografen.

Das ebenfalls bei der Veranstaltung vertretene Start-up “refugeeswork.at” will ab Februar Asylwerber für bis zu dreimonatige, unbezahlte Volontariate an Unternehmen und NGOs vermitteln. Derzeit dürfen Flüchtlinge mit laufenden Asylverfahren nur in Ausnahmefällen arbeiten. Manche Flüchtlinge warten jahrelang auf ihren Asylbescheid. “refugeeswork.at”-Gründer Dominik Beron will Asylwerbern eine “erste Möglichkeit” bieten, um am österreichischen Arbeitsmarkt hineinzuschnuppern und Erfahrungen zu sammeln. Die via der Webseite vermittelten Volontariate dürfen keine Hilfstätigkeiten umfassen und müssen den Zweck der Ausbildung verfolgen. Die Volontariate müssen außerdem dem Arbeitsmarktservice (AMS) zur Prüfung gemeldet werden und vom AMS dann innerhalb von zwei Wochen genehmigt oder untersagt werden. “refugeeswork.at” will den Unternehmen alle nötigen bürokratischen Hindernisse rund um das Volontariat abnehmen und bietet Formulare und Hilfs- und Checklisten an. Rund 200 Unternehmen haben laut Beron bereits ihr Interesse angemeldet. Der Start der Plattform ist für Februar geplant.

(apa/red)

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