Fleischhauer stahl Fleisch im Wert von 200.000 Euro

Fleischhauer stahl Fleisch im Wert von 200.000 Euro
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Unglaubliche Vorgänge sollen sich über Jahre hinweg in einem Supermarkt in Wien-Hietzing abgespielt haben. Ein in der Fleischabteilung beschäftigter Mitarbeiter soll regelmäßig Fleisch- und Wurstwaren gestohlen und in den umliegenden Wirtshäusern, Buschenschanken und Heurigen verkauft haben. Der von der betroffenen Supermarkt-Kette bezifferte Schaden: Weit über 200.000 Euro. Der 55-jährige Fleischauer bekannte sich am Mittwoch im Straflandesgericht nur zu einem Bruchteil der Anklage schuldig.

Dem Gebietsleiter der bekannten Handelskette kam im Vorjahr zu Ohren, dass sich in der gegenständlichen Filiale die Fleisch- und Wurstbestände immer wieder auf rätselhafte Weise reduzierten. Ein Privatdetektiv wurde eingeschaltet, der am Ende seiner wochenlangen Observationen einen dicken schriftlichen Bericht vorlegte, der einen Fleischhauer unlauterer Machenschaften überführte.

Der Mann hatte die Waren eigenmächtig händisch etikettiert, wobei die ausgewiesenen Preise allerdings weit unter ihrem wahren Wert lagen. Er packte etwa kiloweise Fleisch ein, stellte dafür aber oft nur fünf Euro in Rechnung. Ein befreundeter Pensionist, der sich nun als Komplize vor dem Kadi mitzuverantworten hat, kam dann zwei bis dreimal pro Woche vorbei, marschierte mit den vorbereiteten Packerln zur Kassa und bezahlte die dafür in Rechnung gestellten “Fantasiepreise”.

Nach Dienstschluss betrieben der Fleischer und sein Freund laut Anklage dann einen regelrechten “Zustellservice” und sorgten dafür, dass einige Gastronomen zu besonders günstigen Konditionen an benötigte Waren kamen. Mit dem “Aufschlag” soll sich der Fleischhauer ein einträgliches finanzielles Zubrot verschafft haben.

“I hab des doch gar net nötig! I hab mit meiner Freindin 3.000 Euro im Monat”, tönte dieser nun vor Richter Wolfgang Fahrner. Er gab lediglich zu, im Juli des Vorjahrs ein paar Mal Karrees und Würste abgezweigt zu haben, “weil der Filialleiter im Urlaub war”. Der mutmaßliche Mittäter wusch seine Hände gänzlich in Unschuld. Er halte sich die meiste Zeit des Jahres in Thailand auf, er habe daher “rein theoretisch gar net mitmach’n kennan”.

Der Gebietsleiter erklärte im Zeugenstand jedoch, die Unregelmäßigkeiten in der Fleischabteilung wären in der Filiale allgemein bekanntgewesen. Das habe sich nach Vorliegen des Detektiv-Berichts herausgestellt, als er mit jedem einzelnen Mitarbeiter ein Gespräch führte: “Jeder hat das gewusst. Die älteren, erfahrenen Mitarbeiter haben herumgedruckst, die jungen und die Lehrlinge haben es offen zugegeben.”

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