Fiva ließ das Publikum im Wiener WUK tanzen

Fiva ließ sich im Wiener WUK feiern - zurecht.
Fiva ließ sich im Wiener WUK feiern - zurecht. - © Nina Stiller
Schaut Fiva auf einen Wien-Besuch vorbei, ist auf die Fangemeinde Verlass. Das Konzert am Donnerstagabend im WUK wurde zum gefeierten Auswärtsspiel der Münchner Rapperin, die aktuell mit ihrem neuen Album “Keine Angst vor Legenden” auf Tour ist.

Und das hat es in sich, macht sie dafür – im Studio wie live – doch mit der Jazzrausch Bigband gemeinsame Sache. Da kam zusammen, was zusammen gehört.

Wobei allfällige skeptische Blicke angesichts der 19-köpfigen Unterstützung im Hintergrund (auch ihr langjähriger DJ Redrum war mit von der Partie) schnell ad acta gelegt wurden. Dafür greifen hier zu viele Dinge einfach harmonisch ineinander. Eigentlich als einmaliges Projekt für die Anfang Oktober abgehaltene Manic Street Parade in München geplant, wurde aus der Zusammenarbeit von Fiva und der JRBB mehr: Man ging ins Studio, spielte quasi ein Best-of mit drei neuen Songs ein und befindet sich nun auf ausgedehnter Tour, die nach Wien auch Stationen in St. Pölten, Innsbruck, Linz, Salzburg und Dornbirn umfasst.

Fiva mit neuen Klängen

“Wenn dir so viele talentierte Musiker sagen, sie würden gerne deine Musik vertonen – da kannst du eigentlich nicht Nein sagen”, schmunzelte Nina Sonnenberg alias Fiva vor dem Auftritt. Nach dem ersten Aufeinandertreffen (“Ich kannte die Band ja schon. Überall wo du nicht mit ihnen rechnest, spielen sie auf einmal.”) war schnell klar, dass man auf der selben Wellenlänge ist. Das Konzept wurde entworfen, der Backkatalog nach passenden Songs durchforstet und überdies neues Material eingespielt. “Wir haben drei wunderbare neue Nummern gemacht. Und bei den anderen war es einfach ein Hauptgewinn, man erkennt die Lieder, aber sie klingen vollkommen anders.”

Das stimmt: Wo sonst reduzierte Beat-Samples (“Blaue Flecken”) oder klassische Bandbesetzungen (“Einen Sommer lang nur tanzen”) zu vernehmen waren, streuen nun die Streicher ihre Akzente ein, kann der Bläsersatz seine ganze Kraft ausspielen und wird variantenreich mit den personellen und damit instrumentellen Möglichkeiten gespielt. Auch live konnte man sich davon schnell überzeugen, gab es im ausverkauften WUK von Beginn an kaum ein Halten und wurden die Songs im neuen Soundkleid lauthals mitgesungen, betanzt und gefeiert.

Mit Rap und Freestyle im WUK

Zwar möchte Fiva die unterschiedlichen Arbeitsweisen – etwa im Vergleich zur typischen Kernzelle des Rap, bestehend aus MC und DJ – nicht unbedingt vergleichen. “Da ist ja jede eigenständig und nicht das eine besser oder schlechter. Aber jetzt ist es vielfältiger, wobei man natürlich nicht so flexibel ist.” Dass der Freestyle aber weiterhin zu ihrem fixen Repertoire gehört, wurde freudig aufgenommen – und dank des Zuspruchs gleich doppelt umgesetzt:

Nach dem regulären Set, das mit Großtaten wie “Frühling” oder dem mehr als gelungenen Titelsong des neuen Albums aufwartete, gab es eine eigentlich unübliche Wiederholung, die Fiva augenzwinkernd als “whack” titulierte. Aber trotzdem wurde “Die Stadt gehört wieder mir” im zweiten Durchlauf zur freien Wortverdrehung genutzt.

“Keine Angst vor Legenden”

Essenziell in jedem Fall, egal ob geplanter Showteil oder spontane Erweiterung: Der druckvolle Sound der Band. “Über das Livespielen haben wir es eigentlich auch gefunden”, beschrieb die Rapperin den gemeinsamen Zugang. “Wir haben zuvor viel darüber geredet, wie es klingen soll. Und nun hört man: Es ist eine Bigband, nicht nur ein Klangkörper, der am Schluss entsteht. Und dabei ist nichts aus der Dose – das ist manchen im Publikum oft gar nicht so bewusst.” Sollte das wirklich der Fall gewesen sein, dürfte sich das nach dem gestrigen Abend geändert haben – an ihren Fähigkeiten ließen die Musiker nämlich keine Zweifel aufkommen.

Und auch wenn “Keine Angst vor Legenden” nun kein komplett neues Album ist, jedenfalls was die Songs betrifft: Durch die neuen Arrangements, durch die liebevolle Umsetzung und teils auch textliche Aktualisierung glänzen hier auch Stücke, die bereits 16 Jahre am Buckel haben, in einem neuen Licht. Für Fiva ist das Unterfangen damit nicht zuletzt eine Reise durch die eigene Karriere. “Wenn man sich als Künstlerin durch die Welt bewegt, dann kommen diese verschlungenen Wege”, sprach sie im Interview ihre unterschiedlichen Projekte an, “dann kommen diese Möglichkeiten.” Gut so. Denn in dieser Form möchte man keinen einzigen Ton davon missen.

>> Fiva auf Tour mit der Jazzrausch Bigband, weitere Termine in Österreich: 28.10. Warehouse St. Pölten, 29.10. Treibhaus Innsbruck, 9.12. Posthof Linz, 10.12. Republic Salzburg, 11.12. Conrad Sohm Dornbirn.

(APA)

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