Fischer siegesgewiss, Rosenkranz unbeugsam

Wahlkampf-Abschluss von Rosenkranz und Fischer in Wien
Wahlkampf-Abschluss von Rosenkranz und Fischer in Wien - © APA
Zwei Tage vor der Bundespräsidentenwahl haben Amtsinhaber Heinz Fischer und FP-Kandidatin Barbara Rosenkranz am Freitagabend in Wien ihre Wahlkämpfe offiziell abgeschlossen. Untermalt war dies von einer Anti-Rosenkranz-Demonstration am Heldenplatz, die rund 150 Teilnehmer anlockte. Nach deren Auflösung kam es zu Zwischenfällen.

“Werft Euer Wahlrecht nicht weg”, sagte Fischer vor rund 1.000 Anhängern im Großen Festsaal der Hofburg. Mit dabei war SPÖ-Prominenz von Bundeskanzler Werner Faymann abwärts, aber auch der Grüne Ex-Parteichef Alexander Van der Bellen und der frühere ÖVP-Nationalratspräsident Heinrich Neisser.

Seiner FP-Herausfordererin begegnete Fischer mit demonstrativer Siegesgewissheit und bekundete, weiterhin ein “über den Parteien stehender Bundespräsident” sein zu wollen. “Der Strache-Anspruch, 35 Prozent der Stimmen für seine Kandidatin zu erreichen, ist dahingeschmolzen wie der Schnee im Frühjahr”, so der Amtsinhaber mit Blick auf aktuelle Umfragen. “Die Argumente gegen die Kandidatin der FPÖ sind so deutlich, so klar, so schwerwiegend geworden, wie es nur selten bei einer Wahl der Fall ist.” Und, so Fischer: “Jede einzelne Stimme, die Sie mir geben, ist ein Bekenntnis, dass die Zeit der Ewiggestrigen vorbei und die Menschenwürde unteilbar ist.”

Sich selbst verteidigte der langjährige SP-Politiker gegen den Vorwurf, autoritäre kommunistische Regimes unterstützt zu haben. Er habe schon als 18-Jähriger gegen den sowjetischen “Panzerkommunismus” in Ungarn demonstriert: “Jene, die in den letzten Wochen wider besseres Wissen erklärt haben, sie haben nur die Wahl zwischen Mutterkreuz und Leninorden, sollen sich schämen!”

Strache blieb bei der Rosenkranz-Veranstaltung diesem Tonfall treu. Durch ihr Antreten bei der Wahl habe man dafür gesorgt, dass es nicht zu “nordkoreanischen Verhältnissen” komme, sagte er vor rund 700 FPÖ-Anhängern vor der Präsidentschaftskanzlei. Abermals verteidigte er seine Kandidatin auch in Sachen NS-Verbotsgesetz gegen “Sachen, die sie nicht gesagt hat”. Auch sei es “absoluter Unsinn”, dass sich Strache von Rosenkranz im Wahlkampf distanziert habe.

Rosenkranz, die ebenso wie Strache von einer Richtungswahl sprach, zeigte sich trotzig: “Mich kann man nicht biegen und schon gar nicht brechen.” Fischer sei ein “feiger Diskussionsverweigerer”, sie hingegen “eine Frau aus dem Volk”. “Wo wären wir denn in diesem Land ohne Mütter und Hausfrauen?” Auch das Ausland sehe ihre Kandidatur mit “Gelassenheit, davon bin ich überzeugt”.

Strache, der bei der Wiener Gemeinderatswahl im Herbst antreten will, nutzte seinen Auftritt für Attacken gegen den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) in Sachen Zuwanderung. Der Angesprochene nahm dagegen von der Hofburg aus Rosenkranz ins Visier. Diese habe ihr ganzes Leben lang “nachweisbar, nachhörbar, nachsehbar, nachlesbar” die Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes gefordert und das nach einer medialen Aufforderung im Wahlkampf auch noch geleugnet.

Wie schon beim Wahlkampfauftakt der FP-Kandidatin gab es eine Anti-Rosenkranz-Demonstration. Die Teilnehmer trugen Antifaschismus-Plakate, trommelten und skandierten Parolen wie “Nieder mit der FPÖ”. Der Protest verlief friedlich, nach Auflösung der Kundgebung gab es allerdings beim Burgtheater Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten. In der Folge kam es zu Verhaftungen, eine Polizistin wurde verletzt.

Der Wahlkampf ist zwar offiziell beendet, tatsächlich absolvieren Fischer, Rosenkranz und Christen-Kandidat Rudolf Gehring aber auch am Samstag noch Wahlkampfauftritte. Letzterer hat auf eine Abschlussveranstaltung ganz verzichtet und lädt stattdessen Kinder in den Tiergarten Schönbrunn.

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