First Lady des “French Touch”: Carla Bruni im Konzerthaus

Politikergattin und Chansonniere beehrte das Konzerthaus
Politikergattin und Chansonniere beehrte das Konzerthaus - © APA (AFP)
Carla Bruni ist zwar schon länger nicht mehr die First Lady Frankreichs – aber immer noch die des “French Touch”. Die Tour zum gleichnamigen Album führte das Ex-Model, die Chansonniere und die Politikergattin am Montagabend ins Wiener Konzerthaus. Ein Abend zwischen Amour, Kerzenschein und Schlagerparade, bei dem vor dem “French Touch” nicht einmal der “Highway to Hell” sicher war.

Denn das neue Album der Sängerin, die mit intimen, reduzierten und luftig-flüchtigen französischen Songs und ihrer charakteristisch verhauchten Samtstimme eine glühende Fangemeinde aufgebaut hat, schlägt ungleich derbere Töne an. Die Sammlung von Cover-Songs zwischen Depeche Mode und AC/DC, zwischen ABBA und Lou Reed zeigt vor allem in der Live-Version deutlich: “French Touch” bedeutet ein bisschen Accent, ein bisschen Akkordeon und im erotischen Hauch versinkende Schlussphrasen. Ach ja, und: ins Mikro geflüsterte Titel.

Mit ihrer vierköpfigen Band und einer Abmischung, die Intonationslücken der Stimme durch artifiziellen Hall ausbügelt, verwandelt Bruni den Großen Konzerthaussaal gleich zu Beginn in eine edle Maturaball-Location, bei der eine recht gute, aber immer noch preiswerte Coverband engagiert ist. Nur die Haute Couture, enge Lederhosen und Jackett, in der die bald 50-Jährige gewandet ist, passt nicht recht ins Bild. In ihren Ansagen geht es flächig um die Liebe, und wenn die Ehefrau von Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy aus voller Kehle “Stand by your man” anstimmt (Ansage: “It’s true, I like to stand by my man”), schlagen die Herzen von “Gala”-Leser(inne)n höher.

Überhaupt kann sich Bruni auch Jahre nach ihren großen Erfolgen als Sängerin auf ihr Publikum verlassen. “Je t’aime, Carla!” kreischt es vom Balkon. Entspannte Freude geht aber endlich dann durch den Saal, als Bruni wieder ins französische Fach wechselt und einige ihrer früheren Songs rekapituliert, wenn auch in etwas üppigeren Arrangements, als man sie von der Platte kennt. “J’arrive a toi” oder “Tout le monde”, “Ta Tienne” oder “L’amoureuse”: Da ist die Bruni wieder, wie sie die fast kindliche Banalität ihrer Texte unter der schlichten Lautpoesie des Französischen verdeckt und das ungezwungene Dahinplätschern ihrer Melodien unter dem zauberhaft lyrischen Auf- und Abtauchen ihrer Stimme. Kostbar sind die Momente, wenn diese Stimme mit dem Klavier allein gelassen wird – kostbar, weil selten.

Und weil dem unerbittlichen “French Touch” nichts und niemand entkommen kann, unterzieht sie als letzten Akt des Abends auch noch Leonard Cohens “Hallelujah” der französischen Streicheltherapie. Mit diesem Lied wolle sie beten, sagt sie – dafür, dass sie bald wieder nach Wien kommen darf. Na, wenn es sonst nichts ist.

(APA)

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