Filmarchiv Austria würdigt Louise Brooks

Ihr Markenzeichen ist der Bubikopf, ihren Namen verbindet man heute vor allem mit der „Lulu“ im Stummfilm „Die Büchse der Pandora“ des österreichischen Regisseurs G. W. Pabst.

Der Wiederentdeckung des Streifens in den 50er Jahren verdankt Louise Brooks (1906-1985), dass ihr Gesicht heute zu den bekanntesten der Filmgeschichte gehört. Am 14. November jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag der Schauspielerin. Das Filmarchiv Austria widmet ihr aus diesem Anlass von 4. bis 22. November ein Tribute im Metro Kino.

„Zuerst bin ich aus Hollywood weggerannt, und seither laufe ich die ganze Zeit davon. Jetzt, mit 69, habe ich die Hoffnung aufgegeben, mich jemals selbst zu finden“, sagte Brooks in späten Jahren. Die 1906 in Kansas geborene Schauspielerin wollte eigentlich Tänzerin werden. Mit 15 schloss sie sich zunächst der Denishawn Group an, in der auch Martha Graham tanzte, später soll sie auf einer Tournee in London erstmals einen Charleston vorgeführt haben. Das erste Filmangebot schlägt sie noch aus, 1925 unterschreibt sie dann doch einen Fünfjahresvertrag bei Paramount, den sie aber drei Jahr später kündigt, um einen reichen Sportler auf einer Europareise zu begleiten.

In Berlin besetzt Pabst das Starlet in seiner Wedekind-Verfilmung als Lulu – eine Rolle, für die u.a. Marlene Dietrich vergeblich vorgesprochen hatte. Pabsts „Tagebuch einer Verlorenen“ und „Prix de beauté“ von Augusto Genina machen sie endgültig zu einem der gefragtesten Stars in Europa, doch wieder flüchtet sie, diesmal fast in die Vergessenheit. Ein Comeback in Hollywood gelingt nicht, auch im Tanz kann sie trotz mehrerer Versuche nicht mehr Fuß fassen. In den 40er Jahren hält sie sich, schwer alkoholgefährdet, mit Verkaufs- und Radiojobs über Wasser.

Brooks Wiederentdeckung begann mit der Restaurierung von Pabsts „Büchse der Pandora“, und sie machte aus ihr einen Mythos, der sich bald verselbstständigte und in der Arbeit späterer Künstler und Filmemacher seinen Widerhall fand. Das Filmarchiv zeigt daher neben allen verfügbaren Filmen mit Brooks auch andere Lulu-Verfilmungen, die einen Vergleich mit der Rollenauffassung etwa von Asta Nielsen oder Nadja Tiller erlauben, sowie Beispiele aus der Filmgeschichte, in denen sich mehr oder weniger versteckte Reminiszenzen finden. So wird etwa Jean-Luc Godards „Vivre sa vie“ (Die Geschichte der Nana S.) mit Anna Karina als Hommage an Brooks präsentiert. Mit „Pygmalion“ und „The Wizard of Oz“ stehen schließlich zwei persönliche Lieblingsfilme von Brooks auf dem Programm.

Eröffnet wird die Schau am Freitag (3.11.) um 20 Uhr mit Howard Hawks „A Girl in every Port“ (in englischer Originalfassung, mit Klavierbegleitung von Gerhard Gruber). Parallel zur Retrospektive bringt das Filmarchiv mit „Louise Brooks – Rebellin, Ikone, Legende“ (Hg. v. Günter Krenn und Karin Moser, 24,90 Euro) die erste deutschsprachige Publikation heraus, die sich nicht nur Brooks Leben und Werk widmet, sondern auch der Frage, wie sich ihr Image immer mehr von den Filmbildern löste und in neue Kontexte transformiert wurde.

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