9. Oktober 2012 17:49; Akt.: 10.10.2012 11:57

Fesselmord in der Innenstadt: Für den Angeklagten wird es eng

Lotfi D. beim Fesselmord-Prozess in Wien Lotfi D. beim Fesselmord-Prozess in Wien - © APA
Am Dienstag wurden beim Prozess um den Fesselmord an Elisabeth W., der im September 2011 in der Wiener Innenstadt geschah, zahlreiche Zeugen einvernommen, die den Angeklagten Lotfi D. (27) schwer belasteten. Die Unschuld des Verdächtigen scheint damit zunehmend unwahrscheinlicher.

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Die Unschulds-Theorie des 27-jährigen Tunesiers wurde von den Aussagen, die bei der Fortsetzung des Fesselmord-Prozesses am Dienstag am Wiener Straflandesgericht getätigt wurden, nicht gerade untermauert. Was mit den Worten “Ich bin unschuldig” begann, die Lotfi D. zum Prozessauftakt äußerte, setzte sich bald mit belastenden Zeugen-Einvernahmen fort.

Lotfi D. über das nächtliche Geschehen

Zunächst schilderte der Beschuldigte detailreich, was sich in der Nacht auf den 15. September 2011 aus seiner Sicht zugetragen hat, an deren Ende die 48-jährige Elisabeth W. in ihrer Innenstadt-Wohnung erdrosselt vorgefunden wurde. Danach trugen die Befragungen von zwei Freunden des Tunesiers sowie jene der Mutter des Mordopfers jedoch nicht gerade zur Entlastung des 27-Jährigen bei.

Lotfi D. ließ kaum eine Einzelheit aus, als er die sechs Tage währende Beziehung zu Elisabeth W. beschrieb. Wie er vor der Diskothek “Take Five” von ihr angesprochen wurde, bis hin zum ersten Geschlechtsverkehr, den Bekundungen der Frau, ihm in seinem laufenden Asylverfahren “beistehen” zu wollen und schließlich jener Nacht, in dem die 48-jährige brutal ermordet wurde. Mit der Tat selbst wollte der Tunesier allerdings nichts zu tun haben. Er habe einen netten Abend mit “Sissi” verbracht, an dem viel geraucht und getrunken worden war, und sei dann um 4.00 Uhr gegangen, um auf einer nahe gelegenen Bank erst einmal allein zu sein und über sein Leben nachzudenken.

Ungereimtheiten über Innenstadt-Mord

In der selben Nacht hat sich Lotfi D. dann bei zwei Freunden, Hassan R. und Omar H., einquartiert. Dass er sich dort einiges von der Seele reden und ein bisschen feiern wollte, konnten die beiden im Zeugenstand allerdings nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: D. habe R. einen teuren Ring und eine Halskette gezeigt, die er einer Frau, mit der er Sex gehabt hatte, gestohlen haben wollte. H. wiederum fand in der Jackentasche des unverhofften Gastes statt Zigaretten eine wertvolle Designer-Uhr, hakte jedoch aufgrund der vorgerückten Stunde und des einigermaßen hohen Alkoholspiegels nicht nach.

Noch mehr Ungereimtheiten deckte Brigitta W. auf, die Mutter des Mordopfers. Die 74-jährige, schwer herzkranke Frau betonte, wie übertrieben ordnungsliebend und überaus vorsichtig Elisabeth W. gewesen sei. Es wäre ihr “unbegreiflich”, warum ihre Tochter einen fremden Mann, den Angeklagten, freiwillig in ihre Wohnung mitgehen hätte lassen. Allerdings sei Elisabeth W. nach einer gescheiterten langjährigen Beziehung sehr einsam und “ausgehungert nach Liebe und Zärtlichkeit” gewesen.

Fesselmord-Opfer hatte Liebeskummer

Von etlichen sexuellen Beziehungen zu Männern, wie der Verteidiger von Lotfi D., Farid Rifaat, der Frau vorhielt, habe sie allerdings nichts gewusst. “Das ist doch alles Blödsinn”, so Brigitta W. Zu einem gemeinsamen Essen mit dem Angeklagten habe sie ihrer Tochter sogar geraten. “Damit sie einmal wieder rauskommt. Sie hatte sich ja nach dem Ende einer fünfjährigen Beziehung total zurückgezogen. Es war ihre große Liebe.”

Noch am Abend vor dem Verbrechen hatte Elisabeth W. ihre Mutter zu erreichen versucht, doch diese habe bereits geschlafen. “Als ich am nächsten Tag, gleich in der Früh, zurückgerufen hab, war das Handy abgeschaltet. Das war sehr ungewöhnlich.” Erst zwei Tage später hat dann der Ex-Mann von Elisabeth W., der im Besitz eines Wohnungsschlüssels war, wovon die Mutter wusste, die Leiche der 48-Jährigen gefunden.

Der Prozess um den Fesselmord in der Innenstadt wird am Donnerstag, dem 11. Oktober, um 9:00 Uhr, fortgesetzt – an diesem Verhandlungstag dürfte auch mit einem Urteil zu rechnen sein.

(apa/red)



Kommentare 1
  1. Falls eingebürgert, sofortiger Passentzug. Und dann vom Gefängnis direkt zum Flughafen. So macht man das bei uns mit Gewaltstraftätern. Und die Schraube wird weiter angezogen. Das sollte A dringenst auch so einführen.
    http://bazonline.ch/basel/stadt/Basler-Bahnhofschlger-ausgeschafft/story/24118929
    Kommentar durch Userwertung ausgeblendet
     

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