Fasan mit Schnabelklemme gerettet und im Wiener Tierschutzverein versorgt

Der gerettete Fasan beim WTV
Der gerettete Fasan beim WTV - © Wiener Tierschutzverein
Am Wochenende konnte einem Zuchtfasan das Leben gerettet werden. Das Tier war in Sooß (Bezirk Baden Land) von einem Hausbesitzer entdeckt worden, als es, offensichtlich extrem verwirrt, gegen eine Fensterscheibe flog.

 Er rief einen Bekannten zu Hilfe, der das Tier umgehend in den Wiener Tierschutzverein (WTV) nach Vösendorf brachte. Bei seiner Einlieferung zeigte sich das Tier sehr verstört, hatte seinen Schnabel weit geöffnet und schnappte hilflos nach Luft. Schnell wurde festgestellt, dass eine so genannte Schnabelklemme schuld am Zustand des Tieres war.

Schnabelklemmen: Brutale Methode in der Fasanzucht

Ohne fremde Hilfe hätte das Fasanweibchen keine Überlebenschance gehabt und wäre qualvoll verendet. Derartige Klemmen werden in der Fasanzucht eingesetzt, damit sich die Vögel, die in den meisten Fällen auf engstem Raum gehalten werden, nicht gegenseitig verletzen. Dadurch können die Fasane ihre Schnäbel nicht mehr schließen. Leider ist diese brutale Methode in Österreich in der Fasanhaltung erlaubt. Bis zum Jahr 2005 hat man Masken und sogenannte “Blinker” verwendet, die durch die Nasen gebohrt wurden, oder man hat die Schnäbel kupiert. Diese Methoden sind zwar mittlerweile verboten, werden illegalerweise aber oft immer noch eingesetzt und die “neue, legale” Lösung, die man sich danach einfallen ließ, ist nicht minder abscheulich.

“Man muss sich das vorstellen: Die Tiere werden in Volieren zusammengepfercht und ihr ganzes Leben so gehalten, müssen auch so fressen”, sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Bis sie schließlich vor die Flinten getrieben werden: Denn die gezüchteten Fasane sind eine der begehrtesten Beuten für “Freizeitjäger” bei Treibjagden. Der Verdacht liegt also nahe, dass das Fasanweibchen nur knapp seinem Schicksal als Beute für eine betuchte Jagdgesellschaft entronnen ist.

100.000 Fasane pro Jahr bei Jagd getötet

“Die Wahrheit ist, dass diese Tiere zu hunderttausenden in Massentierhaltung gezüchtet werden, um sie dann auszusetzen und abzuknallen. Alleine in Österreich vermuten wir, dass mehr als 100.000 Fasane jährlich zur Jagd ausgesetzt werden. Dieses gefundene Tier ist der traurige Beweis dafür, dass es überhaupt keine Kontrollen bei der Einhaltung von Gesetzen gibt, nicht einmal im Hinblick auf die völlig unzureichende Bestimmung, dass die Tiere zumindest eine Chance haben müssen, sich zu akklimatisieren”, sagt Petrovic. Denn Fasane müssen – je nach Bundesland – einige Wochen vor Beginn der Jagdzeit beziehungsweise ihres Abschusses ausgesetzt werden. In Niederösterreich sind dies vier Wochen.

“Evidentermaßen findet dies nicht statt. Wir verlangen, dass die Politik endlich durchgreift. Die österreichische Tierschutzbewegung konnte in vielen Bereichen des Umgangs mit Tieren durch Verhandlungen, Gespräche und Überzeugungsarbeit Erfolge erreichen und tragfähige Kompromisse ausarbeiten – zum Nutzen aller. In Sachen Jagd scheint diese Gesprächsbasis nicht erwünscht zu sein. Das Sonderrecht der Jäger ist anachronistisch, in vielen Aspekten grausam und in einer modernen Demokratie völlig inakzeptabel. Die Kritik mit immer härteren Strafen mundtot zu machen, hat noch nie funktioniert. Ich fordere die Landesjagd-Verantwortlichen auf, endlich an den Verhandlungstisch zu kommen und grausame Tierquälereien wie Schnabelsperren für gezüchtete Vögel, die nur als lebende Zielscheiben dienen sollen, nicht länger zu verteidigen. Würde eine Privatperson so etwas einem als Haustier gehaltenen Vogel antun, wäre das eine schwere Tierquälerei. Tausendfache Tierqual macht das Ganze noch ärger und ist rechtlich unverständlich”, so Petrovic.

Fasan-Weibchen im WTV gerettet

Der Fasan konnte jedenfalls von der Schnabelklemme befreit werden und erholt sich nun im Kleintierhaus des WTV. “Gesunden Tieren muss man zudem keine perversen Schnabelsperren verpassen, denn sie neigen nicht zum Kannibalismus”, so Petrovic abschließend.

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