Fahrgast in Wiener Straßenbahn mit Messer bedroht: Frau eingewiesen

In einer Straßenbahn der Linie 5 kam es zu dem Vorfall.
In einer Straßenbahn der Linie 5 kam es zu dem Vorfall. - © APA
Weil sie sich geärgert hatte, dass ihr eine Insassin eines Bim-Waggons der Linie 5 den Sitzplatz weggenommen hat, ist eine 45-Jährige Ende 2015 auf die Frau bedrohlich losgegangen. Da sie in einer Hand ein zugeklapptes Messer hielt, rief die Passagierin die Polizei.

Am Freitag wurde die 45-Jährige in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.Wien. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft nahm das Urteil an, die Verteidigerin der Frau gab keine Erklärung ab.

Die Beschuldigte leidet seit ihrem 17. Lebensjahr an einer Erkrankung des schizophrenen Formenkreises. Bis ins Jahr 2000 ging es ihr mit der Behandlung gut, doch dann verschlimmerte sich der Zustand und die Frau lebte jahrelang verwahrlost auf der Straße. Nachdem sie in der Vergangenheit immer wieder Passanten auf der Straße attackiert hatte, wurde sie seit geraumer Zeit zum Teil stationär behandelt und auch besachwaltet.

Frau saß in Bim “auf meinem Sitzplatz”

Zu dem letzten folgenschweren Vorfall kam es kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember 2015. Die 45-Jährige stieg bei der Albertgasse in die Straßenbahnlinie 5 Richtung Praterstern ein und bemerkte, das eine fremde Frau auf “meinem Sitzplatz” saß. “Ich hab mir gedacht, muss sie sich dort hinsetzen, wo ich sitzen will.” Es sei zur Diskussion gekommen. “Eine richtig heimtückische Intrige war das”, meinte die 45-Jährige.

Die Passagierin erzählte die Geschichte jedoch ganz anders. Sie sei in dem nur spärlich besetzten Waggon ganz hinten gesessen und hatte sich geärgert, weil sie die falsche Straßenbahnlinie erwischt hatte. Plötzlich sei die 45-Jährige schnell auf sie zugekommen, hatte ihre Arme ausgebreitet und habe gemeint: “Gibt jetzt alles her, was du hast. Ich weiß, was du genommen hast.” Dabei habe die Frau in der einen Hand ein Klappmesser gehalten haben, das jedoch geschlossen war. Danach meinte sie, dass sie alles über die DDR und über die Rechnungen wüsste. “Ich hab mich noch nie so gefürchtet in meinem Leben”, berichtete das Opfer.

Mit Messer bedroht – 45-Jährige wurde festgenommen

Die Passantin flüchtete ins Wageninnere, rief die Polizei und verständigte bei der nächsten Station in der Laudongasse den Fahrer der Straßenbahn, dass er anhalten soll. Dieser hielt die Garnitur an, jedoch schmiss er die 45-Jährige, die sich mittlerweile auf den erkämpfen Platz gesetzt hat, aus dem Wagen. “Ich bin ausgestiegen und hab gesagt, ich gehe zu Fuß. Auf eine Diskussion mit Fremden lasse ich mich gar nicht ein”, so die 45-Jährige zur Schöffensenatsvorsitzenden Eva Brandstetter. Das Opfer verfolgte die Frau zu Fuß und gab den Beamten Bescheid, die dann die 45-Jährige festnahmen.

Der psychologische Sachverständige attestierte der Frau eine dauerhafte Veränderung ihrer Wahrnehmung. In den vergangenen Jahren war sie ob ihrer Behandlung uneinsichtig und mehrmals gegen ihren Willen in stationärer Behandlung. Sie habe sich zu einer “Drehtürpsychatriepatientin” entwickelt – das sind jene Patienten, die zu früh entlassen werden und bald wieder auf psychiatrischen Einrichtungen landen. “Das Risiko, dass sie bald ähnliche Delikte verüben wird, ist ein hohes”, sagte der Experte. Eine wie von ihrer Anwältin und ihrer Sachwalterin beantragte bedingte Entlassung – ein Platz in einer betreuten Wohneinrichtung sei reserviert – hielt der Psychiater für “zu zeitig”. Das Gericht wies die Frau in eine Anstalt ein.

(APA)

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