Europas Banken leiden noch unter Altlasten

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Alle europäischen Banken würden noch unter ihren Altleisten leiden. Die notleidenden Kredite, auch Non Performing Loans (NLP) genannt, seien auch zehn Jahre nach der Finanzkrise unverändert ein Thema, betonte die Vorsitzende des Europäischen Ausschusses für die einheitliche Abwicklung (SRB), Elke König, auf der 8. FMA-Aufsichtskonferenz in Wien.

Insgesamt hätten die europäischen Banken seit der Finanzkrise ihre Widerstandsfähigkeit aber deutlich erhöht. Sie seien deutlich effizienter geworden. “Das europäische System ist insgesamt deutlich krisenresistenter geworden”, so König am Mittwoch. “Wir müssen realistisch sein, notleidende Kredite gehen einmal mit Verlusten einher”, führte König in ihrer Rede vor laut Veranstaltern fast 900 Konferenzteilnehmern aus.

Die europäische Bankenunion, bestehend aus einer gemeinsamen Aufsicht, Abwicklung und Einlagensicherung, sei noch nicht fertig. Erst bei Vollendung der dritten Säule könne man von einer Bankenunion in einem gemeinsamen Territorium ausgehen, so König.

Mit einer gemeinsamen Einlagensicherung habe Österreich derzeit wenig Freude, betonte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller bei der anschließenden Diskussion. Bevor es dazu komme, müssten die Altlasten in den Banken bereinigt werden. “Das darf nicht zulasten der Finanzmärkte der bessergestellten Länder gehen”, so Kumpfmüller. Es stelle sich auch die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass Banken den Stresstest 2014 bestanden haben, aber plötzlich pleite waren. Man dürfe nicht die gleichen Fehler mache wie bei der Erweiterung der Eurozone. Andererseits könne der Euro ohne funktionierende Bankenunion nicht erfolgreich sein.

Europa habe auf die Finanzkrise mit “Lichtgeschwindigkeit” reagiert. Europa sei jetzt deutlich besser aufgestellt, um auf eventuelle Krisen zu reagieren. Ein System wie die Bankenunion hätte man sich vor Jahren nicht vorstellen können. Das neue Regelwerk sei eine schlagkräftige Antwort auf die Krise. “Die nächste Krise wird aber anders sein”, zeigte sich König überzeugt.

Während die gemeinsame Aufsicht (SSM) die Aufgabe habe, die Wahrscheinlichkeit von Schieflagen in der Finanzwirtschaft ex ante einzugrenzen, gehe es bei der gemeinsamen Abwicklung (SRB) darum, die Schäden bei der Abwicklung von Banken einzudämmen. Die Rolle der SRB sei eindeutig proaktiv. “Wir konzentrieren uns primär darauf, durch eine gute Abwicklungsplanung die negativen Auswirkungen auf die Finanzstabilität und Wirtschaft einzugrenzen und die Chancen für privatwirtschaftliche Lösungen zu erhöhen”, so König. Heuer habe der SRB mit der Abwicklung etwa der spanischen Krisenbank Banco Popular bereits effiziente Arbeit geleistet.

Der SRB arbeite daran, Banken abwickelbar zu machen. Dabei spiele die Frage, was sind die kritischen Funktionen eines Instituts, die man erhalten müsse, eine zentrale Rolle. Es gebe insgesamt viele Fragestellungen, etwa auch die Festlegung der Mindestquoten der Eigentümer und Gläubiger. Die Entscheidung über die Abwicklungsstrategie baue dabei auf der Struktur der Finanzgruppe auf, könne also unterschiedlich sein.

In Summe habe man in Europa bereits ein gutes Abwicklungssystem, in das die nationalen Systeme eingebunden seien, wozu auch der Eintritt des Staates – wie zuletzt in Italien – gehöre. Essentiell für eine rasche Abwicklung sei die Verfügbarkeit aktueller Daten zu Verbindlichkeiten. Diese sollten auf Knopfdruck verfügbar sein.

Laut einer Umfrage unter den Konferenzteilnehmern, zählen derzeit rund 70 Prozent das anhaltende Niedrigzinsumfeld für die größte Herausforderung, gefolgt von operationalen und geopolitischen Risiken, einer neuen Staatsschulden- oder Immobilienkrise.

(APA)