EU-Parlament: Gegen Menschenhandel

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EU-Parlament: Gegen Menschenhandel
EU-Parlament fordert Maßnahmen gegen den Menschenhandel. In einem Beschluss, der mit überwältigender Mehrheit das Plenum passiert hat, verlangten die Abgeordneten Aufenthaltsgenehmigungen für Opfer.

Vor allem soll dies auch nach Abschluss eines Prozesses gegen die Menschenhändler aufrecht bleiben. Geschlechterbedingte Unterdrückung und Verfolgung soll nach dem Vorstoß ein Asylgrund werden. Laut der zuständigen Berichterstatterin, der SPÖ-Europaabgeordneten Christa Prets, werden nach groben Schätzungen jedes Jahr zwischen 800.000 und drei bis vier Millionen Menschen Opfer des Menschenhandels, 300.000 sind alleine in der Europäischen Union. 80 Prozent sind Frauen und Mädchen und bis zu 50 Prozent Minderjährige. Auch die Zahl der betroffenen Buben nehme aber immer mehr zu.

Der Menschenhandel mit Frauen und Kindern zähle zu den sich am schnellsten ausbreitenden Straftaten im Rahmen des organisierten Verbrechens in der EU und sei moderne Sklaverei, erklärte Prets in Straßburg. Durch Cybersex im Internet werde der Aufschwung des Menschenhandels noch vergrößert und verstärkt. Ziel sei, dass die Zahl der Betroffenen in den nächsten zehn Jahren wieder halbiert werde, heißt es im Beschluss.

Neben dem Aufenthaltsrecht, das laut Prets deshalb notwendig sei, weil viele Opfer die Abschiebung fürchten, wenn sie ihre Händler zur Anzeige bringen, fordert das EU-Parlament auch eine gezielte Überprüfung der diplomatischen Strukturen im EU-Ausland, insbesondere in Hinblick auf Visa-Praktiken und Lücken bei den Grenzkontrollen.

Menschenhandel sei kein rein städtisches Phänomen, in Grenzgebieten wie etwa bis hinein ins Burgenland entstünde ein regelrechter „Grenz-Strich“. Prets plädierte deshalb dafür, in diesen Regionen regelmäßige Blitzkontrollen in den einschlägigen Etablissements.

Außerdem verlangt das Parlament eine europaweite Aufklärungskampagne etwa bei Großveranstaltungen wie der Fußballweltmeisterschaft 2006 – der Slogan-Vorschlag von Prets „fair play, fair sex“ -, die Einrichtung von Telefon-Hotlines, wo sich Opfer aber auch Freier anonym melden können, um Händler zur Anzeige zu bringen, die Einbindung der europäischen Polizeibehörde Europol sowie die Schaffung einer europaweiten Datenbank, weil Daten zum Menschenhandel bisher nur aus den USA stammten.

Als „bedauerlich“ bezeichnete Pets, dass der Menschenhandel am informellen EU-Innen- und Justizministerrat vergangene Woche in Wien nicht thematisiert worden sei. Sie hoffe, dass die österreichische Präsidentschaft in diesem Bereich noch aktiv werde, so die SP-Europaabgeordnete.

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