Erster "Cyborg" besucht Tagung in Wien

Erster "Cyborg" besucht Tagung in Wien
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Kevin Warwick ist Kybernetik-Professor an der englischen Universität Reading und gilt, seit er vor rund zehn Jahren als erster Mensch sein Nervensystem mit Hilfe eines implantierten Chips im Arm direkt mit einem Computer verbinden ließ, als erster “Cyborg” der Welt. Warwick ist einer der Gäste der Wiener Tagung “Android and Eve”, die sich der Verbindung von Biologie, Medizin und Technik widmet.

Im Rahmen des PhD-Programms des Vienna Biocenters erhalten die Doktoranden ein Budget, um in Eigeninitiative einmal pro Jahr eine Tagung zu organisieren. Das Thema ist ihnen dabei völlig freigestellt, heuer widmen sie das Symposium am 12. und 13. November “Android and Eve – an der Schnittstelle von Biologie, Medizin und Technik”. An dieser Schnittstelle passieren derzeit aufregende Entwicklungen, und den Doktorats-Studenten ist es gelungen, international führende Experten nach Wien zu bringen, die Einblick in ihre aktuellen Forschungsprojekte geben. In Wien selbst wird kaum in diese Richtung geforscht, es sei aber ihr Ziel gewesen, “ganz neue Richtungen der Wissenschaft” vorzustellen”, sagte eine der Organisatorinnen, Barbara Nussbauer.

Den Auftakt des Symposiums macht der Professor für Biomedizintechnik, Carlo Montemagno, von der University of California in Los Angeles. Er hat vor einigen Jahren eine Mischung aus Tier und Maschine geschaffen, winzige Silizium-Roboter, die von lebenden Herzmuskelzellen von Ratten angetrieben wurden. In Wien will Montemagno sein Konzept zur Entwicklung synthetischer biologischer Systeme vorstellen.

In eine ähnliche Richtung arbeitet Kevin Warwick, der ebenfalls zum Symposium erwartet wird. Der Kybernetik-Professor von der Universität Reading (Großbritannien) gilt als der erste “Cyborg”, seit er sich vor rund zehn Jahren als erster Mensch einen Chip in den Arm implantieren und damit sein Nervensystem direkt mit einem Computer verbinden ließ. Mittlerweile experimentiert Warwick mit Nervenzellen aus Rattenhirnen, die elektronisch mit einem Roboter verbunden sind. Ziel ist es, den Roboter durch die Rattenzellen zu steuern.

In Andrew Schwartz’ Labor an der Universität Pittsburgh lernten Affen, denen Elektroden ins Gehirn implantiert wurden, nur kraft ihrer Gedanken eine Armprothese zu bewegen und sich damit selbst zu füttern. Der Wissenschafter wird neben anderen in der Session “Neuronale Interfaces” sprechen. Innovative biologische Materialien stehen im Mittelpunkt einer weiteren Session, in der etwa Jackie Ying, Direktorin des A-Star Institute of Bioengineering and Nanotechnology in Singapur, über die an ihrer Einrichtung entwickelten polymeren Nanopartikel zur Therapie von Diabetes berichten wird. Diese Partikel orientieren sich am Zuckergehalt des Blutes und setzen bei Bedarf Insulin frei.

Weitere Teile des Symposiums widmen sich künstlichen (Sinnes-)Organen oder biologischen Mikrobauteilen. So berichtet etwa Norbert Hampp von der Universität Marburg über das von Bakterien stammende Protein “Bakteriorhodopsin”, das Lichtenergie in chemische Energie umwandeln kann und in Farbstoffe eingearbeitet etwa Banknoten- oder Ausweisfälschern das Leben schwer machen könnte.

Schließlich kommt die Kulturanthropologin Daniela Cerqui von der Universität Lausanne nach Wien. Sie hat Warwicks Experimente mehrere Jahre begleitet und wird bei dem Symposium die ethische Perspektive dieser Arbeiten aufzeigen.

Vienna Biocenter
Dr. Bohr-Gasse 7, 1030 Wien

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