"Gerechte Welt" von ATTAC

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“50 Wege für eine gerechtere Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus“: Christian Felber, Mitbegründer von ATTAC Österreich, fordert in seinem neuen Buch nichts weniger als das Ende des Kapitalismus.

Er will den Bruch mit einer lieb gewonnenen Denktradition, die besagt, Globalisierung passiert, mit oder ohne uns – die Frage ist nur, ob wir auf der Seite der Sieger oder der Verlierer stehen.

Im Wettbewerb um globalisierte Märkte diktiert die Wirtschaft der Politik die Regeln. Die Rezeptur des Neoliberalismus heißt ungehinderter Waren- und Kapitalverkehr und die Eroberung neuer Territorien. Mit dem Heilsversprechen von Prosperität und Wohlstand geht, als quasi-natürliche Folge, Demokratie und Freiheit einher. Ein verschlankter Staat soll dafür die Steine aus dem Weg räumen, ansonsten droht Massenarbeitslosigkeit und Kapitalflucht.

Der Standortwettbewerb ist zum entscheidenden Faktor konkurrierender Wirtschaftsmächte geworden, die sich samt und sonders vorrangig in den Industriestaaten tummeln. Denn dummerweise haben sich die Verlierer seit den 40er Jahren und trotz Bretton-Woods nicht gewandelt. Die ärmsten Länder der Welt sitzen heute nur noch tiefer in der Schuldenfalle, die immer gleich lautenden Strukturanpassungsprogramme der „Bretton-Woods-Zwillinge“, IWF und Weltbank, heißen Öffnung der Kapitalmärkte, Handelsliberalisierung, Inflationsbekämpfung, Rückzug des Staates und Privatisierung. Ein ungleiches Spiel der Kräfte, so das düstere Bild, das der Autor entwirft.

Mit “50 Wege für eine gerechtere Welt“ ist nun Felber angetreten, Strategien aufzuzeigen, um die Macht des Kapitals zu brechen. Der breite Diskurs der Globalisierungskritiker dient als Grundlage, „Best Practice“ Beispiele aus Brasilien, Bolivien, oder auch China sind das „Kraut“, das gegen die global agierenden „Heuschrecken“ zu wachsen scheint.

Neben der alt bekannten ATTAC-Forderung nach Einführung der Tobinsteuer, eine Art Devisentransaktionssteuer, brauche es Kapitalverkehrskontrollen, die Zerschlagung multinationaler Großkonzerne, globale Fusionskontrollen, Standort-Schutzabkommen sowie solidarischen Technologietransfer und vieles mehr an Regelwerk. Daneben soll die UNO reformiert werden, um sie als Werkzeug des kooperativen, auf egalitären Strukturen basierenden Multilateralismus einzusetzen.

Der “gute” Mensch

Das Buch ist ein Plädoyer für eine global gespannte Kontrolle, an deren Ende die „Wiedereinbettung“ der Wirtschaft in ein faires gesellschaftliches Regelwerk steht wie auch eine politische „Balance of Power“.

Ein Ende des Diktats der Ökonomie und damit des profitorientierten individualisierten Homo oeconomicus verspricht aber nur die Wandlung des Menschen zum Homo socialis. Am Beginn und als Ziel formuliert steht das Wiedererstarken des sozial agierenden und global verantwortlich handelnden Menschen.

Ein „Utopia“, das schon vor 600 Jahren bei Thomas Morus nicht so richtig klappen wollte, weil man zum einen mit Moral keine Mäuler stopft und zum anderen den Menschen nicht oktroyieren kann, was für sie gut zu sein hat.

Freier Citoyen?

„Der freie Citoyen“, der sein Schicksal in die Hand nimmt und die Spielregeln für die globalisierte Wirtschaft „neu schreibt“, ist so elitär wie er dem westlichen Denken entspringt. Der Autor begeht den selben Fehler wie die von ihm kritisierten „Falken der Weltwirtschaft“. Er sitzt einem Mythos auf, der da heißt: Wenn man nur die Regeln des Kapitalismus ändert, lösen sich alle Ungleichheiten, seien sie kultureller, sozialer, religiöser Natur oder selbst zwischen den Geschlechtern, in Luft auf.

Ein ambitioniertes Buch, dem es gut getan hätte, sich auf die wirtschaftlichen Handlungsanleitungen zu beschränken.


Christian Felber:
“50 Wege für eine gerechtere Welt.

Gegen Konzernmacht und Kapitalismus“.
Deuticke Verlag, Wien 2006, 335 Seiten,

ISBN 3-552-06040-5

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