Energieversorger warnen vor europaweitem Stromausfall

Die Gefahr eines "Blackouts" werde unterschätzt, kritisieren die Energieversorger.
Die Gefahr eines "Blackouts" werde unterschätzt, kritisieren die Energieversorger. - © AP Photo
Die Netzbetreiber kritisieren, dass die Gefahr eines flächendeckenden Blackouts nicht zur Genüge berüchsichtigt werde. Dabei würde es in so einem Fall bis zu sieben Tage dauern, bis die Energieversorgung wieder komplett hergestellt wäre.

Wenn es um die künftige Energie- und Klimastrategie für Österreich geht, wird hauptsächlich über den Klimaschutz geredet, aber das Thema Versorgungssicherheit kommt viel zu kurz, kritisiert der Branchenverband Oesterreichs Energie und warnt vor der wachsenden Gefahr von “Blackouts” in Europa.

Bei der Vorstellung des Grünbuchs zur Energie- und Klimastrategie “mussten wir feststellen, dass eigentlich alle nur vom Erreichen der CO2-Ziele gesprochen haben und das Thema Versorgungssicherheit eigentlich nur von den Vertretern der Branche eingebracht wurde”, sagte die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, am Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

Wahrscheinlichkeit von großem Blackout in Europa “ist gewachsen”

Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem großen Blackout kommt und es einmal in ganz Europa finster wird, “ist gewachsen”, sagte Klaus Schüller, der bei der TINETZ-Tiroler Netze GmbH für die Systemführung Netze zuständig ist. “Nur ein Beispiel: In Deutschland gibt es 14.000 Tankstellen – davon sind fünf Notstrom-versorgt. Das bedeutet, innerhalb von wenigen Minuten sitzen 80 Millionen Menschen auf einem Meer von Treibstoff und kommen da nicht mehr dran.” In Tirol “haben wir Swarovski in unserem Versorgungsgebiet. Der hat zwei Glasöfen und muss innerhalb von zwei Stunden wissen, ob er die Öfen absticht und einfach in der Halle das Glas rausrinnen lässt. Weil, wenn ihm die Öfen einfrieren, ist das Unternehmen tot, weil der braucht zwei Jahre, bis er die Öfen wieder in Betrieb nimmt.”

“Experten sagen heute, wenn ganz Europa wirklich durch so einen GAU betroffen wäre, dauert es circa sieben Tage, bis das Stromsystem wirklich wieder so dasteht, wie es zuerst gewesen ist”, so Schüller. “Wenn man sich heute bei den internationalen Netz-Simulatoren oder wo immer trifft und Blackout übt, dann schaut ganz Europa auf die Alpenländer und hofft, dass von dort aus die Wiederversorgung stattfinden wird.” Dazu brauche man aber starke Stromnetze in Europa. Es gebe drei große erneuerbare Energiequellen – im Norden Wind, in den Alpen die Wasserkraftwerke und im Süden die Photovoltaik – “das muss man irgendwie verdrahten”.

Das fordern die Netzbetreiber

Die Netzbetreiber wollen im Zeitraum 2015 bis 2030 3,93 Milliarden Euro in Übertragungsnetze investieren und 6,10 Mrd. Euro in Verteilernetze. Das sei aber nur möglich, wenn den Netzbetreibern eine ausreichende Rendite für ihre Investitionen ermöglicht werde, sagte Franz Strempfl, Geschäftsführer der Energienetze Steiermark GmbH. Der von der Regulierungsbehörde festgelegte WACC (Weighted Average Cost of Capital) dürfte deshalb um höchstens 0,3 Prozentpunkte gesenkt werden, fordern die Branchenvertreter.

Oesterreichs Energie fordert auch eine Rückkehr zum System des regionalen Netzwiederaufbaus nach Blackouts, was laut Karl Wimmer von der Verbund Hydro Power GmbH nur geringe Mehrkosten gegenüber dem Status Quo erfordern würde. Zwei Speicherkraftwerksgruppen der Verbund Hydro Power seien als schwarzstartfähige Anlagen konzipiert (Anfahren des Kraftwerks unabhängig vom Stromnetz möglich, Anm.) und könnten im Falle eines Blackouts zum Netzwiederaufbau herangezogen werden. Durch einen regionalen Netzwiederaufbau könnte die Stromversorgung nach einem Blackout rascher wieder hergestellt werden, “dafür wäre lediglich eine kleine Änderung im ElWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz, Anm.) erforderlich”, sagte Strempfl.

Die seit 1999 geltende Netztarifstruktur entspreche nicht mehr den neuen Rahmenbedingungen. “Die Inanspruchnahme des Netzes soll Maßstab sein für die Kosten, die ich als Kunde zu begleichen habe”, so Strempfl. Die Tendenz müsse mehr zu einem kapazitätsbezogenen Leistungspreis gehen und weg von einem Arbeitspreis. Wann es wieder kritisch werde, sei schon jetzt absehbar, warnte Schüller. “Spätestens am 12.8. 2025 kommt die nächste Sonnenfinsternis.”

(APA, Red.)

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