Emanzipierte Dissonanz: Neue Oper Wien trifft auf Schönberg

Verena Gunz und Magdalena Anna Hofmann bei den Bregenzer Festspielen
Verena Gunz und Magdalena Anna Hofmann bei den Bregenzer Festspielen - © APA
Arnold Schönberg wagte vor gut 100 Jahren, 1909, mit Werken wie “Erwartung” und dem Gedichtszyklus “Das Buch der hängenden Gärten” erste Schritte ins Atonale. Die Neue Oper Wien hat die beiden kurzen Stücke nun zu einem Abend zusammengefasst und durch eine Arbeit von Richard Dünser ergänzt – ein letztlich kühler Versuch über Erotik, Begehren und Ängste.

Als Spielort hat sich die stets auf der Suche nach neuen Theaterräumen befindliche Neue Oper mit der neuen EMS Lounge in Wien-Landstraße eine künftige Song-Contest-Location ausgesucht, wird die Anlage doch zur ESC-Zeit zum Eurovision Cafe.

Neue Oper Wien: Elisabeth Gabriel bespielt EMS Lounge in Wien-Landstraße

Elisabeth Gabriel bespielt in ihrer Inszenierung beide Ebenen dieser Anlage und hält das je von weiblicher Solostimme (Verena Gunz mit starkem Mezzovibrato und Magdalena Anna Hofmann mit süffigem Sopran) getragene Spiel im unklaren Zwischenraum von Traumbildern und Realität.

Neue Oper Wien träumt mit Schönberg

Ob die erotischen Erlebnisse und Gewaltszenen lediglich Imaginationen sind, bleibt offen. So schließt sich der psychoanalytisch untermauerte Kreis aus einem erotischen Beginn mit dem auf Stefan Georges Gedichten basierenden “Buch der hängenden Gärten” samt Männern in Wolfsmasken und einem melancholischen Ende mit der “Erwartung”.

Kurze Überleitung zwischen zwei Schönberg-Stücken

Richard Dünser hat das von Schönberg für Klavier und Stimme geschriebene “Gärten”-Werk für Kammerorchester bearbeitet, während auf der anderen Seite Faradsch Karaew das große Orchester für “Erwartung” auf das kleiner Ensemble eindampfte. Gleichsam als Scharnier – Philip Glass nennt diese Form der überleitenden Musik Kneeplays – hat Dünser eine kurze Überleitung zwischen den zwei Schönberg-Stücken unter dem Titel “Entreacte” geschaffen. So werden die zwei eigentlich unabhängigen Werke zum Sinnbild der Extreme einer überspannten, feinnervigen Situation kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges verbunden – was vom Publikum am Dienstagabend bejubelt wurde.

(APA/Red.)

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