Elizabeth T. Spira im Interview: “Mir geht es darum, Geschichten zu erzählen”

Am 6. Juli startet die 19. Staffel "Liebesg'schichten und Heiratssachen".
Am 6. Juli startet die 19. Staffel "Liebesg'schichten und Heiratssachen". - © ORF/Milenko Badzic
Am 6. Juli ist es wieder soweit – Elizabeth T. Spira kuppelt wieder. Auch in der bereits 19. Staffel von “Liebesg’schichten und Heiratssachen” gehen 56 Kandidaten wieder auf Partnersuche. Ihr selbst gehe es dabei ums Geschichtenerzählen, wie sie im Interview erzählt.

Bis dato hat Elizabeth T. Spira mit den “Liebesg’schichten” bereits 875 Partnersuchende begleitet, woraus immerhin 42 Ehen/eingetragene Partnerschaften sowie vier Babys hervorgingen. In zehn neuen Folgen versucht das Fernsehurgestein nun wieder 56 Kandidaten an den Mann oder die Frau zu bringen, wobei zum Auftakt am 6. Juli traditionell die Rückschau steht. Die letzte Folge wird dann am 28. September zu sehen sein.

Vor dem Start sprach die Fernsehmacherin über Pläne nach der aktuellen Staffel, weshalb die schönsten Frauen nicht die meisten Zuschriften bekommen und bei welchem Kandidatentypus sie Berührungsängste hat.

Elizabeth T. Spira im Interview: “Mir geht es darum, Geschichten zu erzählen”

Haben Sie eine Erklärung, weshalb die “Liebesg’schichten und Heiratssachen” mittlerweile Kult sind?

Elizabeth T. Spira: Es passt wahrscheinlich genau auf mich. Und Kult war es gleich von Beginn an. Ich habe zuvor die “Alltagsgeschichten” gemacht und die “Liebesg’schichten” waren eigentlich eine Fantasie des Intendanten, der vorgeschlagen hat, das im Sommer zu machen. Ich bin da völlig ins kalte Wasser gesprungen – aber es war von Anfang an ein Riesenerfolg. Ich darf zwar auch alles andere machen – aber das schaffe ich nicht. Ich habe mich selbst ausgeschaltet. Es ist einerseits Glück und andererseits ein Schicksalsschlag.

Die Überlegung, die “Liebesg’schichten” mit Staffel 19 ad acta zu legen haben Sie dennoch nicht?

Spira: Kennen Sie meine Überlegungen? (lacht) Ich bin mittlerweile 72. Ich denke nur von einem aufs andere. So alt werde ich wahrscheinlich nicht, dass ich noch in Jahrzehnten denken kann. Ich mache jetzt diese Staffel zu Ende, und dann schauen wir mal.

Wie frei sind bei Ihnen die Kandidaten in der eigenen Motivwahl?

Spira: Die Kandidaten werden nur zu Hause aufgenommen – also nicht in einem Wirtshaus oder sonst wo. Wir wollen wissen wo und wie sie leben, weil das schon viel erzählt. Wenn das jemand nicht möchte, muss ich sagen: Okay. Man wird ja nicht ausgepeitscht, wenn man nicht teilnimmt.

Und beim Hobby für den Zwischenfilm machen Sie Vorschläge?

Spira: Das erfragen wir. Wenn mir etwa jemand sagen würde, ich sollte singen, bekomme ich einen Lachkrampf. Außer Röcheln kommt da bei mir wenig raus. Manchmal passt ein Hobby nicht rein, wenn es schon der vierte Motorradfahrer ist. Dann überlegt man weiter. Je exotischer das Hobby, desto lieber ist es uns.

Haben Sie nie Berührungsängste mit Kandidaten?

Spira: Nachdem ich jetzt ja schon eine ältere Dame bin und kein junges Mädel, geniere ich mich selten. Höchstens, wenn es in der Wohnung unangenehm riecht – das sind dann meistens einsame Männer in einem bestimmten Alter. Da habe ich dann eine gewisse Abwehr – aber man muss ja trotzdem durch. Es nutzt nichts.

Und Ihnen geht innerlich nicht das Geimpfte auf, wenn ein 70-Jähriger sich eine 30-jährige Freundin wünscht?

Spira: Neutral bleibe ich nicht, aber ich habe ja eine gewisse Ironie und einen Humor. Dann stelle ich eine Frage, die er nicht erwartet hat. Wenn jemand 70 ist, nicht besonders gut ausschaut, in ärmlichen Verhältnissen wohnt und eine 30-Jährige sucht, frage ich, was er ihr bietet. Diese Frage hat er sich noch nicht gestellt – und das macht mir dann wieder Freude. Ich bin ja dazu da, eine ironische Frage zu stellen, damit die Damen, die sich das Gespräch anschauen, mit mir etwas zu lachen haben.

Wissen Sie mittlerweile schon während eines Gesprächs, wie viele Zuschriften jemand erhält?

Spira: Ja. Aber es stimmt oft nicht. Das ganze Team wettet, wenn die Sendungen anlaufen: Wer ist der Erste. Und es stimmt nie. Es kommt nicht nur darauf an, ob jemand Geld hat, fesch ist oder sonst etwas. Es kommt darauf an, was er für eine Geschichte hat. Witwer, die sehr traurig sind um ihre verstorbene Frau, haben große Chancen, weil die Frauen sich dann denken: Der kann lieben. Da kann er auch dick und alt sein, das stört nicht. Und bei den Frauen bekommt nicht immer die schönste und beste die meisten Zuschriften – weil die Männer dann Angst haben vor ihr und denken: “Das schaffe ich dann doch nicht.”

Welche Kandidaten sind Ihnen die liebsten?

Spira: Es gibt die verschiedensten Leute. Wir brauchen sowohl Skurrile als auch Halbverrückte – also nicht im Sinne von krank, sondern meschugge. Aber auch ganz bürgerliche Leute. Die Mischung macht es spannend. Es geht nicht nur darum: Wie kriegen wir sie leicht weg? Man kriegt sie nicht leicht weg, wenn sie keine Geschichte haben. Mir geht es darum, Geschichten zu erzählen. Und wenn die Geschichte flau ist, dann langweilt es uns. Dann schneidet man das halt pflichtgemäß.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

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