9. Januar 2008 11:43; Akt.: 9.01.2008 11:43

Eisbären: Bei falschem "Feedback" wird der eigene Nachwuchs gefressen

Eisbären: Bei falschem "Feedback" wird der eigene Nachwuchs gefressen © © dpa
Dass Eisbärenmütter ihre Jungen einfach liegen lassen oder auffressen wie vor einigen Tagen im Nürnberger Tiergarten, ist nicht ungewöhnlich. Dafür gebe es verschiedene Gründe, erklärte Schönbrunn-Direktorin Dagmar Schratter.

Die Entscheidung über ein menschliches Eingreifen sei schwierig. Den im Dezember in Wien geborenen Zwillingen geht es gut.

Ist das Junge krank, schwächelt oder entwickelt sich nicht richtig, ist die Mutter noch unerfahren oder fühlt sich gestört, könne es sein, dass die Eisbärin ihr Kind liegen lässt oder tötet: “In freier Wildbahn wissen die Mütter sehr wohl, warum sie ihre Kinder nicht aufziehen. Sie bekommen entsprechendes Feedback”, sagte Schratter. In Zoos sei es immer schwierig zu entscheiden, wann man eingreift und einer Mutter ihren Sprössling sicherheitshalber wegnimmt: Schauen Pfleger z. B. zu früh nach dem Baby in der Wurfbox, könne es sein, dass sich die Mutter gerade dadurch gestört fühlt.

Eisbärenväter werden generell weggesperrt: “Sie sind Kannibalen und kennen ihre eigenen Jungen nicht. Sie würden sie fressen”, erklärte Schratter. Im Wiener Tiergarten hat um den 12. Dezember 2007 Eisbärin “Olinka” Zwillinge bekommen. Im Gegensatz zu den beiden Nürnberger Mamas “Vera” und “Vilma” sei die 15-Jährige bereits erfahren gewesen: “Es war ihre dritte Geburt. Alles ist entspannt abgelaufen. Wir hatten Glück, dass alles so gut funktioniert hat.”

Das Weibchen sei vor der Geburt von Männchen “Erik” (14) getrennt worden und befinde sich mit den Jungen noch in der Wurfbox. Man lasse die Tiere in Ruhe, um sie nicht zu stören: “Bei uns lauschen die Pfleger in der ersten Zeit nur. Die Kleinen schmatzen ja und schreien, wenn sie sich bewegen.” Gefährlich könne es werden, wenn nur noch “jämmerliche Töne” zu hören seien oder es “überhaupt still” werde.

Den Wiener Zwillingen geht es – auch wenn sie noch nicht zu sehen sind – offenbar sehr gut: Sie hätten bereits “Kaninchen- nicht mehr Meerschweinchengröße”, so Schratter. Auch ein Milchbäuchlein sei bereits zu erkennen. Wenn “Olinka” und ihre Sprösslinge aus der Wurfbox kommen – was für Ende Februar erwartet wird – , werden sie ein vom Vater abgetrenntes Gehege bewohnen.

“Softie” Erik befindet sich mittlerweile übrigens schon bei seiner zweiten Lady: Die im Herbst aus Stuttgart angereiste “Halensia” soll ebenfalls vom als sanft bekannten Männchen schwanger werden. Eisbären gibt es im Tiergarten Schönbrunn schon lange: In den vergangenen 15 Jahren waren sieben Sprösslinge aufgezogen und an andere Zoos abgegeben worden. Der Vater des Nürnberger Babys, das nun per Menschenhand heranwachsen soll, stammt ebenfalls aus Wien.


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