Eine neue Freundin – Trailer und Kritik zum Film

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Eine neue Freundin – Trailer und Kritik zum Film
Clara ist untröstlich, als sie ihre beste Freundin verliert. Halt findet sie unerwartet in David, der nach dem Tod seiner Frau seine weibliche Seite entdeckt. Was nach außen aussieht wie eine Affäre, ist Francois Ozons einfühlsames Spiel mit Geschlechterkonventionen.

Ab Freitag ist seine lustvolle Ode an die Weiblichkeit, “Eine neue Freundin” (“Une nouvelle amie”), in unseren Kinos zu sehen. Laura (Isild Le Besco) und Clara (Anais Demoustier) sind von klein auf unzertrennlich. Ihre Freundschaft besiegeln sie mit Blut; fast gleichzeitig verlieben sie sich und heiraten. Doch eine schwere Krankheit reißt die wunderschöne Laura früh aus dem Leben – und eine am Boden zerstörte Clara verspricht bei der Beerdigung, sich um Witwer David (Romain Duris) und die kleine Tochter Lucie zu kümmern.

Eine neue Freundin – Geschichte

Von der eigenen Trauer lange gelähmt, fasst sich Clara erst wenige Wochen später ein Herz und sucht David auf. Doch als der die Tür nicht öffnet und Clara auf eigene Faust das Haus betritt, entdeckt sie diesen mit blonder Perücke, Lippenstift und in Lauras Kleid mit der kleinen Lucie im Arm. Er wolle dem unaufhörlich schreienden Baby nur eine weibliche Bezugsperson geben, gibt er vor. Später gesteht er ein, schon lange diesen inneren Drang zu verspüren. Aus Claras Abwehr wird rasch Bewunderung, die sie zur einzigen Vertrauensperson Davids (alias Virginia) werden und im Laufe der Zeit neben ihrer eigenen Weiblichkeit auch lange verstecktes Begehren entdecken lässt.

Ohne sich auf Definitionen zu versteifen, frönt Francois Ozon mit “Eine neue Freundin” dem Spiel mit Geschlechterkonventionen, erzählt von Identität, Verlangen und Freundschaft und zelebriert genussvoll die Weiblichkeit, ganz ohne Scheu oder Wertung. Ob David nun Transvestit oder Clara lesbisch ist, ist zweitrangig: Im Vordergrund steht die Freude am Verkleiden und die Sehnsucht, die dieses in Clara auslöst.

Eine neue Freundin – Kritik

Der offen homosexuelle Regisseur, der sich schon in Filmen wie “8 Frauen” mit dem Mysterium des Weiblichen beschäftigte, fährt für seine sehr freie Interpretation einer Kurzgeschichte der britischen Krimiautorin Ruth Rendell sämtliche Geschütze des Melodrams auf, wobei schon die ersten Filmminuten den Ton vorgeben, wenn mit scheinbar schwereloser Kamera und getragen von Klaviermusik ein ganzes Leben von Kindheit über Heirat und Geburt bis zu Tod rekapituliert wird. Was folgt, ist eine unkonventionelle Liebesgeschichte, angereichert mit Hitchcock-Effekten und Märchen-Elementen, von der toten Laura im Hochzeitskleid im Sarg bis hin zum Dornröschenschlaf der Virginia. Leichtigkeit und Ernst liegen hier immer nah beieinander, mit geheimen Treffen wird Spannung erzeugt, mit Shoppingtrips und einem Disco-Ausflug Lebensfreude versprüht.

Gerade in dem ständigen Wechselspiel verliert sich “Eine neue Freundin” aber zunehmend und macht es dem Zuseher schwer, sich emotional auf die Geschichte einzulassen. Einzig das zurückhaltende Spiel der wunderbaren Anais Demoustier (“Bird People”) und die Natürlichkeit des auch in Kleidern keine schlechte Figur machenden Romain Duris (“Der Schaum der Tage”) halten einen über weite Strecken an der Stange. Was bleibt, ist ein unterhaltsames Crossdressing-Drama, in dem der Drang zum Verkleiden anders als in berühmten Vorgängern wie “Manche mögen’s heiß” von innen kommt und nicht von äußeren Umständen bestimmt wird. Ein starkes Signal – nicht zuletzt in einer Zeit, in der das Abweichen von der Norm im Großteil Europas noch immer missbilligt wird.

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(APA)

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