Eine fantastische Frau – Trailer und Kritik zum Film

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Seinen erfrischenden Film “Eine fantastische Frau” widmet der südamerikanische Regisseur Sebastian Lelio auf unkonventionelle Weise der Weiblichkeit. Nach dem Verlust ihres geliebten Partners, fordert die transsexuelle Marina von dessen Familie nicht nur ihr Recht auf Trauer, sondern auch darauf, ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten zu dürfen.

Lelio habe laut Presseheft eine transsexuelle Hauptrolle gewählt, “weil alles (…) dadurch verstärkt wird. Ihre Einsamkeit genauso wie ihre emotionale Kraft”. Die Geschichte berührt tatsächlich, trotz scheinbar mangelnden Identifikationspotenzials, und so zeigt sich: Hier geht es um die Liebe, und die ist gar nicht so anders, als sie der cissexuelle (also der sich mit seinem angeborenen Geschlecht identifizierende) Kinobesucher kennt.

Eine fantastische Frau – Die Handlung

Damit realisiert der Film letztlich genau das, was Hauptcharakter Marina erreichen will: sie wird nicht auf Ihre Transsexualität reduziert. Genau diese Nonchalance macht den Reiz des Filmes aus – Lelio bringt das treffend auf den Punkt: “Die klassische filmische Anmutung kollidiert mit der leider immer noch nicht klassischen Filmfigur.”

So beginnt der Film relativ konventionell: Der gealterte Orlando feiert mit seiner jungen Partnerin Marina ihren Geburtstag und sie enden im Bett. Plötzlich beginnt Orlando schwer zu atmen, bei Marinas Versuch, ihn ins Krankenhaus zu transportieren, zieht er sich bei einem Treppensturz Verletzungen zu, die nach seinem Tod Erklärungsbedarf schaffen. Wem die subtilen Hinweise bisher entgangen sind, wird spätestens bei Marinas Befragung durch die Polizei deutlich, dass diese dem Personalausweis nach ein Mann ist.

Eine fantastische Frau – Die Kritik

Durch die organisatorischen Hürden nach Orlandos Ableben wird Marina erstmals mit seiner Familie konfrontiert, die sich wegen ihrer Beziehung distanziert hatte. Die einzelnen Mitglieder reagieren dabei ganz unterschiedlich auf sie: mal offensichtlich feindselig, mal unterschwellig abwertend, manchmal mitleidig. Marina begegnet dieser Befangenheit selbstbewusst und gewinnt dadurch letztlich an Stärke und Unabhängigkeit.

Beeindruckend in der Hauptrolle: Die transsexuelle Schauspielerin und Sängerin Daniela Vega. Mit ihren zwischen maskulin und feminin changierenden Zügen, ist sie wohl die Idealbesetzung eines so schillernden Charakters. Anmutig vereint sie scheinbare Gegensätze, ist verletzlich und stark, rätselhaft und nachvollziehbar, frei und abhängig zugleich – die Verkörperung eines modernen Weiblichkeitsideals.

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(APA)