25. Januar 2012 14:57; Akt.: 25.01.2012 14:57

Ein riskanter Plan

Ein riskanter Plan
Ein Mann balanciert am Sims eines Hotels entlang, in schwindelerregender Höhe und offensichtlich bereit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er hat nichts zu verlieren, die Welt hält ihn für den Räuber eines wertvollen Diamanten – wäre er nicht ausgebrochen, würde er die nächsten Jahre hinter Gittern verbringen.

Doch Nick Cassidy, so der Name des ehemaligen Cops, will seine Unschuld beweisen, und der Drahtseilakt im 21. Stock des New Yorker Roosevelt Hotels ist nur ein Teil eines äußerst riskanten Plans. Die weiteren Puzzlestücke setzt Regisseur Asger Leth gezielt und spannungsreich zusammen. Am Donnerstag (26.1.) startet “Ein riskanter Plan” im Kino.

Wien. Das Puzzle sieht nicht nur für Sam Worthington als Hauptfigur, sondern auch für Jamie Bell als Nicks Bruder, Elizabeth Banks als Polizeipsychologin Lydia Mercer und Ed Harris als unsympathischen Geschäftsmann entscheidende Rollen vor. Während Cassidy an der Hotelfassade halsbrecherische Bewegungen vollführt, richten sich auf der Straße alle Augen und Fernsehkameras auf ihn. So kann einen Block weiter ungestört ein Einbruch über die Bühne gehen, bei dem Bruder Joey versucht, den ominösen Diamanten wohlbehalten in der Obhut des angeblich Bestohlenen zu finden. Ein Diebstahl, um zu beweisen, dass ein Diebstahl nie stattgefunden hat – durchaus riskant, aber auch clever.

Mit viel Verve weiht Asger Leth die Zuschauer in seinem packenden Thriller erst nach und nach in den Plan ein und bewahrt dabei genügend Geheimnisse, um die Spannung hochzuhalten. Dass er dabei vor allem dialogtechnisch die Zügel ein wenig schleifen lässt, mag man ihm nachsehen – mehrmals stockt einem der Atem bei den Balanceakten am Abgrund, wird die pure Verzweiflung des ans Äußerste gehenden Ex-Polizisten spürbar, zittert man angesichts des gewagten Ablenkungsmanövers mit den Protagonisten. Dass Hauptdarsteller Worthington tatsächlich seine Höhenangst überwinden musste, macht viele Szenen nur umso authentischer – auch wenn große Teile des Films im Studio gedreht wurden.

Ähnlich wie Cassidy im Film scheint der dänische Regisseur einen genauen Plan zu verfolgen, vermittelt er mit dem steilen Blick nach unten die überlegene Perspektive gegenüber dem mit Handy-Kameras ausgestatteten Mob, greift er jeden Handlungsstrang irgendwann wieder auf und führt ihn zu einem Ende. Die Wendungen wirken stets exakt kalkuliert, die Szenen minuziös geordnet und das Drehbuch übersichtlich – möglicherweise ein Grund dafür, dass der straff inszenierte Film am Ende recht konventionell wirkt. Ein toller Stoff und ein riskanter Plan machen zwar einen guten Thriller, aber keinen überragenden Film. Und weswegen Joey sich während des Einbruchs mit seiner Geliebten zanken muss, wird wohl auch Leths Geheimnis bleiben…

(APA)

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