“Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht”: Wie “Hygge” ist Wien?

Von Daniela Herger
Meik Wiking weiß zu erklären, was "hyggelig" ist
Meik Wiking weiß zu erklären, was "hyggelig" ist - © Lübbe/Chris McAndrew Photography Ltd.
Die Wiener Gemütlichkeit ist legendär, Wien wurde wiederholt zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt gewählt – doch auch die Dänen wissen so manches darüber, wie es sich glücklich leben und genießen lässt. VIENNA.at hat sich das Buch “Hygge” näher angesehen und geht der Frage nach: Wie “Hygge” ist Wien?

Der Winter ist vorbei, doch in Sachen nass, kalt und ungemütlich schlägt uns auch der April noch so manches Schnippchen. Grund genug, sich damit auseinanderzusetzen, wie man es sich allen Wetter-Kapriolen zum Trotz so richtig “hyggelig” machen kann.

What the f*** is “Hygge”?

Falls Sie jetzt nur Bahnhof verstehen: “Hygge” ist ein dänisches Wort mit vielen Bedeutungen, wie der Leiter des Glücksforschungs-Institus in Kopenhagen, Meik Wiking, in seinem aktuellen Buch “Hygge. Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht” erklärt. Wiking ist in seinem Buch dem Phänomen auf den Grund gegangen, warum die Dänen als glücklichstes Volk der Welt gelten – und gibt Anleitung, es ihnen gleich zu tun.

“Hygge” ist zu verstehen als “Kunst der Innigkeit”, “Gemütlichkeit der Seele”, “Freude an der Gegenwart beruhigender Dinge” und “gemütliches Beisammensein”. Es geht um Gesten und Rituale, die das Leben schöner machen und um die Zufriedenheit mit den kleinen Dingen: ein Kakao bei Kerzenschein oder Zeit mit Freunden und Familie. Um warmes Licht, Picknicken im Sommer und Glögg trinken im Winter. Darum, es sich mit einer Kuscheldecke und einem guten Buch auf der Couch gemütlich zu machen. Harmonie, Heimeligkeit und Gemütlichkeit werden dabei groß geschrieben, und Probleme bleiben in diesem Idyll ganz klar außen vor. Das Schöne daran: Viel Geld ist nicht vonnöten, um sich das Leben so richtig hyggelig zu machen – und “hygge” ist definitiv etwas, das man lernen und einfach umsetzen kann.

Gemütliches Leben – mit Licht und Geselligkeit

Zum Beispiel mit dem richtigen Licht: Kerzenschein ist praktisch der kürzeste Weg zu Hygge. Wiking zufolge haben die Dänen europaweit die größte Vorliebe für Kerzen, mit einem Jahresverbrauch von rund 6 Kilo Kerzenwachs pro Kopf. Auf Platz 2 folgen: die Österreicher. 3,16 Kilo pro Kopf und Jahr dürfen es hierzulande sein. Wir sind also in Sachen Instant-Hygge auch nicht gerade Anfänger. Wer elektrisches Licht bevorzugt, dem empfiehlt Wiking, auf mehrere kleine Lampen zu setzen und kleine “Lichthöhlen” zu erzeugen. Doch Licht ist erst der Anfang.

“Beim Reden kommen die Leut z’samm” ist nicht nur in Wien ein gängiges Prinzip – es ist auch wichtig, wenn es um Hygge geht. Darüber reden, was als wie “hyggelig” empfunden wird, ist nach Ansicht des dänischen Glücksforschers essentiell, um dieses Prinzip erfolgreich umzusetzen. Denn: “Unsere Worte bestimmen unser Handeln”, so Wiking. Warum also nicht für eine Hyggestund (einen Moment der Hygge) in die Hyggebukser (heimliche, nicht öffentlichkeitstaugliche, sehr bequeme Lieblingshose) schlüpfen und sich einem gemütlichen Hyggesnak (Unterhaltung ohne Kontroversen) hingeben?

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Meik Wikings einfache Wege zum “Hygge”-Glück

Weitere unentbehrliche Faktoren zum Hygge-Glück sind, wie Wiking in seinem Buch ausführt, angenehme Gemeinschaft, hyggeliges Essen und Trinken (Stichwort: Kuchen!) , die passende bequeme Kleidung und ein Zuhause, das als regelrechtes Hygge-Hauptquartier eingerichtet ist: mit Holz und Naturmaterialien, jeder Menge Bücher, schönen Teekannen, Vintage-Design-Stücken und zahlreichen Kuscheldecken und Pölstern.

Auf den Punkt gebracht hat es Meik Wiking in “Hygge. Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht” mit einem übersichtlichen Hygge-Manifest, das 10 unerlässliche Punkte anführt, die wir hier für alle wiedergeben wollen, die ernsthaft ein hyggeligeres Leben anstreben:

  1. Atmosphäre. Stichwort: Gedämpftes Licht und Kerzen.
  2. Gegenwart. Im Hier und Jetzt sein – das Handy hat Pause.
  3. Vergnügen. Kaffee, Schokolade, Kekse, Kuchen, Süßigkeiten …
  4. Gleichheit. Mehr Wir statt Ich, Halbe-Halbe in allen Bereichen.
  5. Dankbarkeit. Genießen, was man hat, nicht immer mehr wollen.
  6. Harmonie. Wettbewerbsgedanken vergessen – bedenken, dass man genügt.
  7. Bequemlichkeit. Einfach mal Pause machen – Entspannung ist alles.
  8. Frieden. Dramen – nein danke. Politisieren lassen wir auch mal bleiben.
  9. Zusammensein. Beziehungen pflegen und Erinnerungen aufleben lassen ist Gold wert.
  10. Schutz. Sicherheit im Kreise von Vertrauten genießen.

Fazit: In Sachen Dänisches Savoir-vivre vs. Wiener Gemütlichkeit hat man in der Bundeshauptstadt zwar bestimmt keine Nachhilfe nötig, kann aber vielleicht noch die eine oder andere Anregung brauchen, um so richtig “hygge” zu leben – oder “gmiatlich”, wie der Wiener das vielleicht eher bezeichnen würde.

Meik Wiking: “Hygge. Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht. Bastei Lübbe Verlag, Hardcover, 288 Seiten, durchgehend vierfarbig gedruckt mit zahlreichen Fotos und Illustrationen, Euro 20,60

(DHE)

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