Ein Fall für die Katzenflüsterin: Katze attackiert Halterin in Wiener Kleingarten

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Für Katze Candy war der vermeintlich tolle Garten zunächst alles Andere als schön
Für Katze Candy war der vermeintlich tolle Garten zunächst alles Andere als schön - © Coach4Cats.at / BilderBox.com (Sujet)
Wer seiner Katze Freigang gewährt, ist für gewöhnlich überzeugt, der Stubentiger müsse über so viel Freiheit vor Freude ganz aus dem Häuschen sein. Katzen-Coach Petra Ott aus Wien hat einen Fall erlebt, in dem die Begeisterung der Samtpfote sich zunächst in Grenzen hielt – das Tier reagierte mit blindwütiger Aggression.

“Kratzspuren und Bisse ihrer eigenen Katze veranlassten eine liebe Katzenbesitzerin zum Anruf bei mir. Sie schilderte mir ganz verzweifelt, dass ihre Katze Candy sich seit einiger Zeit aus dem Nichts heraus plötzlich umdrehen und auf sie losgehen würde – aggressiv und ganz im Bösen. Ihren Mann verschone die Katze dagegen. Ich solle bitte das Problem lösen, denn so könne es nicht weitergehen. So setzte ich mich ins Auto und fuhr in eine wunderschöne idyllische Kleingartensiedlung mitten in Wien.

Ein Paradies für Stubentiger – oder etwa nicht?

Es war dort total ruhig, die Vögel zwitscherten und ich habe so bei mir gedacht: Hier würde ich auch gerne eine Katze sein. Ganz weit innen in der Siedlung gelegen wohnte die Familie, weitab von Hektik und Gefahren … möchte man meinen! Die Dame erzählte mir, dass Kätzin Candy ihrer Meinung nach womöglich schizophren sei. Die ehemals sanfte Samtpfote verhalte sich folgendermaßen: Aus einem friedlichen Moment heraus dreht sie sich blitzschnell um und läuft auf sie zu. Egal was die Halterin daraufhin sagt oder schreit, das wird von Candy ignoriert – und dann kommt es zur Attacke, von der die Halterin massive Kratzspuren oder sogar Bisswunden davonträgt. Bei ihrem Mann habe die Katze dieses Verhalten zwar anfangs auch schon versucht, aber dann doch voller Respekt sein lassen. Was war denn da passiert?

Nach genauerem Nachfragen und Recherchieren war mir dann alles klar. Die Familie war mit ihrer Wohnungskatze, die vorher noch nie eine andere Katze zu Gesicht bekommen hatte, in das Gartenhaus gezogen – voller Freude, Candy ein superschönes Zuhause mit Freigang bieten zu können. Doch der Dank der Samtpfote hielt sich in Grenzen.

Große Überforderung durch Freigang für Katze Candy

Denn Candy konnte die so zahlreichen neuen Eindrücke und vor allem Gefahren nicht verarbeiten. Sie empfand den Garten und speziell die anderen Katzen, die sie in der Nähe vorbeigehen sah, als befände sie sich in einem Kriegsgebiet. Sie fühlte sich ständig in Gefahr und in Kampfbereitschaft. Die Übersprungshandlung ihrer aufgestauten Angst äußerte sich darin, sozusagen “in den eigenen Reihen” zu kämpfen. Denn gegenüber dem vertrauten Menschen konnte sie ihren Druck loslassen, ohne in Lebensgefahr zu kommen.

Nachdem mir die Situation sehr genau erzählt worden war, ich alle Umstände und die Schwierigkeit des Falles erkannt hatte, begannen wir sofort mit den angezeigten Gegenmaßnahmen. Der Garten, der sie so überforderte und stresste, war für Candy bis auf Weiteres tabu. Das Haus dagegen haben wir sozusagen festungssicher gemacht. Fast umgehend kehrte Ruhe ein.

Garten genießen will gelernt sein

Nach zwei Wochen telefonierte ich mit der Besitzerin und ließ mir die veränderte Lage schildern. Es ging allen Familienmitgliedern sehr gut, die Attacken hatten komplett aufgehört. Candy verhielt sich inzwischen total entspannt und ruhig. Wir besprachen, vorerst die Maßnahmen beizubehalten – und werden nächstes Jahr im Frühling das Projekt angehen, Candy langsam an den Garten zu gewöhnen.

Conclusio: Nicht immer bedeutet ein Garten automatisch entspannte Freiheit und vollkommenes Glück für Ihren Stubentiger!

Mein Appell an Sie: In jedem Fall ist es wichtig, unseren Schützlingen zu helfen. Dafür sind wir da. Bitte wenden Sie jedoch Hilfsmaßnahmen aller Art nicht ohne professionelle Hilfe an, denn sonst kann ein noch so gut gemeinter Hilfeversuch auch ins Gegenteil umschlagen.

Alle weiteren Infos zur Arbeit von Katzen-Coach Petra Ott finden Sie hier.

>>Hilfe für Samtpfoten in Not: Katzen-Coach Petra Ott im VIENNA.at-Interview

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