Ehefrau angeblich zur Prostitution gezwungen: Prozess in Wien

Das Gericht hat den Ehemann freigesprochen.
Das Gericht hat den Ehemann freigesprochen. - © APA
Ein 52-jähriger Niederösterreicher, der seine Frau angeblich zur Prostitution gezwungen haben soll, musste sich am Donnerstag in Wien vor Gericht verantworten. Der Prozess endete mit einem Freispruch im Zweifel.

“Er versteht die Welt nicht mehr”, sagte sein Verteidiger Sacha Pajor, habe er der Frau doch ein “Traumleben” ermöglicht. Richterin Sonja Höpler-Salat sprach den Mann im Zweifel frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

“Sie war eine Traumfrau”

Die beiden lernten sich über eine gemeinsame Freundin im April 2010 kennen, nachdem der Niederösterreicher dieser gegenüber bemerkt hatte: “So eine Frau wie du, das würde mir gefallen.” Zunächst gab es nur Mailkontakt mit der Serbin in ihrem Heimatland, ehe der 52-Jährige die Frau nach Österreich einlud. Schon in der ersten Nacht war es um den Niederösterreicher geschehen: “Sie war eine Traumfrau.” Eigentlich hätte sie nach wenigen Wochen wieder abreisen sollen, “doch sie hat Druck gemacht und gesagt, sie will hier bleiben”. Bereits im Juli war das Paar verheiratet.

Ehefrau sollte Massagen anbieten

Als die Ersparnisse des Mannes aufgebraucht waren, kam das Paar auf die Idee, dass die Ehefrau, die eigentlich diplomierte Krankenschwester war, Massagen anbieten würde. Ihr Mann, der bereits in seiner Vergangenheit ein erotisches Massagestudio führte, zeigte sich vor Gericht verwundert, dass die Männer, die sich auf die Annonce meldeten “keine normalen Massagen wollten”. So bot die Ehefrau im umgebauten Kinderzimmer im Haus in Niederösterreich auch sogenannte Handmassagen an. Innerhalb von zehn Tagen nahm man 1.800 Euro ein. Damit wurden die Schulden der Frau in Serbien getilgt und ihre Kinder in der Heimat unterstützt.

“Es war der Horror für mich”

Ganz anders klang das vonseiten der Serbin. Sie sei im Jahr 2010 und 2012 von ihrem Ehemann zur Prostitution gezwungen worden, andernfalls würde sie wieder ihren Aufenthaltstitel verlieren. “Es war der Horror für mich”, sagte sie bei der Einvernahme bei der Polizei. Sie sei ein körperliches Wrack gewesen und habe deshalb auch in der Nacht ins Bett gemacht. “Sie will mich vernichten”, meinte der Angeklagte zu den Anschuldigungen. “Der ist doch ein Waserl, der tut doch niemanden einschüchtern”, meinte die Mutter des Angeklagten im Zeugenstand. Ihre Schwiegertochter, die täglich zu ihr essen gekommen war, hätte sie bedroht und gesagt, “sie wird mich so lange terrorisieren, bis ich sterbe”. Der Angeklagte wurde von dem Vorwurf der Zuhälterei freigesprochen. (APA)

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