Egon Schiele – Tod und Mädchen – Kritik und Trailer zum Film

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Egon Schiele – Tod und Mädchen – Kritik und Trailer zum Film
“Tod und Mädchen” nannte Egon Schiele jenes Bild, das ihn ein letztes Mal mit seiner großen Liebe Wally Neuzil zeigt. Denselben Beititel trägt nun der Film von Dieter Berner (“Die Alpensaga”), der das Leben des umstrittenen Expressionisten aus der Sicht jener Frauen erzählt, die für ihn und seine Kunst am wichtigsten waren.

Fest umklammert die rothaarige Frau den Mann in schwarzer Kutte, blickt ihn nicht an, sondern zur Seite. “Tod und Mädchen” nannte Egon Schiele jenes Bild, das ihn ein letztes Mal mit seiner großen Liebe Wally Neuzil zeigt. Denselben Beititel trägt nun der Film von Dieter Berner, der das Leben des umstrittenen Expressionisten aus der Sicht der ihm wichtigsten Frauen erzählt. Ab Freitag im Kino.

Kurzinhalt zum Film

Für “Egon Schiele – Tod und Mädchen” hat Hilde Berger gemeinsam mit ihrem Ehemann Dieter Berner (“Die Alpensaga”) ihr eigenes, 2009 erschienenes Buch für die Leinwand adaptiert. Der Film setzt in Wien im Herbst 1918 an, als der 28-jährige Egon Schiele (Noah Saavedra) an der Spanischen Grippe erkrankt ist. An seinem Sterbebett erinnert sich seine jüngere Schwester Gerti (Maresi Riegner) an Schlüsselmomente in Schieles Leben, die jeweils mit verschiedenen Frauen verbunden sind.

Da ist erst mal Gerti selbst. 1910, als der unkonventionelle Maler gerade von der Akademie der bildenden Künste geflogen ist, ist sie sein erstes und einziges Aktmodell. Die enge geschwisterliche Beziehung bekommt Risse, als Egon in einem Vorstadtvarieté die farbige Schauspielerin Moa (Larissa Aimee Breidbach) kennenlernt und zu seinem präferierten Modell macht. Beide nimmt er mit, als er mit Freunden eine Künstlergruppe in Krumau im Böhmerwald gründet; er bricht die Zelte jedoch ab, als seine Aktstudien in der Gemeinde für Aufruhr sorgen.

Im Winter 1911 lebt Egon zurückgezogen im Wienerwald, als ihm sein Förderer Gustav Klimt (grandios mit Rauschebart und im legendären Malerkittel: Cornelius Obonya) das Modell Wally Neuzil (Highlight: Valerie Pachner) ans Herz legt, “damit du nicht immer nur nackerte Kinder zeichnest”. Die 17-Jährige wird Egons Muse und Geliebte, kümmert sich um Terminvereinbarungen mit Modellen, um Finanzen und Haushalt – und bewahrt ihn vor einer Kerkerhaft, als er 1912 wegen Missbrauchs einer Minderjährigen angeklagt wird.

Vier Jahre bleibt Wally an seiner Seite, wohnt schließlich mit ihm in einem Wiener Atelier, wird aber verlassen, als Egon zur Militärausbildung muss und eine wohlhabende Ehefrau braucht, um Begünstigungen genießen und weiter malen zu können. Der flirtenden Adele (Elisabeth Umlauft) zieht er deren jüngere Schwester Edith Harms (Marie Jung) vor; sie begleitet ihn nach Prag und ist auch dabei, als er im März 1918 in der Secession seinen größten Triumph feiert. Seine große Liebe Wally ist da bereits verstorben – und auch Edith wird es bald treffen: Weil sie ihm aus Eifersucht nicht von der Seite weicht, wohnt sie trotz Krankheit in seinem kalten Atelier…

Die Kritik

Fast so legendär wie Schieles Werke sind seine Frauengeschichten. “Egon Schiele – Tod und Mädchen” will kein mit biografischen Daten überfrachtetes Biopic sein, sondern öffnet vielmehr Fenster in Schieles kurzes Leben und fokussiert auf seine ambivalente Beziehung zu Frauen und zu Sexualität. Kameramann Carsten Thiele arbeitet viel mit Spiegeln und Reflexionen, rückt Schiele in Nahaufnahme ins Bild, wenn er expressive Posen selbst vor dem Spiegel erarbeitet. Wer mit Schieles Werk vertraut ist, wird in zahlreichen Szenen spätere Werke, Skizzen und Fotografien erkennen; Hauptdarsteller Noah Saavedra hat sogar zwei Semester Malerei und Zeichnung studiert, um Zeichnungen selbst skizzieren zu können.

Der 25-jährige Burgenländer, zuvor an der Jungen Burg, liefert ein eindrückliches Kinodebüt ab, legt Schiele so sensibel wie aufbrausend, so revolutionär wie stur, so missverstanden wie überheblich an. Der Wahn des Künstlers blitzt durch, wenn er mitten im Vorspiel innehält, um sein Gegenüber im Skizzenbuch festzuhalten. Während Schieles kontroverse Präferenz für junge weibliche Körper am Übergang vom Mädchen zur Frau wertfrei im Raum stehen bleibt, beschönigt der Film nicht, dass Schiele Frauen vor allem für eines brauchte: seine Kunst.

Autorin Berger stellt Schieles Frauen dennoch nicht als Opfer, sondern als willensstarke, ebenbürtige Frauen dar – von Gerti, die sich über die Sturheit ihres Bruders und Vormunds Egon hinwegsetzt und ihre Liebe Anton Peschka (Thomas Schubert) heiratet, über Moa, die auf ihren eigenen Ruhm bedacht ihren Namen auf seinen Bildern durchsetzt, über Wally, die seinen Stil mitprägt, bis zu Edith, die sich nicht zum reinen Zeichengegenstand degradieren lässt.

Der herausragende junge Cast und die detailverliebte Bildsprache machen die österreichisch-luxemburgische Produktion zu einem sehenswerten Herbstfilm für alle Sinne.

Der Trailer zum Film “Egon Schiele – Tod und Mädchen”

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