Editors live in Wien: Den Sonntag im Gasometer tanzend ausklingen lassen

Von Amina Beganovic
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Singt wie ein junger Gott, tanzt aber etwas merkwürdig: Editors-Frontmann Tom Smith.
Singt wie ein junger Gott, tanzt aber etwas merkwürdig: Editors-Frontmann Tom Smith. - © EPA
Am Sonntagabend daheim auf der Couch sitzen? Sicher nicht, wenn die britische Indierock-Sensation Editors mitsamt ihrem neuen Album “In Dream” Station in Wien macht. Tom Smith, Meister der Selbstinszenierung und der wunderlichen Dancemoves, schlug das Publikum einmal mehr in seinen Bann.

Eine ausverkaufte Konzerthalle im Gasometer am Sonntagabend bei stürmischem Böen-Wetter muss man als Band auch erst einmal schaffen.

Kein Problem für die Editors, die sich in Österreich bereits seit Jahren einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreuen. Melancholie und Lebenslust, die große Liebe und das Verlieren der selbigen – die Themen, die Tom Smith und seine Mannen besingen, mögen altbekannt sein, die musikalische Umsetzung, mit der die Editors in den vergangenen Jahren vom kleinen Indie-Tipp zum Kassenschlager geworden sind, ist aber unverkennbar einzigartig: Nicht nur dank des hervorrragenden Zusammenspiels von Russell Leetch (Bass), Ed Lay (Schlagzeug), Justin Lockey (Leadgitarre) und Elliott Williams (Synths). Besonders die umwerfende Baritonstimme und die – nennen wir es eigenwillige – aber grundsympathische Bühnenperformance von Frontmann Smith machen Editors-Konzerte immer wieder zu einem Erlebnis.

Aufwärmprogramm und Gedränge mit den Editors

Nach einer kurzweiligen Wachkoma-Phase dank Voract Leyya (das aktuell viel gehypte österreichische Indie-Duo besticht zwar mit traumhaft schönem Gesang, ist aber mit ihrer durchwegs langsamen, Trance-artigen Musik für den späten Sonntagabend leider eher ungeeignet) ging es schon ernergiegelanden los auf der Bühne, “No Harm” und “Sugar” schüttelten die Menge wieder wach.

Ein ausverkauftes Gasometer, bei dem nicht einmal die oberen Sitzplatzränge geöffnet wurden – ergo allgemeine Klaustrophobie vorscherrschend ist – ist als Location nicht unbedingt ein Vergnügen. Sänger Smith, der den Fans augenzwinkernd vergewisserte, wie gern er denn nicht wieder in Wien sei, fragte mitunter auch besorgt nach, ob es “allen eh gut geht”, da das Tanzen im Saal mitunter zur Ellbogen-Herausforderung wurde.

Getanzt wurde dennoch, dass es eine Freude war: Neben neuen Nummern aus ihrem aktuellen Album “In Dream” sorgten vor allem bekanntere Editors-Klassiker wie “An End Has A Start”, “All Sparks”, “Formaldehyde” oder “Salvation” für Euphorie.

Tom Smith kokettierte mit den Wiener Fans

Und ja, dass der Herr Frontmann genau weiß, wie er seine Fans glücklich macht, ist offensichtlich. Da kümmert es auch wenig, dass seine Tanzbewegungen manchmal etwas von einem hinkenden Frettchen haben – Tom Smith strahlt Charme und Selbstbewusstsein aus, wie es nur ein Sänger kann, der sich seiner Stimme absolut sicher ist.

Ist er auch, und zweifeilsfrei zurecht. Als er sich schließlich alleine auf der Bühne mitsamt Akustik-Gitarre auf einem simplen Barhocker niederlässt und “Smokers Outside The Hospital Doors” ins Mikro haucht, steigt der Kreisch-Pegel im Gasometer auf gefühlte 120 Dezibel.

Von Sonntagsmüdigkeit also keine Spur, vor allem nicht, als dann noch das heiß erwartete “A Ton Of Love”, “Munich” und ein umwerfendes “Papillon” folgen. Bis zur Abschluss-Zugabenummer “Marching Orders” tanzt das Wiener Publikum tapfer das lange Set mit rund 20 Nummern durch. Das macht es aber gerne, denn die Editors sind eine von diesen Bands, für die man es jederzeit wieder tun würde. Auch wenn der Tag nach dem Konzert ein Montag ist.

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