Kritik an Echo für Rapper Farid Bang und Kollegah

Akt.:
Strahlende Helene Fischer mit ihrem Echo
Strahlende Helene Fischer mit ihrem Echo - © APA (dpa)
Die Antisemitismus-Debatte rund um die Rapper Kollegah und Farid Bang geht auch nach der Echo-Preisverleihung weiter. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bezeichnete die Auszeichnung als “verheerendes Zeichen”. Das Duo war am Donnerstagabend in Berlin mit einer Trophäe bedacht worden. Außenminister Heiko Maas bezeichnete dies als “beschämend”.

“Die beiden Rapper erreichen mit ihren menschenverachtenden Botschaften Millionen, meist junge, Menschen. Für viele sind sie Idole”, hieß es in einer Mitteilung in der Nacht zum Freitag. Gerade erst entstehe in Deutschland die “ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen”. Mitten in diese Debatte falle nun diese Auszeichnung von Musik, “die jene Phänomene zu befördern vermag”.

Es geht um die Textzeile “Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen” der Rapper Kollegah und Farid Bang, die am Donnerstagabend für ihr Album “Jung, Brutal, Gutaussehend 3” in der Kategorie Hip-Hop/Urban national ausgezeichnet wurden. “Wir sprechen hier nicht über politische Meinungen, sondern wir sprechen über Musik, über Kunst. Es ist natürlich ein dehnbarer Begriff und natürlich ist uns bewusst, dass wir eine bestimmte Grenze überschritten haben”, sagte Farid Bang vor der Gala. “Die Absicht dahinter war niemals negativ, sondern höchstens vielleicht ein bisschen fahrlässig.”

Doch weder am roten Teppich, noch auf der Bühne ließ sich das Duo auf eine inhaltliche Debatte ein. Nach Kritik von Toten-Hosen-Sänger Campino sagte Kollegah: “Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen.” Später bezeichnete er Campinos Kritik als “stillos” und warf diesem vor, sich als moralische Instanz aufgespielt zu haben. Nach der Verleihung sagte Farid Bang im Vox-Interview: “Wir feiern heute, und wer sich jetzt noch aufregen will, dass wir den Echo bekommen haben, der soll es machen. Wir sind die Gewinner.”

Provokation sei ein wichtiges Stilmittel, hatte Campino auf der Bühne gesagt, als der 55-Jährige die Auszeichnung für die Kategorie Rock national entgegennahm. Habe Provokation aber eine frauenfeindliche, homophobe, rechtsextreme oder antisemitische Form, sei eine Grenze überschritten. Viele andere teilen Campinos Meinung: “Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend”, sagte etwa Peter Maffay zu “Bild.de”. Die Jusos twitterten am Freitag, es sei beschämend und ein falsches Signal, dass die Zeile nicht für einen Echo-Ausschluss gereicht habe. “Es geht nicht um einzelne Worte, sondern um Antisemitismus, Sexismus und die Homophobie in Teilen der Rap-Szene.”

Solche Zeilen verletzten nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, der Deutschen Presse-Agentur, nachdem er das zuvor auch in der “Bild” geäußert hatte. “Das missbraucht die Kunstfreiheit und ist inakzeptabel. Es ist sehr problematisch, dass damit auch noch Hunderttausende junger Menschen erreicht werden.” Einer renommierten Veranstaltung wie der Echo-Preisverleihung sei das nicht würdig.

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich nicht konkret zur Echo-Verleihung äußern. “Ich denke, dass die ganz grundsätzliche Haltung der Bundesregierung und Bundeskanzlerin gegen jede Form von Antisemitismus in unserem Land, in unserer Gesellschaft klar ist”, sagte er allgemein. Außenminister Heiko Maas hingegen kritisierte die Verleihung indirekt als “beschämend”. “Antisemitische Provokationen haben keine Preise verdient, sie sind einfach widerwärtig”, twitterte Maas am Freitag. “Dass am Holocaustgedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend.”

Die Debatte stellte die anderen Preisträger und Musikauftritte komplett in den Schatten. Der große Gewinner des Abends glänzte mit Abwesenheit: Ed Sheeran wurde in den Kategorien Album des Jahres, Hit des Jahres und bester internationaler Künstler geehrt, nahm die Auszeichnungen aber nicht persönlich entgegen. Der 27-Jährige bedankte sich per Videobotschaft aus Japan. Helene Fischer war da und erweiterte ihre Rekord-Echosammlung – sie bekam in der Kategorie Schlager ihren 17. Preis. “Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar”, sagte die 33-Jährige auf der Bühne.

Seinen ersten Echo gewann der Sänger Mark Forster. Der 34-Jährige erhielt den Preis in der Kategorie Künstler Pop national. “Ich hatte heute als ich hergekommen bin richtig Bock, einen Echo zu gewinnen”, sagte er auf der Bühne. Forster war schon öfter nominiert, hatte aber noch nie gewonnen. Zuvor hatten Alice Merton (Künstlerin Pop national), Milky Chance (Band Pop national) und Haiyti (Kritikerpreis) Preise abgeräumt. Wincent Weiss gewann die Auszeichnung als nationaler Newcomer. Luis Fonsi wurde als internationaler Newcomer geehrt. Der DJ Robin Schulz gewann den Echo in der Kategorie Dance national. Er konnte den Preis allerdings wegen Krankheit nicht selbst entgegennehmen.

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung. Zwei eher ungewöhnliche Auftritte legte Rekord-Preisträgerin Fischer hin. Zuerst performte sie ihr Lied “Lieb mich dann” mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und dem Gitarristen Gregor Meyle. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi. “Wir vom Schlager sind einfach überall – auch da, wo niemand mit uns rechnet”, sagte sie.

Die Nominierungen für den Echo ergeben sich aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kommen auf die Liste. Eine 550-köpfige Jury entscheidet, wer gewinnt. Zu den Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

(APA/dpa)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen