Droht Österreich Atomterror?

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Die Grünen warnen vor terroristischen Angriffen auf grenznahe AKWs. Peter Pilz spricht von fünf „brandgefährlichen” AKWs nahe der österreichischen Grenze. Glawischnig kritisiert die Untätigkeit der Regierung.

Österreich sei gegen terroristische Angriffe auf grenznahe Atomkraftwerke (AKW) ungeschützt. Davor warnten heute, Dienstag, die grüne Bundes- und Umweltsprecherin Eva Glawischnig und der grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Jederzeit könne ein Flugzeug in einem terroristischen Akt in einen Atomreaktor gesteuert werden. Glawischnig kritisierte in diesem Zusammenhang die Untätigkeit der Regierung und forderte angesichts der Gefahr Initiativen zur Verstärkung der Sicherheit in Österreich.

Seit dem 11. September 2001, als zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York steuerten, bestehe eine neue Gefahr, die jedoch bisher von der Regierung „ignoriert und ausgeblendet” wurde, so Glawischnig. Eine Verschmelzung der beiden größten Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte – Tschernobyl und der 11. September – würde aber einem „Terror-Super-Gau” gleichkommen.

Derzeit sind laut Glawischnig weltweit 441 Atomkraftwerke in Betrieb. Kein einziges sei gegen einen terroristischen Anschlag geschützt. Österreich sei zudem „von Atomkraftwerken umzingelt”. Fünf Reaktorblöcke nahe der österreichischen Grenze seien besonders gefährlich: Isar 1 (Deutschland), Dukovany (Tschechien), Mochovce, Bohunice (beide Slowakei) und Paks (Ungarn). Ein terroristischer Angriff mit einem Frachtflugzeug oder einem Hubschrauber, mit Lenkwaffen oder einem Kommando, das in den Reaktor eindringt, sei jederzeit möglich. Doch die fünf AKWs seien gegen keinen dieser Fälle sicher, so Glawischnig. Alle fünf Reaktoren zählen zu älteren AKW-Generationen und verfügen über keine Stahlbetonummantelung.

Würde solch ein Anschlag gelingen, könnte binnen einer Stunde der Reaktorkern schmelzen. Der „Terror-Super-Gau” würde ein Vielfaches jener Menge an Radioaktivität freisetzen, die bei der Katastrophe von Tschernobyl in die Atmosphäre gelangt ist. Wien als betroffene Stadt wäre nur 100 bis 150 Kilometer von der Schutzzone entfernt, bei einer Atomkernschmelze und einem Wetterfall Ostwind wäre eine rechtzeitige Evakuierung der Bundeshauptstadt nicht möglich. Zudem gebe es zu wenig Schutzräume für die Bevölkerung. Pilz betonte, die einzige Möglichkeit für mehr Sicherheit bei den fünf „brandgefährlichen” Atomkraftwerken sei das „Abschalten” der Reaktoren.

Doch die Regierung ignoriere die Gefahr, kritisierte Glawischnig. Im Jänner 2004 habe der Nationalrat der Bundesregierung per Antrag einen klaren Auftrag zur Überprüfung aller europäischen AKWs auf Terrorsicherheit erteilt. Flugverbotszonen um alle AKWs sollten eingerichtet werden; bei Reaktoren, wo dies unmöglich ist, sollte die Schließung erwirkt werden. Doch die Regierung sei diesem Auftrag nicht nachgekommen, auch auf europäischer Ebene habe sich nichts getan, so Glawischnig.

Die Grüne Bundessprecherin forderte deshalb die Einhaltung der Beschlüsse des Nationalrates. Die Regierung dürfe „nicht den Kopf in den Sand stecken”. Auch Österreichs EU-Ratspräsidentschaft dürfe nicht mit einer „Null-Bilanz” in puncto Atompolitik und Sicherheit vorübergehen. Bisher sei als einzige Maßnahme ein bundesweit einheitlicher Sirenenton, den „niemand kenne”, umgesetzt worden, so Glawischnig, die weitere Schritte in Richtung sichereres Österreich seitens der Grünen ankündigte.

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