Djukanovic: Neue Zigarettenschmuggel-Vorwürfe

Djukanovic: Neue Zigarettenschmuggel-Vorwürfe
Der montenegrinische Ministerpräsident Milo Djukanovic wird den Ruf, in den 1990er Jahren mit Zigarettenschmuggel viel Geld verdient zu haben, nicht los.

Nachdem die italienische Staatsanwaltschaft ihre jahrelangen Ermittlungen im April eingestellt hat, meldet sich nun der ehemalige engste Vertraute von Djukanovic mit belastenden Aussagen zu Wort.

Ratko Knezevic war in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ein Berater von Djukanovic und später auch Vertreter der Handelsvertretung Montenegros in den USA. In einem Interview mit der Tageszeitung “Vijesti” sagt Knezevic, dass Djukanovic damals zugleich legaler Staatspräsident und Boss des größten illegalen Geschäfts in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen sei und es zum Partner der italienischen und serbischen Mafia geschafft habe.

Die montenegrinischen Behörden hatten die Schmuggelgeschäfte immer als legalen Wiederexport von westlichen Zigarettensorten nach Italien dargestellt, der Podgorica während des UNO-Handelsembargos gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) Budgeteinnahmen gesichert habe. Laut Knezevic erlebte der Schmuggel seine Blütezeit aber erst nach dem Ende des Embargos. Allein zwischen 1999 und 2000 sollen mehrere Milliarden Dollar (1 Dollar = 0,703 Euro) pro Jahr erwirtschaftet worden seien, sagt der seit Jahren in London lebende Ex-Djukanovic-Vertraute. Statt in die Staatskassen sei ein Großteil der Gelder in private Taschen geflossen.

Knezevic machte das “Zigarettenkartell” auch für die Ermordung des kroatischen Journalisten Ivo Pukanic im vergangenen Oktober verantwortlich. Tatsächlich hatte Pukanic vor Jahren mit einer Artikelreihe über den Zigarettenschmuggel, in der er Djukanovic und den serbischen Geschäftsmann montenegrinischer Abstammung, Stanko Subotic Cane, als Bosse des Zigarettenschmuggels bezeichnet hatte, für großes Aufsehen gesorgt. Das Leben von Pukanic sei eine “Chronik des angekündigten Todes” gewesen, nachdem er mit seinen Artikeln die Geschäfte der größten Mafia-Gruppe auf dem Balkan zum Scheitern gebracht hätte, ist Knezevic überzeugt. Auch sein eigenes Leben dürfte bedroht sein.

Mindestens acht ungelöste Mordanschläge auf montenegrinische und serbische Polizeifunktionäre brachte Knezevic mit der Zigarettenmafia in Verbindung. Seiner Meinung nach war auch der vor Jahren ermordete montenegrinische Journalist Dusko Jovanovic ihr Opfer. Er war als möglicher Zeuge der italienischen Justiz gehandelt worden.

Die Djukanovic-Partei DPS (Demokratische Partei der Sozialisten) bezeichnete die Angaben von Knezevic umgehend als “völlige Unwahrheiten”. Es handle sich um einen vergeblichen Versuch, bereits “tote Informationen” wiederzubeleben, heißt es in Anspielung auf das in Italien eingestellte Strafverfahren gegen Djukanovic. Allerdings wurde das Verfahren nur deswegen eingestellt, weil Djukanovic als ausländischer Regierungschef durch die diplomatische Immunität geschützt sei.

Derzeit ist es noch unklar, ob sich mehrere engste Mitarbeiter von Djukanovic in diesem Fall vor der italienischen Justiz werden verteidigen müssen. Eine Entscheidung der italienischen Justiz wird im Herbst erwartet.

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