Dirk Stermann beschließt “Eier”-Trilogie: Neuer Erzählband “Dreier”

Dirk Stermann hat den dritten Band seiner Trilogie veröffentlicht
Dirk Stermann hat den dritten Band seiner Trilogie veröffentlicht - © Czernin Verlag / APA/HERBERT PFARRHOFER
Gewohnt humorvoll und selbstironisch gibt sich Kabarettist Dirk Stermann in seinem jüngsten Erzählband, der den krönenden Abschluss seiner “Eier”-Trilogie bildet. “Dreier” ist ein unterhaltsamer Ritt durch Alltägliches und Skurriles aus seinem Leben – und unser Buch-Tipp der Woche.


“Wenn Ihnen dieser Text zu sprunghaft ist, bin ich ganz bei Ihnen. Aber mal ehrlich, die Idee so eines Zettelzettels ist in den seltensten Fällen ein abgeschlossener Roman”, heißt es da. Dirk Stermann ist nicht nur erfolgreicher Kabarettist, sondern inzwischen auch ein äußerst produktiver Autor.

Als Autor etabliert: Kabarettist Dirk Stermann

Während die kurzen Erzählungen in “Eier” (2010), “Zweier” (2013) und nun “Dreier” vor allem Schlaglichter auf Alltagserlebnisse und spontane Gedankengänge werfen, hat sich Stermann auch mit den Romanen “Sechs Österreicher unter den ersten fünf” (2012) und “Stoß im Himmel” (2013, beide im Ullstein Verlag erschienen) als ernst zu nehmender Autor positioniert.

In rund 50 skurrilen Texten gibt der 49-jährige Deutsche nun auf 150 Seiten Einblicke in seine Lebens- und Gedankenwelt, absurde Begegnungen oder Erinnerungen an seine Kindheit. Im Kapitel “Meine Mutter und Wolf Wondratschek” erfährt man etwa, dass der junge Dirk darunter litt, weniger Alkohol als seine Schulkollegen zu vertragen: “Aber im Sinne Bukowskis und Wondratscheks wollte ich auf jeden Fall mehr vertragen können. Ich wollte auch ein desillusionierter, trinkender, rauchender Mann sein”, heißt es da.

Buch-Thema: Ein Mann mit Bart

Was Stermann mit Sicherheit wurde, ist ein Mann mit Bart. Dieser wird an mehreren Stellen des Buchs zum Thema. “Schau mal, Mama. Der Bart. Ist der krank? – Nein, der ist beim ORF”, heißt es etwa in einem Dialog. Oder: “Man siehts mir nicht an, aber manchmal rasiere ich mich.” Dass man mit Bärten heutzutage so einiges assoziieren kann, zeigt ein kurzer Dialog mit einem “freundlichen Araber, der unter der Hand Karikaturen von Mohammed-Karikaturisten verkaufte”: “Sie sind unrasiert? Sind Sie Moslem oder so ein alberner Hipster?”

Dass er das literarische Stilmittel des Vergleichs in höchste Lüfte zu schrauben vermag, zeigt Stermann etwa in der Erzählung “Summer of Weddings”: “Ich fuhr los, die Keilriemen quietschen, was sie bei Regen immer tun, und die Scheibenwischer ächzten, wie ein erschöpfter Turnusarzt nach 72 Stunden Dauer-OP.” Oder: “Was für ein trister Ort. Ein Ort wie Mario Barth.” Der deutsche Komiker ist allerdings nicht der einzige Promi, der sein Fett wegbekommt.

Selbstreflektives von Dirk Stermann

Aber auch seinen eigenen Status als öffentliche Person thematisiert der Co-Moderator von Christoph Grissemann, etwa in einer Episode in einem Flugzeug der Linie “Fly Niki”, wo ihm ein Glas Sekt und ein Besuch im Cockpit aufgedrängt werden: “Der eigentlich nichts zu verschenken habende Niki Lauda muss irgendwann einmal die Anweisung gemacht haben, jedem, der einem bekannt aus Funk und Fernsehen vorkommt, einen Sekt vorm Start zu servieren”, heißt es da. “Ob er oder sie will oder nicht, noch betrunken ist vom Vortag oder nicht, trockener Alkoholiker ist mit Riesen-Rückfallpotenzial – egal.”

Aber auch mit nützlichen Tipps für den gebildeten Bürger wartet Stermann auf: Falls man Michel Houellebecqs Roman “Unterwerfung” noch nicht gelesen haben sollte, weil man Probleme mit der Aussprache seines Namens hat, gebe es eine einfache Lösung: “Es gibt einen englischen Fußballer, der Danny Welbeck heißt. Der kommt ohne Ous und Qs aus und wird genauso ausgesprochen.”

“Zettelzettel” fanden Eingang in “Dreier”

Auf den eingangs erwähnten “Zettelzetteln” notiert Stermann übrigens “manchmal jahrelang, Sätze, die ich mag oder nicht verstehe oder von denen ich das Gefühl habe, dass sie noch einmal in Verwendung kommen”. Mit “Dreier” scheint er diesen Zettel nun abgearbeitet zu haben. Die Reise in den Kopf von Dirk Stermann ist jedenfalls eine äußerst vergnügliche. Bleibt zu hoffen, dass sich sein “Zettelzettel” in den kommenden Jahren wieder füllt.

Dirk Stermann: “Dreier”, Czernin Verlag, 154 Seiten, 15,90 Euro. Lesung am 15. November, 13 Uhr auf der “Buch Wien”

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(apa/red)

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