Dior und ich – Kritik und Trailer zum Film

Dior und ich – Kritik und Trailer zum Film
Am 9. April 2012 wurde der belgische Stardesigner Raf Simons als Nachfolger des in Unehren gegangenen John Galliano zum Kreativdirektor der Damenlinien bei Dior ernannt. In den kommenden zwei Monaten hatte er unter extremem Zeitdruck seine erste Haute-Couture-Kollektion zu entwerfen und zu präsentieren. Und sich damit zugleich bei Mitarbeitern, Kunden, Fans und Finanziers des Hauses zu profilieren. Dem französischem Filmemacher Frederic Tcheng (Regie, Drehbuch, Produktion) ist es erstmals gelungen, dem Modeschöpfer und seinem beeindruckenden Team bei ihrer Arbeit hautnah zu kommen.

Nur die elegantesten Frauen der Gesellschaft wollte Christian Dior anziehen – mit Roben mit Wespentaille und weitschwingenden Röcken aus kostbaren Stoffen. Heute leitet der Belgier Raf Simons als Kreativdirektor die Damenkollektionen der Firma Dior, zu der Normalsterbliche keinen Zutritt haben.  Tcheng kommt dem scheuen Simons bei seiner Arbeit erstmals hautnah und schildert, wie er den Geist des Gründers in die Gegenwart übersetzt. Und wie sich Stil-Ikonen wie Marion Cotillard, Charlene von Monaco und “Vogue”-Chefin Anna Wintour für seine Kreationen begeistern.

Inhalt zur Doumentation

Dabei porträtiert Tcheng einen Mann, dem manche den Posten zunächst gar nicht zutrauten. Denn der studierte Industriedesigner Simons, Nachfolger des flamboyanten John Galliano, galt als “Minimalist”. Mit seiner eigenen Herrenmodemarke hatte er ab 1995 erfolgreich eine schmale Silhouette und dunkle Farben propagiert, als Kreativdirektor bei “Jil Sander” zwischen 2005 und 2012 den Purismus neu definiert.

In Edelläden rund um den Erdball erstehen nun Fashionistas für einiges mehr als Kleingeld Pret-a-Porter, Accessoires, Parfüm und Kosmetik der Luxusmarke. Für die extrem prestigeträchtige Haute Couture, das Herz des Hauses, soll es international nur wenige hundert Käuferinnen geben. Die Preise für die in alter Handwerkskunst gefertigten Einzelstücke? Die liegen locker im fünf- bis sechsstelligen Bereich.

Kritik zu “Dior und ich”

Tcheng, der schon an den Modefilmen “Valentino: The Last Emperor” und “Diana Vreeland – The Eye Has to Travel” mitgewirkt hat, zeigt Simons facettenreich. Persönlich wohl ähnlich sympathisch bescheiden auftretend wie sein großer Vorgänger, wirft sich Simons – bis dato nur in der Edelkonfektion Zuhause – bestimmt und bestimmend in seine neue Aufgabe. Beim Blick in die Archive erforscht er die Opulenz Diors. Zugleich sammelt er Ideen, um dessen Look konsequent zu modernisieren.

“Ich wollte dynamischer werden, weil Frauen heute dynamischer sind. Sie müssen sich bewegen können”, erklärt der Freund klarer Linien – und kombiniert ein nun blusenkurzes Wespentaillenkleid als Top zur engen schwarzen Hose. Simons entdeckt alte Dior-Stoffe, die nicht in der Fläche, sondern bereits in den Fäden eingefärbt wurden, was ihre Muster leicht verschwommen wirken lässt. Daraufhin überzeugt der Kunstfreund eine Weberei, in der Kürze der Zeit abstrakte Bilder des Amerikaners Sterling Ruby auf Seiden zu übertragen – woraus etwa ein umwerfendes Bustierkleid entsteht.

Regisseur Tcheng drehte, als Simons nach seiner Ernennung am 9. April 2012 in Rekordzeit von nur zwei Monaten seine erste Damen-Haute-Couture-Kollektion zu entwerfen hat – die dann Anfang Juli von Presse und Publikum triumphal aufgenommen wurde. Zum Glück, denn die Mode ist ja auch ein Geschäft und Simons hat sich auch gegenüber den Dior-Finanziers zu profilieren. Der Job eines Chefdesigners hat zwar mit Glamour zu tun, ist selbst aber ein Knochenjob. Dass der nur im Team mit unprätentiösen und gewitzten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen möglich ist, wird im Film schnell deutlich. Teilweise schneidern und nähen sie schon seit mehr als vierzig Jahren im Haus.

Ein sehr charmante Anekdote im Film ist auch, wie Simons aus seinem Besuch von Diors Geburtshaus in der Normandie einen Extra-Clou für seine finale Show entwickelt. Die Pastell-Farben und der üppige Blumengarten inspirieren ihn dazu, in einem alten Pariser Privatpalais die Wände mit Blüten förmlich zu pflastern. Und auch das ist berührend zu sehen: Am Ende, als der Beifall prasselt und die Hochspannung abfällt, kann der Stardesigner seine Tränen nicht zurückhalten.

(APA)

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