Die Lust des Kinos an Katastrophen: “Titanic” in Film und Fernsehen

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Titanic ab Donnerstag in 3D auf der Leinwand.
Titanic ab Donnerstag in 3D auf der Leinwand. - © AP
Katastrophen üben auf das Kino eine besondere Anziehungskraft aus und waren von Anbeginn an ein zentrales Sujet der Filmgeschichte, sowohl dokumentarisch als auch fiktional. Das beste Beispiel dafür ist der Untergang des Luxusdampfers “Titanic”.

Bereits 29 Tage nach dem Unglück des Luxusdampfers im Jahr 1912 fand ein zehnminütiger Stummfilm erstmals seinen Weg auf die Leinwand und seither wurde “Titanic” mehrfach für das Kino und das Fernsehen aufbereitet. Am bekanntesten und wohl auch detailgetreusten war James Camerons “Titanic”, der am Donnerstag in 3D wieder im Kino startet.

Überlebender verfilmte Titanic erstmals

Die erste filmische Adaption des Unglücks vom 12. April 1912 geht auf Dorothy Gibson zurück, die als eine der Überlebenden den Stoff gleich selbst verarbeitete und “Saved From the Titanic” am 14. Mai 1912 uraufführte. Nur drei Monate später kam der etwa halbstündige deutsche Stummfilm “In Nacht und Eis” heraus, der gemeinhin als erster Spielfilm zur Titanic gewertet wird und erst 1998 im Besitz eines deutschen Sammlers wiedergefunden wurde. Diese Praxis der schnellen Verwertung von großen Unglücken stieß aber auch immer wieder auf große Skepsis.

“Man sollte glauben, dass Katastrophen, zu denen (der Kameramann) wegen ihrer Plötzlichkeit nicht rechtzeitig herbeieilen kann, ihm entgehen”, schrieb etwa 1915 der österreichische Schriftsteller Max Nordau in seinem Text “Kinokultur”. “Mitnichten. Da Eisenbahnzusammenstöße, Dynamitexplosionen, Selbstmorde, Autoverbrechen nicht überrascht werden können, so werden sie einfach künstlich in Szene gesetzt (…) und im Film festgehalten.” Der Filmapparat sei allgegenwärtig, argumentierte Nordau gegen den umhergreifenden Sensationalismus.

1929 erster Titanic-Tonfilm

Es sollte schließlich bis 1929 dauern, bis mit dem britischen Film “Atlantic” der erste Tonfilm zum Thema veröffentlicht wurde. Weitere vierzehn Jahre später wurde der Stoff vom Deutschen Herbert Selpin verfilmt und von den Nazis als Propagandaproduktion genutzt. Es folgten 1953 die populäre Verfilmung “Titanic” (dt.: Untergang der Titanic) mit Barbara Stanwyck, Clifton Webb und Robert Wagner sowie 1958 das gefeierte Schwarz-Weiß-Actiondrama “A Night to Remember” (dt.: Die letzte Nacht der Titanic) von Roy Ward Baker mit Kenneth More.

Ende der 1970er Jahre sprang das Fernsehen mit der britisch-amerikanischen Produktion “S.O.S. Titanic” auf, während im Kino der Agentenfilm “Raise the Titanic” (dt. Hebt die Titanic) im Kino floppte. Der Fernseh-Zweiteiler “The Titanic” (1996) stand schließlich bereits im Schatten von James Camerons riesiger Produktion mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, die ab 1997 alle Rekorde brechen sollte. Am Donnerstag kommt der Film nun in einer 3D-Version noch einmal ins Kino, während der ORF zeitgleich (am 4. und 5. April) auf eine neue vierteilige Mini-Serie setzt.

Titanic-Filme im Überblick

1912 – “Saved From the Titanic” (USA)
1912 – “In Nacht und Eis” (D)
1929 – “Atlantic” (GB)
1943 – “Titanic” (D)
1953 – “Titanic” (USA)
1958 – “A Night to Remember” (GB)
1979 – “S.O.S. Titanic” (GB/USA, TV)
1980 – “Raise the Titanic” (USA)
1996 – “The Titanic” (CAN/USA, TV)
1997 – “Titanic” (USA)
1999 – “Mäusejagd auf der Titanic” (ITA/SPA/USA)
2012 – “Titanic 3D” (USA)
2012 – “Titanic” (USA, TV)

APA

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