Die Lobau, der Wienerwald und die Grünen

Dr. Andreas Unterberger schreibt in seinem heutigen Gastkommentar über den Lobautunnel.
Dr. Andreas Unterberger schreibt in seinem heutigen Gastkommentar über den Lobautunnel. - © APA (Symbolbild)
Gastkommentar von Andreas Unterberger: Jeder, der im Osten Wiens unterwegs ist, weiß es: Der Lobautunnel ist dringend notwendig. Damit Wien weiter weg vom Stadtzentrum umfahren wird. Damit nicht der rapide zunehmende Verkehr aus dem dynamisch wachsenden Raum Polen/Tschechien/Baltikum via “Tangente” fast direkt durch die Stadt geleitet wird. Und damit Wiens derzeit einzige Nord-Süd-Schlagader nicht völlig zum Stillstand kommt.

Die ständig aus dem Radio dringenden Meldungen von großen Staus auf der Tangente, die täglich großen ökologischen Schaden anrichten und die Zehntausenden Menschen sinnlose Lebenszeit kosten, sind ein ständig neuer Beweis dieser Notwendigkeit.

Jedoch: Seit die Grünen in der Wiener Stadtregierung sitzen, sabotieren sie mit Erfolg den Bau einer Entlastungsstrecke östlich von der Tangente an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich. Und das dürfte sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weiterhin versuchen, solange sie in der Wiener Koalition sitzen. So wie ja auch der seit langem dringende Bau einer Westumfahrung von Linz erst möglich geworden ist, seit die Grünen nicht mehr zur oberösterreichischen Regierungsmehrheit gehören.

Während die Wiener Grünen vom Konzerthaus/Stadtpark bis Karlsplatz ständig große Lust an hässlichen Betonprojekten zeigen, wollen sie in der Lobau nicht einmal die umweltfreundliche – und daher ohnedies sauteure – Untertunnelung der Lobau dulden. Aber die republikseigene Asfinag kann ja die zuständige grüne Stadträtin nicht gut bestechen, auch wenn ein Umdenken von Frau Vassilakou im Interesse von Millionen Menschen, der Wirtschaft Wiens und ganz Mitteleuropas wäre …

Jetzt hat diese Stadträtin wieder einmal die Präsentation von Alternativen zum Lobautunnel versprochen. Was spitze Zungen zur Bemerkung veranlasst hat: “Wahrscheinlich wird sie einen Radweg vorschlagen.”

Gewiss: Die Prüfung von Alternativen ist vor jedem Baubeginn gut und richtig. Nur: In diesem Fall ist sie schon seit vielen Jahren erfolgt. Nach Zählung der Wiener Wirtschaftskammer sind bisher nicht weniger als 20 Alternativen geprüft worden. Und am Ende dieser vielen Prüfungen ist ohnedies im Interesse von Umwelt und Anrainern die teuerste Variante ausgewählt geworden.

Ja noch viel mehr: Vor mehr als einem Jahr ist bereits die – ohnedies immer extrem langwierige – Umweltverträglichkeitsprüfung positiv abgeschlossen worden. Also ist wohl eindeutig: Frau Vassilakou will in alter grüner Manier das Projekt einfach immer weiter verschleppen, obwohl eigentlich bei Abschluss der jüngsten Wiener Koalition der Eindruck verbreitet worden war, dass die Grünen ihren Widerstand gegen den Tunnelbau aufgeben müssen.

Aber die Wiener SPÖ, die sehr für den Bau der Autobahn ist, ist derzeit offensichtlich durch Wahlniederlagen, Häupl-Nachfolgespekulationen und fundamentalen Richtungsstreit in Sachen Völkerwanderung viel zu schwer angeschlagen, als dass sie einen offenen Konflikt mit den Grünen aufzunehmen imstande wäre.

Wer noch immer Zweifel an der Notwendigkeit einer zweiten Autobahnverbindung vom Norden in den Süden Wiens hat, möge einen Blick auf die Landkarte riskieren. Da wird er zwei entscheidende Fakten sehen können:

Erstens wird in Bälde die Weinviertelautobahn A5 fertig, die noch mehr Verkehr aus dem Norden an Wien heranführen wird.

Zweitens gibt es nur eine – absolut furchtbare – Alternative zur Lobauroute: Das wäre der Bau einer Nord-Süd-Autobahn am Westen Wiens vorbei, also quer durch den Wienerwald…

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von “Presse” bzw. “Wiener Zeitung”. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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